Epilepsie feststellbar OHNE laufenden Anfall?

clsven33, Monday, 10.08.2015, 06:52 (vor 4024 Tagen)

Angenommen jemand hat vor ein paar Wochen innnerhalb von einigen Tagen zwei
Krampfanfälle über eine Dauer von jeweils 5 Minten bekommen.

Ist jetzt noch feststellbar ob es sich dabei um epileptische Anfälle handelte?

Oder kann Epilepsie nur festgestellt werden, wenn die Person an eine EEG angeschlossen ist während sie einen Anfall hat?

D.h. zeiegen sich im Blutbild oder im Gehirn anatomische Veränderung die Epilepsie eindeutig identifizierbar machen auch in "normalen" Zustand?

Claudia

Epilepsie feststellbar OHNE laufenden Anfall?

keki, Monday, 10.08.2015, 11:21 (vor 4024 Tagen) @ clsven33

Hallo, Claudia!
Wichtig für den Arzt ist zunächst, wie diese Anfälle ausgesehen haben. Er muss auch wissen, ob in der Zeit vor den Anfällen irgendwas besonderes war (Stress, Drogen/Alkohol, Unfall, Kopfschmerzen,etc.). Dann hat er schon mal Anhaltspunkte, in welche Richtung sein Verdacht gehen könnte. In einem EEG kann man Veränderungen auch außerhalb eines Anfalls sehen. Es kann aber genauso sein, dass man gar nix sieht. Daher wird im Krankenhaus gerne ein Langzeit-EEG gemacht. Im MRT kann man die Epilepsie selber nicht sehen, aber vielleicht eine Ursache dafür. Auf jeden Fall ist ein Arztbesuch erstmal das wichtigste und sollte , vor allem wenn es zum ersten Mal passiert ist, umgehend stattfinden!
LG

Epilepsie feststellbar OHNE laufenden Anfall?

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 10.08.2015, 19:33 (vor 4023 Tagen) @ clsven33

Hallo clsven,

Angenommen jemand hat vor ein paar Wochen innnerhalb von einigen Tagen zwei Krampfanfälle über eine Dauer von jeweils 5 Minten bekommen.

Warum angenommen? *Stirnrunzel* Ist das Dir, einem Freund, Kind, ... passiert oder bist Du Schüler und willst etwas für eine Facharbeit, Referat oder ähnliches wissen?

Ist jetzt noch feststellbar ob es sich dabei um epileptische Anfälle handelte?

Was einige Fachärzte beurteilen könnten, wenn es z.B. ein Video davon gibt, wäre, in wie fern Anzeichen für einen Krampfanfall oder einen psychogenen Anfall vorliegen. Ob, wenn die Anzeichen für einen Krampfanfall überwiegen, das aber ein epileptischer oder ein anderweitiger ist, lässt sich nach meinem Kenntnisstand eher weniger sagen.

Oder kann Epilepsie nur festgestellt werden, wenn die Person an eine EEG angeschlossen ist während sie einen Anfall hat?
D.h. zeiegen sich im Blutbild oder im Gehirn anatomische Veränderung die Epilepsie eindeutig identifizierbar machen auch in "normalen" Zustand?

Das mit der Diagnose von Epilepsie ist etwas kompliziert und nicht immer ganz "eindeutig":
1) Für die Diagnose müssen mindestens 2 unprovozierte Krampfanfälle vorliegen.
2) Es sollte möglichst nichts vorliegen, dass groß für anderweitig ausgelöste Krampfanfälle spricht (z.B. starker Elektrolytmangel oder Drogeneinfluss)
3) Es ist hilfreich zur Diagnose, wenn man im EEG Auffälligkeiten findet (das ist auch möglich, wenn man keinen Anfall hat). Allerdings ist das EEG nicht unbedingt immer aussagekräftig, gerade wenn es über einen kurzen Zeitraum (~15 Minuten) geht. Zum einen ist es eine Momentaufnahme und währenddessen kann das Gehirn einfach einmal im geordneten Chaos brav unauffällig Schwingen, zum anderen greift es nur die Spannungen von außen ab und darunterliegendes Chaos kann von darüberliegender Ordnung verdeckt werden.
4) Das Blutbild ist grundsätzlich nicht dauerhaft bei allen Epileptikern verändert. Es gibt aber mögliche Ursachen, die zu einer Blutbildveränderung führen können (eher die unschöneren, wie z.B. Zysten, die aktiv dauerhaft bestimmte Hormone ausschütten). Was kurzfristig nach einem Anfall erhöht sein kann (Stunden bis Tage), ist z.B. die Creatin-Kinase, aber die ist umgekehrt kein Indikator für einen Anfall. Sie sagt im Endeffekt nicht viel mehr aus, als dass Muskelgewebe geschädigt wurde, z.B. durch einen Sturz beim Anfall oder weil man wie beim Sport beim Anfall in den sauren Bereich kommt - ist der gleiche Effekt wie beim Muskelkater, wenn man's beim Sport übertrieben hat.
5) Es gibt mögliche Ursachen, z.B. Vernarbungen, die man sehen kann, es gibt aber auch Ursachen, die man nicht sieht, weil sie z.B. selbst für viele gute MRTs zu fein sind oder ganz tief in der Hirnchemie vergraben sind.

Zum Abschluss: Mein erster Neurologe sagte mal, ich solle froh sein, wenn man keine Ursache findet. Das ist auch nicht so ungewöhnlich. Die meisten Ursachen, die man leicht findet und eindeutig sind, sind mitunter eher von der unschönen Natur.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil