Epilepsie - fokale Anfälle

Seemöwe, Friday, 31.10.2014, 12:36 (vor 4307 Tagen)

Guten Tag !

Es geht um meinen Mann. Er hat seit ca. 10 Jahren diese kleinen Aussetzer (15-30 sec) und immer in den frühen Morgenstunden. Manches Mal kriegt er sie auch nicht mit, wie er sagt, weil sie von so kurzer Dauer sind. Erst als ich in sein Leben kam und mir die Anfälle neben ihm auffielen, haben wir viel darüber gesprochen. Er argumentierte immer, dass er das schon so lange habe und dass es niemals einen Zeugen hatte, wenn diese kurzen Aussetzer kam. Jetzt ist es anders. Ich habe schon einige Male diese Aussetzer mitbekommen. Sie sind wirklich sehr kurz. Ob mich das beruhigen soll, kann ich nicht sagen. Am 26.02.2013 bekam er jedenfalls in meinem Beisein an unserem Küchentisch einen Schlaganfall. Er hat richtig Glück gehabt, da innerhalb von wenigen Minuten die Ambulanz da war und ihn zum Stroke Unit in eine nahegelegene Klinik gebracht haben. Dort bekam er die durchblutungsfördernde Medikament und konnte nach einer Woche wieder nach Hause. Er hat keinerlei Beeinträchtigungen zurückbehalten. Wie gesagt, die Aussetzer hatte er schon fast 10 Jahre vorher.

Ich bin froh, dass ich ihn nun davon überzeugt habe, eine Reha zu machen. Er arbeitet zwar noch und es ist kein akuter Notfall, aber alles in allem und aufgrund seiner anderen Krankheiten bin ich glücklich, dass der untersuchende Arzt eine 4wöchige (eventuell länger)Reha in einer Klinik für Neurologie befürwortet hat. Dieser Antrag ist auch bereits bestätigt.

Mein Problem bei der ganzen Angelegenheit ist die Tatsache, dass ich bei seinem Schlaganfall zugegen war und seitdem unter starken Angstzuständen (bin in Behandlung) leide. Wenn mein Mann unterwegs ist von seiner Arbeit nach Hause und ich höre eine Ambulanz, bleibt fast mein Herz stehen und ich bekomme Atemnot. Ich habe versucht, in den letzten Monaten mich in dieser Hinsicht zu schulen und mir zu sagen, dass es gut ist, wenn das Martinshorn geht, weil dann einem Menschen direkt geholfen wird. Es ist ein ewiger Teufelskreis. Aufgrund der Krankheiten meines Mannes habe ich mein Leben komplett nach hinten geschoben - freiwillig versteht sich. Alles dreht sich um ihn, weil ich das so will. Er will das nicht. Er ist der gelassenere von uns beiden und beruhigt mich, wenn er kann. Auch, wenn er noch nie einen Anfall bzw. einen Aussetzer beim Autofahren hatte, bin ich immer besorgt. Wie gesagt, wir waren dann in 2013 nach dem Apoplex bei einem Neurologen. Mein Mann nimmt jetzt zweimal täglich Levetiracetam Zentiva 500 mg. Damit es nicht zu einem größeren Anfall kommt, wie der Neurologe sagte.

Was soll ich nur tun? Mein Mann fühlt sich gut und will auf jeden Fall weiter arbeiten und zur Arbeit fahren.

Ich habe Angst.

Danke, dass Ihr das vielleicht einmal lest.

Seemöwe

Epilepsie - fokale Anfälle

Hape, Friday, 31.10.2014, 17:47 (vor 4307 Tagen) @ Seemöwe

Hallo Seemöwe als ich vor 4 Jahren Epilepsie bekam nach einer Hirnop gings meiner Frau auch so sie bekam meine Anfälle mit und war sehr besorgt,dein Mann nimmt seine Medikamente und ist doch Anfallsfrei das müsste dich doch beruhigen er darf Autofahren und ist voller Tatendrang machst du Entspannungsübungen? mach was für dich geh spazieren vielleicht etwas Sport um dich abzulenken mit der Zeit wird's besser denk positiv Hape

Epilepsie - fokale Anfälle

Seemöwe, Saturday, 01.11.2014, 07:49 (vor 4306 Tagen) @ Hape

Vielen Dank für die beruhigenden Worte ! Du weißt wirklich, wovon ich spreche.

Liebe Güße
Seemöwe

Epilepsie - fokale Anfälle

keki, Saturday, 01.11.2014, 08:42 (vor 4306 Tagen) @ Seemöwe

Liebe Seemöwe,
nach meiner Kopf-Op und der Bestrahlung habe ich auch so getan, als wär ja nichts schlimmes passiert. Ich wollte keine Reha, ich wollte sofort wieder arbeiten und fand alle albern, die sich Sorgen gemacht haben. Ich glaube, dass die Seele das als Schutzmechanismus gemacht hat, damit ich das alles nach und nach verarbeiten konnte. Alles auf einmal wäre vielleicht zu viel gewesen. Erst nach ungefähr 2 Jahren, als sich die Epi manifestiert hat, konnte ich mich damit wieder auseinandersetzen. Und dann konnte ich auch erst mit meinem Mann über seine Ängste reden. Er hat viel mitgemacht und hatte große Angst und es tut mir im Nachhinein sehr Leid, dass ich ihn damit quasi allein gelassen habe.
Vielleicht ist dein Mann nicht leichtsinnig, sondern einfach noch nicht so weit, zu akzeptieren, dass sein Leben sich grade ändert. Dass Du für ihn da bist, ist wahnsinnig viel wert und wird ihm durch diese Zeit helfen.
keki

Epilepsie - fokale Anfälle

sandytimmy, Saturday, 01.11.2014, 16:05 (vor 4306 Tagen) @ keki

Ich würde das anders sehen.
Was soll sich in seinem leben andern? Er hat die Anfälle ja schon zehn Jahre. Was zehn Jahre gut klappt, klappt ohne Verschlechterung die nächsten zehn Jahre auch.
Einfach normal weiter leben. Das macht er gut, lässt sich nicht behindern durch die Anfälle.
Epileptiker sind nicht behindert, sondern sie werden behindert - durch das Umfeld und eigene Unwissenheit

Epilepsie - fokale Anfälle

Bepi74, Thursday, 06.11.2014, 19:57 (vor 4301 Tagen) @ Seemöwe

hallo Seemöwe,

jetzt auch was zu Deinem Beitrag. Also wenn Dein Mann sich noch fit fühlt zum arbeiten ist das ja schon ein gutes Zeichen. Aber wenn er noch Auto fährt, kann ich verstehen wenn Du Angst hast. Denn wer weis, ob die Aussetzer nur in der früh kommen?
HAst Du mit ihm gesprochen oder will er darüber nicht reden?
Und was sagt sein Arzt dazu?

LG
Bepi74

und nochmal sorry das ich an der falschen Stelle Kommentare geschrieben hab!