Ich will raus aus diesem "Leben"

Phoenix, Magdeburg, Saturday, 04.10.2014, 13:33 (vor 4334 Tagen)

Hallo ihr Lieben,

das thema sagt alles - ich habe keine lust mehr auf dieses leben. ich will weg von dieser welt. ich will raus aus meinem körper. ganz weit weg. lieber würde ich als tier im wald leben, als in diesem körper. ich kann mein leben nichtmehr selbst steuern, das hat, gegen meinen willen, die epilepsie für mich übernommen. ich komme mir vor wie genau die mitte zwischen beruflich voll einsatzfähig und fall für eine behindertenwerkstadt. das arbeitsamt sagt, ich bin voll einsatzfähig. bin ich ja eigentlich auch, vielleicht nicht 120% wie andere aber zu ca 90% bin ich auch einsatzfähig. aber wenn ich dann ein bewerbungsgespräch habe, wo ich immer sage, dass ich eine epi habe, die den arbeitsalltag aber nicht beeinflusst, dann kommt trotzdem immer eine absage. ich gehöre anscheinend einfach nicht in diese welt. ich passe nirgendwo hin.

eine umschulung/neue ausbildung will ich auch nicht machen. ich bin heilfroh, dass ich aus der schule raus bin. hatte immer sehr große schwierigkeiten beim lernen/mir etwas zu merken. und auch dem unterricht zu folgen.

hab auch schon das angebot bekommen, bei einer musikschule zu arbeiten. geht aber auch nicht. warum?? na warum wohl - wegen der epilepsie. ich wäre dort dann freiberuflich tätig, würde immer pro tag etwa 5 stunden geben mit 8-18 kindern. kommt dann aber mal ein anfall und ich kann den tag nicht arbeiten, dann ist es nicht so wie in einer kita, dass andere mitarbeiter mich für den tag ersetzen könnten. nein. ich wäre ja allein. somit müsste ich dann bei bis zu 90 eltern anrufen, absagen und die stunden irgendwann nachholen. und bei den vielen anfällen die ich derzeit habe ist das nicht möglich.

habe heute schon 2 stunden regungslos auf dem teppich gelegen und mich gefragt "wohin mit mir??? wer will mir sowas antun??? womit habe ich das verdient???". habe mir so sehr gewünscht einfach nur einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen. meine kräfte und eigenen motivationen sind am ende angelangt.
medizinische behandlung ist auch so gut wie am ende angelangt. stereotaxie wäre noch eine option, aber ich will versuchen es zu umgehen. immerhin wird da wieder mit dem skallpell an meinem gehirn gearbeitet.
habe schon ein wenig über hypnose-behnadlung nachgedacht.
ich glaube , ich bin eifach überflüssig. dachte eigentlich immer, deutschland wäre ein recht tollerantes land, aber nun wurde mir das gegenteil bewiesen.

integrationsfachdienst kann mir seit 2013 auch nicht bei der jobsuche helfen. die können nur beim ERHALT einer arbeitsstelle helfen. aber wenn man arbeitslos ist, ist die einzige "unterstützung" noch das arbeitsamt. aber die wollen mich ja auch nur so schnell wie möglich wieder loswerden. hören nur mit einem halben ohr zu, wenn man versucht ihnen die situation zu erklären. und man bekommt ständig irgendwelche adressen zugeschickt wo man sich gefälligst bewerben soll, obwohl man ihnen genau erklärt hat, in welcher richtung man arbeiten möchte. ich hasse es.

wo gehöre ich noch hin???
wo kann ich noch hin???
was habe ich mit 6 jahren falsch gemacht, dass ich das verdient habe???
wozu gibt es mich überhaupt noch, wenn ich ja doch nur abgeschoben werde???
will mich überhaupt noch jemand weiterhin haben, abgesehen von der familie???

LG
Der Tommy

PS: keine sorge, ich bin nicht suizidgefährdet. würde keinen selbstmord begehen (obwohl mir schon häufig solche gedanken in den sinn kamen)

Ich will raus aus diesem "Leben"

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 04.10.2014, 15:35 (vor 4334 Tagen) @ Phoenix

PS: keine sorge, ich bin nicht suizidgefährdet. würde keinen selbstmord begehen (obwohl mir schon häufig solche gedanken in den sinn kamen)

Dann ist es aber, wenn ich mir so das alles von Dir durchlese, trotzdem allerhöchste Zeit, dass Du Dir Hilfe beim Psychologen holst, weil ich hab den Eindruck, dass Du immer mehr in einen Zustand zwischen Depression und Burn-Out abgleitest.

aber wenn ich dann ein bewerbungsgespräch habe, wo ich immer sage, dass ich eine epi habe, die den arbeitsalltag aber nicht beeinflusst, dann kommt trotzdem immer eine absage.

