Steigerung der Medikamentendosis

kathilein0504, Tuesday, 03.02.2015, 20:03 (vor 4212 Tagen)

Guten Abend :-)
Ich habe vor wenigen Wochen ja schon von meinem Freund berichtet, der seit seiner Diagnose Lamotrigin (0-0-25) nimmt.
Nun soll er am Freitag auf 25-0-25 erhöhen. Gibt es dabei irgendwas, was man beachten muss? Hab hier schonmal von einer 12-Stunden-Regel gelesen. Kann mir das jemand erklären?
Danke schonmal :-)
LG Kathilein

Steigerung der Medikamentendosis

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Wednesday, 04.02.2015, 09:14 (vor 4211 Tagen) @ kathilein0504

Nun soll er am Freitag auf 25-0-25 erhöhen. Gibt es dabei irgendwas, was man beachten muss?

Einfach nach den Angaben des Arztes einnehmen.

Hab hier schonmal von einer 12-Stunden-Regel gelesen. Kann mir das jemand erklären?

Mir haben die Ärzte erklärt, dass wenn man davon ausgeht, dass der Körper den Wirkstoff gleichmäßig über den ganzen Tag verstoffwechselt und man einen möglichst konstanten Medikamentenspiegel über den Tag verteilt haben will, es hilfreich ist, die Tabletten (wenn man zwei über den Tag verteilt nimmt) ca. im Abstand von je einem halben Tag zu nehmen. Bei manchen bringt's was, die möglichst nach der Uhr zu nehmen, bei anderen scheint's weniger wichtig zu sein.
Ggf. einfach nochmal beim Arzt nachfragen, welchen Abstand er empfiehlt (bei manchen Epilepsieformen, bei denen die Anfälle nur in gewissen Zeiträumen auftreten, kann es bei manchen auch durchaus sinnvoll sein, die so versetzt zu nehmen, dass dann dort eine etwas höhere Dosis im Blut ist).

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Steigerung der Medikamentendosis

mezeg, München, Wednesday, 04.02.2015, 09:44 (vor 4211 Tagen) @ kathilein0504

Hallo Kathi,

bin seit nun vier Jahre auf Lamotrigin. Es fing auch an mit 25 - 0 - 0 oder eher 0 - 0 - 0, weil ich wohl nach dem Termin und somit Verschreibung beim Arzt angefangen habe.

Dann Erhöhung um 25 mgr jede zweite Woche. Laut Arzt 08:00 und 20:00. Habe es aus Angst am Anfang strikt observiert. Inzwischen bin ich nicht mehr so steif, achte aber auf einer gewissen Regelmässigkeit.

Und kein brutaler Schock. Hatte mich vor kurzem vertan - war unterwegs und habe eine Aspirin mit einer Lamotrigin verwechselt. Als ich es gegen 13:00 merkte, habe ich eine 25 mgr sofort genommen und die Abendration früher. Einmal bei Umstellung von 50 mgr Tabletten auf 100 den Fehler gemacht 2 x 100 zu nehmen. Der Mund brannte so, daß ich kaum schlafen konnte. Mehr Schaden gab es nicht.

Der Spiegel wird zweimal im Jahr kontrolliert. Letztes Mal 4,6 "Lamotrigin-nüchtern" und eine Stunde nach Einnahme von 125 mgr 6,6. Also ganz null ist es nicht.

Ich würde raten, am Anfang brav 08:00 / 20:00 oder 07:00 / 19:00 zu nehmen, nicht durchdrehen (so wie ich...), wenn es mal einen Fehler gibt, vielleicht mit den 25 mgr "abfedern". Eventuell danach gaaaaaaaaaaaaanz vorsichtig ein Bißchen hin- und herschieben, um Euch sicher zu fühlen, wenn mal eine kleine Unregelmässigkeit vorkommt. Immer eine Tagesration im Geldbeutel (Zugverspätung, Abendessen außer Haus etc.)

Fühle mich inzwischen sehr wohl bei Lamotrigin.

mezeg

Steigerung der Medikamentendosis

kathilein0504, Wednesday, 04.02.2015, 13:36 (vor 4211 Tagen) @ mezeg

Danke euch für die Antworten :-)

Steigerung der Medikamentendosis

kathilein0504, Wednesday, 04.02.2015, 13:37 (vor 4211 Tagen) @ mezeg

Mezeg, hattest du nochmal Anfälle oder bist du seit Lamo anfallsfrei? :-)

Steigerung der Medikamentendosis

mezeg, München, Wednesday, 04.02.2015, 17:33 (vor 4211 Tagen) @ kathilein0504

Mezeg, hattest du nochmal Anfälle oder bist du seit Lamo anfallsfrei? :-)

also... Zuerst langsam (25 mgr mehr jede zweite Woche) auf 100 mgr kommen. Dann wollte ich eine undefinierte "Pause" machen, einfach eine Weile so bleiben, die Akzeptanz fiel mir schwer. Der Neurologe war nicht begeistert, betonte aber daß er seine Stellung als "Berater" versteht. Sollte ich auf halber Dosis doch sechs Monate anfallfrei bleiben, dann wäre es doch die für mich richtige Dosis.

