Epilepsie im Zeltlager
Hallo zusammen,
ich bin Lagerleitung eines Zeltlagers des BDKJ und wir betreiben seit letztem Jahr ein Inklusionsprojekt. Nun haben wir einen möglichen behinderten Teilnehmer mit Epilepsie seit einem halben Jahr anfallsfrei. Wir haben keine Fachkraft dabei, sondern nur Hilfskräfte, die medizinisch Erfahrung aber keine Ausbildung haben.
Dürfen wir das Kind mit Unterschrift der Eltern für zwei Wochen betreuen und mit der Unterschrift der Eltern bei Bedarf auch Medikamente geben? Ich habe schon mit mehreren Sozialarbeitern geredet und noch keine rechtlich fundierten Informationen erhalten. Da ich auf Lehramt studiere kann ich mir im Nachhinein keine Anzeige wegen gesetzlicher Verstöße erlauben, weshalb ich eine rechtlich sichere Basis für meine Entscheidung brauche.
Könnt ihr mir da weiterhelfen?
Liebe grüße
Lanito
Epilepsie im Zeltlager
Hallo Lanito89,
Ich würde vermuten, dass es für die Epilepsie genauso wie für andere Krankheiten mit Notfallsituationen ist. Wir mussten für die Gabe von Notfallmedikamenten gegen Asthma- bzw. Kruppanfälle immer eine Bescheinigung vom (Kinder-)Arzt mit auf Kita-, Klassen- und Hortreisen geben und haben die entsprechenden Unterlagen mit ausreichend Telefonnummern ausgefüllt. Hatten aber soweit erfahren immer Glück. Nix passiert. :)
Unser Arzt hat das immer nur kurz auf dem Rezeptvordruck gedruckt und es hat uns auch nichts gekostet. Die Betreuer sagten immer, dass keine Medikamentengabe ohne Bescheinigung erlaubt wäre.
Ich hoffe, das hilft dir weiter. LG gigi
Epilepsie im Zeltlager
Hallo Lanito
Ich bin seit vielen Jahren betriebliche Ersthelferin und weiß dass das generell eine problematische Thematik ist. Im Grunde dürfen 'wir'einem Verletzten nicht einmal eine Jodtinktur auf die Wunde auftragen, da selbst das schon eine unerlaubte Verabreichung von Arznei ist...
Um so mehr freue ich mich, das du dich dieser Sache annimmst und dem Jungen das dennoch ermöglichen möchtest.
Ich habe dir dazu mal etwas rausgesucht was du eventuell auch in dieser oder ähnlicher Form in diesem Fall sogleich verwenden könntest.
MEDIKAMENTENBOGEN.PDF (Datei zum Download)
Wünsche euch auf alle Fälle eine tolle Zeit im Zeltlager und alles Gute!
LG Ruth
Epilepsie im Zeltlager
Ich war als Kind und jugendliche oft mit der caritas in zweiwöchigen ferienfreizeiten\urlaub
Das wurde ganz unkompliziert gemacht. Sie haben mir die wochendose mit den Medikamenten über lassen, haben aber jeden morgen, mittag und abend nachgefragt und nachgeguckt ob ich die Tabletten genommen habe. Nur ins Schwimmbad durfte ich nicht mit, da blieb ein Betreuer bei mir
Ich war aber auch sehr selbstständig in dem Punkt da ich die ersten Anfälle im zweiten Lebensjahr hatte.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich durchschnittlich zwei Anfälle am Tag. mal nur einen dafür an anderen drei im Extremfall vier
Also haben sie viele Anfälle gesehen
Alles mit Genehmigung meiner Mutter
Ich habe allerdings nur komplex- fokale Anfälle die ja verhältnismäßig harmlos sind. Ich stürze ja nie oder krampfe wild rum.
Erkundige dich am besten nach der anfallsart die er hatte damit man weiß was auf einen zukommt
Ich denke aber nicht dass er plötzlich einen Anfall haben wird wenn er ein halbes Jahr Ruhe hatte. Man weiß aber nie
Wichtigste: alles easy, kein Grund zur Hektik
Epilepsie im Zeltlager
Dürfen wir das Kind mit Unterschrift der Eltern für zwei Wochen betreuen
Ich habe schon mit mehreren Sozialarbeitern geredet und noch keine rechtlich fundierten Informationen erhalten.