Schon einmal wo beworben, wo Du das einfach beim Bewerbungsgespräch verschweigen kannst? Z.B. typische Bürojobs als Sachbearbeiter in irgendeiner Verwaltung? Die Epi kannst Du auch noch angeben, wenn die bei Vertragsunterzeichnung wissen wollen, ob Du einen GdB hast. Dann können die schlecht zurück, weil das dann eine klare Diskriminierung wäre.
Und wenn die Dich dann in der Probezeit kennen lernen können und alles gut läuft, werden die Dich deshalb auch nicht rauswerfen. Bei mir in der Arbeit wissens die Meisten und die wenigsten denken daran, dass ich Epi hab. Hat mich neulich ein Kollege, als wir auf einer Feier waren, erst wieder gefragt, ob ich erkältet wäre und aktuell Antibiotika schlucken müsste, als ich meine Tabletten nahm, weil der da nicht drangedacht hat.

Ich glaub übrigens, Dein Problem bei Bewerbungen ist zunehmend vor allem immer mehr die Zeitspanne, in der Du jetzt auf der Suche nach einer festen Anstellung bist - und vielleicht auch etwas Deine innere Haltung (sorry, aber sowas wirkt irgendwie immer nach außen auf andere Menschen, ganz gleich wie man sich verstellt), als die Epi selbst.

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Ich will raus aus diesem "Leben"

sandytimmy, Saturday, 04.10.2014, 19:33 (vor 4334 Tagen) @ Phoenix

Von einer zumindest leichten Depression würde ich bei dir aber sprechen. Sprich über die Gedanken mal mit dem neuro insbesondere wenn der auch Psychiater / Psychologe ist
Es schadet nicht, lachen tut da auch keiner was viele bestimmt befürchten

Ich will raus aus diesem "Leben"

Green, Saturday, 04.10.2014, 20:56 (vor 4334 Tagen) @ Phoenix

Hallo Tommy

ich komme mit....wohin gehts......das kann ich nur unterschreiben was du schreibst.
Nur ich habe die Eu-Rente schon 29 Jahre durch.

Sag doch einfach mal bei einer Bewerbung nix von der Epi wenn sie nicht arbeits relevant ist................trau Dich hast nix zu verlierren oder?

Gruss Green

Ich will raus aus diesem "Leben"

sandytimmy, Sunday, 05.10.2014, 15:07 (vor 4333 Tagen) @ Green

Liebe green,
Kannst du mir die ausschlaggebend en Punkte nennen was dich dazu veranlasste eine EU Rente zu beantragen,
Woher wusstest du vorher dass sich das lohnen wird, bzw Sinn macht.

Der Amtsarzt sprach bei mir auch davon einen Antrag zu stellen
Wenn du hier das nicht schreiben möchtest, kannst du mir eine mail schicken nach
ebevabeck@gmail.com

Ich will raus aus diesem "Leben"

Green, Sunday, 05.10.2014, 20:19 (vor 4333 Tagen) @ sandytimmy

Hallo sanytimmy

Woher wusstest du vorher dass sich das lohnen wird, bzw Sinn macht.

Das wusste ich nicht und wollte ich auch nicht....welchen Sinn soll es den Ihrer Meinung nach machen ?

Kannst du mir die ausschlaggebenden Punkte nennen was dich dazu veranlasste eine EU Rente zu beantragen

Das habe nicht ich entschieden sondern wurde von der Krankenkasse genötigt...da ich lange krank war knapp 2 Jahre und aus gesteuert wurde...nannte man das früher. Mir wurden
6 Monate psychosomatische Klinik vor geschrieben...musste ich und habe ich gemacht . Und die sagten auch immer wieder merken sie eigentlich nicht das sie nicht mehr können...doch sagte ich...aber es muss gehen und es ging auch den wer sollte meine Miete und mein Essen bezahlen...habe ich immer gefragt.
Und doch wurde die Rente genehmigt und erstmal auf 2 Jahre und dann immer so weiter.
Ich hatte Glück das ich das überhaupt bekam ich hatte gerade 5 Jahre gearbeitet um überhaupt den Anspruch auf die Eu-Rente zuhaben.
Bedenken Sie das wahr vor 29 Jahren da war das noch anders. Da ging man auch noch 6 Monate in eine Epiklinik zum testen der Medis.

Gruss Green

Ich will raus aus diesem "Leben"

Heidi, Sunday, 05.10.2014, 09:47 (vor 4333 Tagen) @ Phoenix

Hallo Tommy,

ich sehe in Deinem Posting nur negative Gedanken. Das ist kurz gesagt Sch......
Es gibt so viele Wege, man muß sie halt sehen.
Siehe mal hier >
Kann man sein Leben mit Epilepsie realistisch planen?

Das ist wie bei so vielen anderen Sachen nicht einfach zu beantworten. Gegenfrage: Kann man mit Diabetes, Leukämie, Asthma, Blindheit, Taubheit oder Herz-Kreislauf-Beschwerden ein Leben planen?

Du siehst,da kommen Zweifel auf…. Natürlich kann ein sogenannter gesunder Mensch sein Leben breitflächiger bestimmen.