2 1/2 Monate später nach starkem emotionalen Streß und bei drückender Hitze GM-Anfall. Hatte plötzlich im Bad das Gefühl, daß mein Kreislauf komplett absackt, setzte mich auf die Badewannenkante und wachte im Bett wieder auf. Ich wollte anfangen doch auf die volle Dosis zu klettern, fühlte mich aber die ersten Tage nicht wohl und gab auf: Ferienzeit, ohne greifbaren Neurologen wollte ich nicht auf Risiko gehen.

Dann 2 Monate später wieder GM nach akutem Streß, wurde ins Krankenhaus gefahren. Eigentlich gegen meines Willens, mußte aber das heftige durchdrängende Reden der älteren Tochter unbedingt endlich entkommen. Ging am nächsten Morgen mit dem KH-Bericht zum Neurologen. Viel zu diskutieren gab es nicht, mir war klar, daß ich die volle Dosis 100 - 0 - 100 nehmen muß. Er machte mir auch keine Vorwürfe.

4 Monate danach hat er auf 125 - 0 - 125 erhöht, weil mir viel zu oft etwas in der "Gehirnsuppe" schwamm. Diese neue volle Dosis hat mir den Schlaf geraubt, fast bis zur Erschöpfung. Ich dachte, umgestellt werden zu müssen und nahm an diesem Abend nur 100 mgr und schlief viel besser - oder weniger schlecht - . Der Neurologe überwies mich von sich aus zu einem Epileptologen, Termin etwa drei Monate später. In der Zeit blieb ich auf Lamo 125 - 0 - 100.

Bei dieser tieferen Untersuchung erfuhr ich, daß der von OP betroffene Bereich etwas langsamer reagiert, was meine gelegentlichen Sprachblockaden erklärt. Es wurde beim Sprachzentrum geschnipselt. Der Epileptologe sagte auch, ich könnte 150 - 0 - 100 nehmen, meine Epilepsie nach OP erfolgt nur tagsüber, Lamotrigin muß nicht symetrisch genommen werden.

Also war ich bereit 150 - 0 - 100 zu nehmen, hoffend, daß der Schlaf nicht gestört würde. Der Neurologe sagte aber auf 125 - 0 - 100 bleiben, weil ich doch seit einem Jahr keine GM-Anfälle mehr hatte, die Dosis sei also für mich die Richtige.

Der letzte GM-Anfall erfolgte Anfang Oktober 2011. Ich bekomme nur noch kleine "Störungen": Unwohlsein, leichte Übelkeit, "verschwommenen" Erinnerungen, eventuell "speech arrest", etwas Müdigkeit danach. Immer seltener, immer blasser, immer beim vollen Selbstbewußtsein, ich tue nichts, was mir oder anderen schaden könnte. Die Denkmaschine stottert nur etwas. Wenn ich mich nicht epileptisch wüßte, würde ich es bestimmt nicht als solche erkennen.

Mit Lamotrigin seit 3 1/2 Jahren vollkommen GM-anfallfrei, Störungen immer harmloser. Es war aber ein langer Weg bis zur Akzeptanz, die schließlich eine äußerst wichtige Rolle spielt.

Und wenn es bei Deinem Freund mit Lamotrigin nicht funktioniert, gibt es noch eine ganze Palette an anderen Mitteln. Aber Geduld und Durchhaltevermögen schon investieren.

Alles Gute
mezeg

Steigerung der Medikamentendosis

kathilein0504, Wednesday, 04.02.2015, 18:56 (vor 4211 Tagen) @ mezeg

Okay, das verstehe ich.
Ja, ich hoffe mal, dass Lamo bei ihm anschlägt. Er hat es bis jetzt sehr gut aufgenommen und Nebenwirkungen hat er auch nicht erwähnt.
Er muss im April nach Bonn in die Uniklinik. Weißt du, was dort gemacht wird?
Ich hoffe auch vielleicht, dass es bei ihm zur Anfallsfreiheit kommt, wenn wir die nun bekannten Begünstigungen (Alkohol, zu wenig Schlaf) vermeiden. Ich mein, im Vergleich zu anderen hat er relativ wenige (vermutl. 2 in 6 Monaten, wobei man sich bei dem ersten nicht weiß ob es auch ein GM war) und da es ja jetzt, relativ früh, mit Lamo behandelt wird, müsste die Chancen zur Anfallsfreiheit doch eigentlich gar nicht so schlecht stehen, oder? Hoffe ich zumindest.

Steigerung der Medikamentendosis

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 05.02.2015, 09:24 (vor 4210 Tagen) @ kathilein0504

Er muss im April nach Bonn in die Uniklinik. Weißt du, was dort gemacht wird?

Ich nehme an, Du meinst die Epileptologie dort? Für wie lange denn? Einen Tag ambulant oder länger? Am besten den Arzt fragen, der ihn dorthin schickt :-) Bei längeren Aufenthalten sind z.B. Langzeit-EEGs nicht unüblich, bei ambulanten eher Gespräche, bei denen ausgelotet werden soll, wie man weiter verfährt oder auch ein MRT (ich glaub Bonn hat auch ein 3-Tesla-MRT, oder?)

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Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Steigerung der Medikamentendosis

kathilein0504, Thursday, 05.02.2015, 11:45 (vor 4210 Tagen) @ huge88

Also er hat den Termin am 13.04 und davon, dass er dort bleiben muss, war nicht die Rede.
Ich bin mal gespannt, was dort rauskommt :/