Ich glaub, Sozialarbeiter ohne spezielle Kenntnisse in dem Bereich, sind dafür nur bedingt die passende Ansprechstation. Ich würde folgendes Vorschlagen:
- was für personelle/formelle Voraussetzungen speziell für Euch gegeben sein müssen, sollte derjenige, der sich bei Euch um die Versicherungen kümmert, wissen, da es da ja ggf. um Haftungsfragen geht, falls etwas dort in Folge der Epi passieren sollte.
- Im Download-Center von der DGfE (http://www.dgfe.info/home/index,id,32.html) gibt es unter "Epilepsien im Kindesalter - soziales Umfeld" sowohl ein pdf zum Thema " Epilepsie für Erzieherinnen und Eltern 110" und zwei Versionen eines "Betreuungsblattes", die Du Dir einmal durchsehen kannst.
- Ruf einmal bei der Beratungsstelle der Rummelsberger Werke an, vielleicht kennen die sogar Standardformulare: http://www.behindertenhilfe-rummelsberg.de/angebote_beratung_epilepsie.behindertenhilfe
- Evtl. könnte auch eine Mail an den Epilepsie-Eltern-Verband hilfreich sein: http://www.epilepsie-elternverband.de/
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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Epilepsie im Zeltlager
Nur mal allgemeine Frage.
Ich bin ja inzwischen 37, habe also über 35 Jahre Epilepsie hinter mir.
Bei mir wurde da nie irgendwo solch riesen trarah gemacht ob die Betreuer irgendwelche speziellen Kenntnisse haben egal in welchem Bereich. Es wurde nur erklärt was zu tun und zu lassen ist beim Anfall, alles komplex- fokale,
ich habe alles gemacht was andere auch machten. Nur da wo ich evtl. Ums leben kommen kann z.b. schwimmen oder Sowas,das durfte ich nicht.
Kurz nach dem Anfall war das Thema auch direkt immer abgehakt . der Alltag geht weiter
Wozu solch eine Aufregung heutzutage.
Epilepsie im Zeltlager
Wozu solch eine Aufregung heutzutage.
Du, das geht heute schon damit los, dass die Eltern zustimmen müssen, dass Ihr Kind am Klassenfoto erkennbar sein darf und einen sonst verklagen können. Da muss man sowas von Vorsichtig sein. Bei manchen Sachen bräuchte es mehr juristische Ausnahmen und weniger Überregulierung.
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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Epilepsie im Zeltlager
Überregulierung
Das größte Problem heutzutage auch für nicht epis
Ich bin stink normal aufgewachsen, bis auf kleine Besonderheiten und dass ich wenige Freunde hatten da Sowas jeden Tag ja anstrengend sein kann
Das find ich gut
Ich bin ich
Ich bin nicht Epilepsie
Epilepsie im Zeltlager
Ich bin ich
Ich bin nicht Epilepsie
Der Spruch gefällt mir! :)
LG gigi
Epilepsie im Zeltlager
@ sandytimmy
Hier geht es um einen (so wie ich es interpretiere "behinderten Teilnehmer mit Epilepsie - seit einem halben Jahr anfallsfrei)... Was denkst du was da los ist wenn der just in dieser Zeit einen Anfall bekommt und es ausgerechnet dabei mal Ausnahmsweise zu Problemen? Eins ist klar, so läuft es in der heutigen Zeit doch immer. Die erste Frage: Wie konnte das passieren? "Wer ist schuld?"
Ich schrieb hier in einem anderen Tread etwas bezüglich meiner Nichte. Sie ist auch Volljährig im gesetzlichen Sinn, kann aber Aufgrund einer Behinderung (wie man es offiziell nennt) in dieser Welt nie ohne fremde Hilfe alleine zurecht kommen. Du würdest ihr das womöglich bei einem Treffen nicht einmal so direkt anmerken. Doch sie hat als Autistin eine völlig andere Wahrnehmung von allem.
Ich bin z.B. ohne Epi aufgewachsen in einem Elternhaus wo alles doch sehr streng reguliert war. Hatte ich z.B. ein Problem in der Schule, schwieg ich am besten, denn Lehrer waren Erwachsene und hatten immer Recht. Wenn ganz alte einem von uns eine langten, dann hieß es halt: "Die wirst du wohl verdient haben!"
Mir ist mit der Zeit aufgefallen, das aus dieser Zeit (ich bin inzwischen Mitte 40), wohl so einige "bei der Erziehung ihrer Kinder", selbst dem Ein- oder Andere Extrem verfallen sind. Entweder sind die Lehrer ebenso alles, oder aber nichts und werden für jeden Mist angepfiffen oder gar verklagt.
