Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
Kathina, Monday, 04.08.2014, 01:03 (vor 4396 Tagen)
Hallo,
Bin neu hier - wegen meiner Tochter, 18 Jahre, ehemaliges frühchen nach einer Gehirnblutung geistige Behinderung. Vor ca. 2,5 Jahren traten leichte Anfälle auf, der Neurologe war sich nicht sicher, ob Migräne oder Epilepsie. Seit letztem November wurde sie auf lamotrigin eingestellt 50-0-50, da es vermutlich doch eher epileptische Anfälle sind.
In den letzten Monaten leidet sie an starker Aggressivität , fügt sich und anderen auch schaden zu. Bisher habe ich es als Begleiterscheinung ihrer psychischen Erkrankung (Anorexie) gedeutet. Diese stabilisiert sich jedoch gerade und die Aggressivität immer schlimmer.
Habe dann heute Nacht im Internet gesucht und bin auf dieses Forum gestoßen.
Welche Alternativen gibt es denn zu diesem Mittel oder ist es überhaupt sinnvoll, etwas präventiv einzunehmen?
Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
mezeg, München, Monday, 04.08.2014, 09:04 (vor 4395 Tagen) @ Kathina
Hallo Kathina,
ich kann Dir nur berichten, daß ich nach der OP (Hirnhauttumor) für 6 Monate auf Keppra vorsorglich gesetzt wurde und eine deutliche erhöhung der Reizbarkeit selber gemerkt habe. Nach erfolglosem Versuch der Absetzung und eindeutige GM-Anfall wurde ich vor 3 Jahren auf Lamotrigin eingestellt (125- 0 - 100). Wenn es weiterhin eine "überhöhte Streßanfälligkeit) gibt, ist sie viel geringer und leichter "rational" zu bekämpfen, à la "Wozu rege ich mich doch auf? Es nützt nicht!" Bleibt der Gegenüber ruhig-normal bin ich schnell wieder verhandlungsfähig. Diesen Makel hatte ich sowieso vor der Epilepsie schon, wenn auch viel schwächer - und nie unbegründet.
Also ist Lamotrigin auf jedem Fall für mich besser als Keppra. Aber jeder reagiert anders.
Alles Gute
mezeg
Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 04.08.2014, 18:20 (vor 4395 Tagen) @ Kathina
Vor ca. 2,5 Jahren traten leichte Anfälle auf, der Neurologe war sich nicht sicher, ob Migräne oder Epilepsie.
Von was für Anfällen sprechen wir hier denn? "Größere" mit Krämpfen (Grand Mal)? Kleinere ohne Krämpfe aber mit Desorientierung, seltsamen Wahrnehmungen (Auren, einfach fokale Anfälle)?
Welche Alternativen gibt es denn zu diesem Mittel oder ist es überhaupt sinnvoll, etwas präventiv einzunehmen?
Das ist ne schwere Frage in dem speziellen Zusammenhang und sollte lieber von einem Facharzt beantwortet werden, der das Gesamtbild kennt. Es gibt zwar viele Antiepileptika, aber in wie fern die anderen in der speziellen Situation geeignet sind, muss ein Facharzt beurteilen. Ruhig einfach auch einmal eine Zweitmeinung dazu einholen, wenn Du Dir nicht sicher bist.
Was genau meinst Du eigentlich mit "ist es überhaupt sinnvoll, etwas präventiv einzunehmen?" ? Bin mir nicht ganz sicher, wie ich das verstehen soll.
Mein erster Gedanke war, dass Du wissen willst, ob die Einnahme von Antiepileptika generell sinnvoll für Personen mit Epilepsie ist. Da würde ich persönlich antworten, dass es sinnvoll ist, wenn es die Anzahl der Anfälle in einem solchen Maße senkt, dass die dadurch gewonnene Erleichterung (z.B. Fähigkeit, einem normalen Alltag mit Arbeit etc. wie jeder andere zu haben) die Nachteile durch tatsächlich auftretende Nebenwirkungen nach der Gewöhnung (so denn welche auftreten) übersteigt (was natürlich sehr subjektiv und nicht wirklich messbar ist) oder die Anfälle so abgeschwächt werden, dass das Risiko schwerer körperlicher Verletzungen deutlich reduziert wird (wobei man das auch unter "gewonnene Erleichterung" verbuchen kann; wollte den Aspekt nur noch extra reinbringen).