Natürlich sind chronisch Kranke (dazu zählt Epilepsie) eingeschränkt, sei es im Beruf oder im öffentlichen Leben. Doch es ist durchaus machbar, wenn man einiges beachtet.

Man sollte erst einmal richtig abklären was für Anfälle man hat.Habe ich fokale, oder generaliserte Anfälle. Treten sie unverhofft auf, oder sind sie zeitlich bestimmt? Bin ich medikamentös gut eingestellt? Nehme ich regelmäßig meine Medikamente? Auch wäre ein akzeptieren der aktuellen Lage von allergrößter Wichtigkeit. Das alles geht aber nicht ohne Anstrengung und teilweisen Verzicht der bisherigen Gewohnheiten. Es ist oft der Fall, dass man nach Lebenskrisen gestärkt werden kann und dabei ungeahnte, neue Kräfte freigesetzt werden können.

Ich bin weit davon entfernt Anderen etwas vorschreiben zu wollen, aber einen guten Rat aus eigener Erfahrung möchte ich hier schon niederschreiben.

Ich muss schon einiges berücksichtigen um ein realistisches Leben mit Epilepsie führen zu können:

Ärzte, Therapeuten und nicht zuletzt das Moses- Schulungsprogramm*, machten mir einigermaßen klar, was Epilepsie eigentlich ist und wie man es lernt sie zu akzeptieren.

Manchmal hätte ich am liebsten aufgegeben, wenn wieder Tiefpunkte kamen. Trotzdem habe immer weitergemacht. Hinzufallen ist keine Schande, wichtig ist, die Kraft zu finden wieder aufzustehen. Ich sagte immer wieder: Was kann ich noch, das nicht mehr machbare muss man einfach ignorieren oder vergessen und vor allem immer wieder an Neues, Positives denken! Mein Leben wäre ohne Epilepsie gewiss anders verlaufen, ob es aber besser geworden wäre möchte ich bezweifeln!!

Wenn man sich aber einigelt, jammert und sich bemitleidet (warum habe gerade ich diese Epilepsie), macht man leicht eine Katastrophe daraus!

Wenn man so einen neuen Weg nicht machen will, ist Stillstand und Resignation vorprogrammiert.

Patienten die eine sehr schwere Epilepsie haben und sich nicht äußern können, sind meißtens von dritten abhängig und brauchen regelmäßige ärztliche Versorgung. Solche Patienten sind natürlich für diese Hilfestellungen nicht erreichbar.

Jeder Mensch hat seine Stärken, aber er hat auch seine Schwächen. Und hier spielen die Gesundheit, der Geist und der Anstand als Einheit die entscheidende Rolle. Mein Credo: Wissen ist gut, Unwissenheit ist schlecht. Und Risiko kann positiv sein, kein Risiko ist Stillstand oder Rückschritt.

Auch ich erlebte in meinem Berufsleben die harte, kalte Realität. Bei den sogenannten Managern (wenn ich das Wort schon höre wird mir übel) zählte nur noch Geld, Effektivität und Rationalität. Auf der Strecke blieb die Menschlichkeit, der nötige Kitt für eine gute Zusammenarbeit. Ich wurde immer stiller, wehrte mich gegen diesen Moloch so gut es eben ging. Das zehrte an den Nerven und an der Gesundheit.

Mir wurde nach einer 20-zigjährigen Betriebszugehörigkeit gesagt, dass man einen kranken Menschen nicht brauchen könne. Ich konnte und wollte nicht glauben, dass gute ehrliche Arbeit nach so langer Zeit plötzlich nichts mehr galt. Mit 59 Jahren wurde mir wegen andauernder Krankheit fristlos gekündigt. Ein Lebensabschnitt begann, der die bittere Realität in Hoffnungslosigkeit verwandelte. 3-4 Jahre Resignation und Hoffnungslosigkeit waren in dieser Zeit meine Begleiter.

Es ist dann etwas passiert, was ich bis heute noch nicht so richtig einschätzen kann: Meine Familie hielt in dieser schlechten Zeit zu mir und baute mich immer wieder auf. Ein Freund sagte zu mir: Schaue nicht zurück sondern konzentriere Dich immer an die gegebenen Umstände, schließlich geht es im Leben immer um den Drang zum Neuen zum Besseren.

Ich begann etwas Neues, riskierte viel und ich wurde ein anderer, zufriedener und selbstbewusster Mensch. Ich begann anderen Menschen zu helfen, wollte ein Beispiel sein und gründete eine Epilepsie-Selbsthilfegruppe. Das alles ging aber nicht ohne Anstrengung und teilweisen Verzicht der bisherigen Gewohnheiten. Ich erkannte, dass man nach Lebenskrisen gestärkt werden kann und dabei ungeahnte, fremde Kräfte freigesetzt werden können. Meine Selbstsicherheit kam zurück. Aber ich weiß auch, dass es große Anstrengung braucht sie zu behalten.
Jeder ist einzigartig, hat Qualitäten. Jeder hat ein Juwel in sich…..man muss ihn nur finden und ausgraben.

Liebe Grüße
Heidi