Das Wichtigste, was Eltern ihren Kindern beibringen können, ist, wie sie ohne sie zurechtkommen. — FRANK CLARK
Und eines ist ja wohl unumstritten. Das die meisten Eltern in der Regel grundsätzlich davon ausgehen ihr Kind am besten zu kennen und genau zu wissen was Gut für es ist. Sie möchten da m.E. oft gar nicht mehr so richtig die Erziehungsrolle übernehmen, oft lieber Kumpel und bester Freund/Freundin sein. Ob das wirklich so ist, ist und bleibt ein ebenso absolutes Tabutema!
Du bringst hier nach meinem Empfinden doch ziemlich oft sehr lachse und lapidare Sprüche ein. Oft frage ich mich, was du wohl beruflich machst? Mit deiner Epilepsie scheint ja alles "easy" zu sein, wie du es immer wieder hervor hebst.
Mach doch mal eine Art Praktikum an einer Schule und spiele für eine Woche eine Lehrerin, sagen wir Realschule? Wie wäre es?
Ich finde das jedenfalls alles "nicht easy", habe auch "nur" komplex fokale, einfach fokale in Form von Spracharrest etc. und mir macht das alles oft ganz schön zu schaffen und auch Probleme im sozialen Umfeld, insbesondere am Arbeitsplatz.
Epilepsie im Zeltlager
Im Prinzip ist auch alles ziemlich locker
Wenn ich einen Anfall hatte sehe ich nur noch zu dass ich mich wieder regeneriere damit ich weis wer, wo und was man ist.
Mein größeres Problem sind die konzentrationsprobleme
Was habe ich davon, ewig oder überhaupt darüber nachzudenken warum ich den Anfall hatte
Zu nachdenken sage ich nur
Man ist nicht behindert sondern man wird behindert, von genau solchen Leuten
Ich lebe einfach mein Leben lang schon mit anfallen, da denkt man nicht mehr Gros darüber nach
Ich bin augenoptikerin und Mutter von neunjährigen Zwillingen
Epilepsie im Zeltlager
Betrache ich persönlich nicht anders. Kann das aber nur auf mich beziehen, andere sehen das wieder anders und je nachdem eben auch unter anderen Bedingungen und/oder Voraussetzungen, sandytimmy.
Lanito schrieb:
Dürfen wir das Kind mit Unterschrift der Eltern für zwei Wochen betreuen und mit der Unterschrift der Eltern bei Bedarf auch Medikamente geben?
Betreuen ja, Medikamente verabreichen eben "nicht", das muss dann der behandelnde Arzt. Rechts"sicher" ist es damit noch lange nicht. Aber er hat sich eben - wenn er z.B. sowas wie den von mir eingebrachten Medikamentenbogen durchliest, beachtet und ausfüllen lässt, relativ Gut abgesichert. Denkt man dann Positiv, finde ich das man es ruhig angehen sollte um solche Ängste auch mal etwas abzubauen.
Da ich auf Lehramt studiere kann ich mir im Nachhinein keine Anzeige wegen gesetzlicher Verstöße erlauben, weshalb ich eine rechtlich sichere Basis für meine Entscheidung brauche.
Als ich eine neue Wohnung suchte wurde ich gefragt ob ich denn überhaupt alleine leben kann? *geschockt*
Ich meinte: "Wenn ich jeden Tag 8 Stunden arbeiten gehen kann, wird es dafür doch wohl auch ausreichen, oder?"
Glück das ich nicht arbeitslos war. *lechts* Es ward Stille... Wohne nun seit etwa 2 Jahren hier.
Die Olle die unter mir wohnt ist so eine typische Tratsche. Sie wusste von meiner Epi und als sie "das" mitbekam ging sie gleich zum Vermieter und machte ihm wohl deutlich das ihr das Angst machen würde wenn ich da einziehen würde. Kurz gesagt, "sie" wollte es nicht. Ich komme mit allen gut klar. Mit den Nachbarn, meinem Vermieter und auch "ihrem" Lebensabschnittsgefährten.
Epilepsie im Zeltlager
Hallo zusammen,
Vielen Dank für die konstruktiven Vorschläge von eurer Seite! Wir haben beschlossen das Kind nächstes Jahr mitzunehmen, um bis dahin sämtliche rechtlichen und ärztlichen Vorschriften abzuklären. Wir wollen zum einen auf der sicheren Seite zum Wohl der Gesundheit des Kindes und der Rechtssicherheit auf der anderen Seite sein. Da wir ein kleines Zeltlager organisiert von Ehrenamtlichen sind, dauert eine solche Abklärung leider immer länger...
Beste Grüße
Lanito :)