Mein zweiter war, Du meinst damit etwas in Richtung "Bringen denn die Medis überhaupt etwas?" Würde ich klar mit ja beantworten, mit der Einschränkung, dass nicht jeder gleich gut auf die unterschiedlichen Wirkstoffe reagiert und etwas, das dem einen gut hilft, einem anderen gar nix bringen kann und umgekehrt genauso. Auch gibt es einen kleinen Teil sogenannter therapieresistenter Epilepsien, d.h. Leute, die trotz Medis nicht anfallsfrei werden. Falls das für Dich nicht sehr überzeugend klingen sollte, weil Du hier im Forum viele Erzählungen von Anfällen findest: Im Internet findest Du überwiegend den Teil derjenigen, denen es auf irgendeine Art nicht so gut geht oder einmal nicht so gut ging.
Aber irgendwie so vom Gefühl her glaub ich, trifft die Antwort auch nicht das, was Du eigentlich wissen willst.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
Kathina, Monday, 04.08.2014, 21:10 (vor 4395 Tagen) @ huge88
Für mich ist es immer noch nicht ganz klar, ob es richtige Anfälle sind. Es passiert ca. Einmal im Monat, dauert. Ca. 2 Minuten , Sehstörungen und geistige Abwesenheit, danach starke partielle Kopfschmerzen. Und dagegen hilft auch noch ein Schmerzmittel.
Deshalb die Frage, ob es für uns als Familie besser ist, diese "Anfälle" zu ertragen, als eine Aggressivität, die sich wirklich massiv steigert und auch verletzend bzw. selbstverletzend ist.
Und ob es als Nebenwirkung diese Aggressivität gibt, ob es alternative Medikamente gibt, ob dies eine geringe Häufigkeit ist und auch ein geringes Ausmaß.
Habe mich bisher mit dem Thema nicht auseinander gesetzt, sondern dem Arzt und der medikation vertraut und suche jetzt Infos, was zu uns passt.
Bin daher für jeden Hinweis dankbar!
Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Tuesday, 05.08.2014, 10:45 (vor 4394 Tagen) @ Kathina
Deshalb die Frage, ob es für uns als Familie besser ist, diese "Anfälle" zu ertragen, als eine Aggressivität, die sich wirklich massiv steigert und auch verletzend bzw. selbstverletzend ist.
Was sagt denn der Arzt in Bezug auf das Verhalten und Deinem Wunsch danach, etwas anderes zu probieren? Ich mein Anfälle muss man nicht "ertragen", da kann man ja wirklich was dagegen machen und gibt es mehr als ein einziges Medi. Welche konkret in Frage kommen, können Dir nur Ärzte beantworten.
Und ob es als Nebenwirkung diese Aggressivität gibt, ob es alternative Medikamente gibt, ob dies eine geringe Häufigkeit ist und auch ein geringes Ausmaß.
Wie schon gesagt: Man kann selten Vorhersagen, welche Nebenwirkungen bei jemanden bei welchem Antiepileptikum auftreten werden und welche nicht. Ich persönlich merke gar keine bei meinem Medi, andere hingegen kriegen die volle Breitseite davon ab. Geeignete Alternativen kann Euch nur ein Arzt zeigen. Wie sich die dann auswirken, wird man sehen müssen.
Für mich ist es immer noch nicht ganz klar, ob es richtige Anfälle sind.
Im Zweifel kann eine Zweitmeinung nicht schaden und ggf. gibt es, wenn alles nix hilft, auch Facharztzentren (z.B. Epilepsieambulanzen).
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
chilli82, Friday, 26.09.2014, 02:03 (vor 4342 Tagen) @ Kathina
Hallo Kathina,
meine Mama hatte auch eine schwere Hirnblutung. Bei ihr besteht auch der Verdacht auf fokale Epilepsie. Waren im KH, mittlerweile habe ich mit 4 Neuros, daruter ein Epileptologe gesprochen bzw Videos von Mama gezeigt, es besteht weiterhin nur der Verdacht auf Epilepsie. Meine Mama bekam Lamotrigin und es ist wie du es von deiner Tochter beschreibst, meine Mama wurde sehr aggressiv. Am Anfang des Einschleichens bekam meine Mama extreme Stimmungsschwankungen...mit zunehmeder Einnahme wurde sie immer gereizter, aggressiver, hatte oft führchterliche Tobsuchtsanfälle wobei sie sich nicht mehr einkriegte. Ich bin dann zur Uni Mainz Epi-Beratung, dort meinte der Neuro, nein das käme nicht durch das Lamotrigin, sondern Mamas auffälliges Verhalten sei allein auf ihre Hirnschädigung zurückzuführen. ..
Da es aber mit Mama nur noch schlimmer wurde und ich es mir nicht anders erklären konnte dass es durch das Lamo kommt, habe ich es eben ausgeschlichen. ich war oft kurz davor, mama in die psychiatrie einweisen zu lassen..
ich setzte also das lamo ab und mamas neuro verordnete ein stark dämpfendes AD, damit sie wieder runterkommt..
es dauerte ca 4 Wochen nach dem absetzten, bis Mama endlich wieder ruhiger wurde. Sie ist aber irgendwie immer noch nicht die Alte...ich hoffe dass es stetig besser wird...meine Mama soll jetzt Valproat mal versuchen, aber auch das kann wieder zu Agressionen und Verhaltensauffälligkeiten führen...die Packung liegt hier seit ner Woche rum, ich traue mich aufgrund der gemachten neg. Erfahrunge nicht es ihr zu geben...:( Ps: auf einer Epi facebook gruppe berichtete auch, nachdem ich einen Post ueber Lamo und Aggressivität eroeffnete, eine Mutter von ihrem durch Lamo autoaggressiv gewordenen Sohn.. lg
Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Friday, 26.09.2014, 10:56 (vor 4342 Tagen) @ chilli82
meine Mama soll jetzt Valproat mal versuchen, aber auch das kann wieder zu Agressionen und Verhaltensauffälligkeiten führen...die Packung liegt hier seit ner Woche rum, ich traue mich aufgrund der gemachten neg. Erfahrunge nicht es ihr zu geben...:( Ps: auf einer Epi facebook gruppe berichtete auch, nachdem ich einen Post ueber Lamo und Aggressivität eroeffnete, eine Mutter von ihrem durch Lamo autoaggressiv gewordenen Sohn
O.K. ich glaub, ich sprech hier besser gleich Klartext:
1) Im Internet findest Du zu so ziemlich allen klassischen Medikamenten, die bei chronischen Krankheiten angewendet werden, überwiegend die negativen Erfahrungsberichte, weil sich kaum einer, dem's gut geht, die Mühe macht, was positives drüber zu schreiben. Also davon gar nicht erst nersch machen lassen.
2) Die Beipackzettel bei den Antiepileptika sind bekannt dafür, abschreckend zu wirken. Ich hatte auch mal ein Medi, das ich nicht vertragen hatte. Dessen Beipackzettel unterscheidet sich nicht wirklich von dem des Medis, unter dem ich jetzt sei Jahren ohne Nebenwirkungen anfallsfrei bin.
3) Wenn's Deiner Mutter schlecht geht, ist es klar, dass Du Dich für sie einsetzt und auch gut, dass Du mit den Ärzten sprichst, wenn ein Medikament nicht hilft oder starke Nebeneffekte auftreten. Ihr aber aus Angst ein Medikament, das Ihr eben wegen Deines Einsatzes verordnet wurde, vorzuenthalten, bringt niemanden etwas, halte ich persönlich sogar für etwas fahrlässig.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
chilli82, Friday, 26.09.2014, 11:35 (vor 4342 Tagen) @
huge88
bearbeitet von chilli82, Friday, 26.09.2014, 11:47
..ich finde es fahrlässig, wenn ich einen Arzt auf NWs hinweise und dieser es abspricht. Fals du es nicht richtig gelesen hast, bei meiner Mama besteht der VERDACHT AUF fokale Anfälle. die bisher gemachten Nebenwirkung strhen in keinem Verhältnis.. mei e Mama bekam zuerst Kappra, mit 1000mg angefangen, am 4 Tag auf 2000mg hochgegangen. das war im Krankenhaus. meine mama bekam dadurch ein Delir. Es wurde am 8 Tag wieder abgesetzt und zwar von der HA Zuhause. Ich habe mich entschieden, meine Mama bekommt vorerst kein AE mehr!
Erhöhte Aggressivität durch lamotrigin
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Sunday, 28.09.2014, 10:43 (vor 4340 Tagen) @ chilli82
mei e Mama bekam zuerst Kappra, mit 1000mg angefangen, am 4 Tag auf 2000mg hochgegangen. das war im Krankenhaus. meine mama bekam dadurch ein Delir.
Da würde ich dann nochmal ganz ruhig mit einem anderen Neuro über die Aufdosierungsgeschwindigkeit sprechen. 2000 mg binnen 4 Tagen ist schon ne heftige Steigerung und die sind bekannt dafür, dass leicht starke Nebenwirkungen auftreten (finden sich hier im Forum ne ganze Reihe berichte über solche über's Knie gebrochene Einstellungen direkt im Krankenhaus).
Wenn man auf sowas ambulant eingestellt wird (wo mehr Zeit dafür ist), kann's locker mal ein bis zwei Monate dauern, bis man auf so einer Tagesdosis angelangt ist und dementsprechend früher Nebenwirkungen bemerken, die dann nicht so krass auftreten (bzw. auch gar nicht auftreten, wenn der Körper ausreichend Eingewöhnungszeit hat und es gut verträgt).
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil