Ähnlichkeit zwischen Schlafwandern und Epilepsie?
mezeg, München, Monday, 26.10.2015, 12:40 (vor 3947 Tagen)
Hallo,
habe gerade einen Artikel über die Frage gelesen, ob man einen Schlafwandern wecken sollen oder nicht. Natürlich nicht.
Eine Definition deren Zustand klingt aber GM-ähnlich:
"dissociation de différentes parties de son cerveau : celle capable de voir, de marcher, de parler est réveillée, mais celle qui commande la conscience ne l’est pas"
Abspaltung verschiedener Teile seines Gehirns: das Teil fähig zu sehen, zu gehen, zu reden ist wach. Das Teil aber nicht, was das Bewußtsein regelt.
Auch wenn es nicht die gleiche Ursache (soll vorwiegend an einem sehr tiefen Schlaf liegen) hat, klingt es für mich wie bei meinen Anfällen: ich gehe dann "bewußtlos" ins Bett oder bringe es sogar fertig 2 km zu radeln und selbständig abzusteigen. Das alles ohne Erinnerung.
Ein anderes Mal schon bei Bewußtsein und Erinnerung aber unfähig "richtig gedachte" Elementen logisch miteinander zu verknüpfen. Also auch "Dissoziation"?
Pure Neugier...
mezeg
Ähnlichkeit zwischen Schlafwandern und Epilepsie?
sandytimmy, Monday, 26.10.2015, 14:50 (vor 3947 Tagen) @ mezeg
Ein entscheidender Unterschied
Beim schlafwandeln SOLLST du nicht wecken
Beim Anfall KANNST du nicht wecken
Mich kannst du schütteln wie du willst, selbst wenn ich laufe wach kriegst du mich nicht auch bei offenen Augen. Ich schlaf ja nicht, ich bin bewusstlos
Ähnlichkeit zwischen Schlafwandern und Epilepsie?
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Tuesday, 27.10.2015, 09:03 (vor 3946 Tagen) @ mezeg
Eine Definition deren Zustand klingt aber GM-ähnlich:
Abspaltung verschiedener Teile seines Gehirns: das Teil fähig zu sehen, zu gehen, zu reden ist wach. Das Teil aber nicht, was das Bewußtsein regelt.
Was ist daran ähnlich wie an der Definition von einem GM? Beim GM kannst Du weder gehen, noch reden - beim "sehen" müsste man definieren, was man unter sehen versteht, weil beim GM man ja die Daten, die über's Auge reinkommen, für gewöhnlich nicht abspeichert und sich auch nicht dran erinnern kann (keine Ahnung, wie das genau beim Schlafwandeln ist).
Hört sich für mich eher nach etwas an, dass man im manchmal fließenden Übergang zwischen fokalen und komplex-fokalen Anfällen ansiedeln könnte, wenn man es mit Begriffen aus der Epilepsie belegen möchte.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Ähnlichkeit zwischen Schlafwandern und Epilepsie?
mezeg, München, Tuesday, 27.10.2015, 11:51 (vor 3946 Tagen) @ huge88
Was ist daran ähnlich wie an der Definition von einem GM? Beim GM kannst Du weder gehen, noch reden - beim "sehen" müsste man definieren, was man unter sehen versteht, weil beim GM man ja die Daten, die über's Auge reinkommen, für gewöhnlich nicht abspeichert und sich auch nicht dran erinnern kann (keine Ahnung, wie das genau beim Schlafwandeln ist).
Bei den 2 GM-Anfällen konnte ich aber "bewußtlos" gehen. Das erste Mal vom Küchentisch weit hinten bis zum Bett, wo ich aufwachte. Das zweite Mal vom Bad aus zum Bett, und nochmals hin und zurück, weil ich später festgestellt habe, daß ich sicher zur Toilette ging, mit einem kurzen Auflammen der Erinnerung. Beide Male ohne Verletzung.
Und im Juli 2 km noch geradelt, obwohl ich plötzlich unfähig war, zu reden und zu denken und mein Verhalten als sonderbar "nicht erreichbar" auffiel. Eine Abzweigung habe ich korrekt genommen dann kurzes gespeichertes Denk-"Aufflammen", mit der Erkenntnis, daß ich zu nah am Rand fuhr, mit Realisierung der Gefahr und Korrektur. Habe dafür eine gespeicherte "Bild-Erinnerung", ich weiß somit sehr präzis, wo es stattfand. Bin selber 1 km später vom Rad abgestiegen, laut Zeugen mit starrem Blick. Gestützt und hingelegt haben sie mich selber, gefallen bin ich nicht.
Oder gilt es als GM erst, wenn ich irgendo irgendwie liege? Mit anschließender Schlafpause von etwa einer Stunde? Was ist dann die Phase davor? Auffällig sonderbar, nicht ansprechbar, starren Blick, keine Erinnerung daran? Gerade davor ist die Erinnerung besonders stark eingebrannt. Weil danach für eine Weile keine Erinnerung mehr eingespeichert wird?
Ist es also nur die Unfähigkeit Erinnerungen zu speichern in einer Vor-GM Phase? Und mir erst den "echten" Teil des GM zu "genehmigen", wenn ich in Sicherheit bin?
Wäre auf jedem Fall beruhigend...
mezeg
Ähnlichkeit zwischen Schlafwandern und Epilepsie?
sandytimmy, Tuesday, 27.10.2015, 12:13 (vor 3946 Tagen) @ mezeg
Du verwechselst hier etwas
Grand mal ist nichts anderes als ein tonisch klonischer Anfall . Das ist wirklich Meilen vom laufen entfernt
Oder versteh ich das falsch?
Du verwechselst das wirklich mit komplex fokalen Anfällen
Da läuft man oder steht, macht Unsinn, irgendwelchen Kram den man zu dem Zeitpunkt gemacht hat. Nur wecken kann man dich nicht.
Ich empfinde komplex fokale Anfälle als bedeutend harmloser als gm da die Verletzungsgefahr nicht so groß ist.
Ähnlichkeit zwischen Schlafwandern und Epilepsie?
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Wednesday, 28.10.2015, 08:40 (vor 3945 Tagen) @ mezeg
Und im Juli 2 km noch geradelt, obwohl ich plötzlich unfähig war, zu reden und zu denken und mein Verhalten als sonderbar "nicht erreichbar" auffiel. Eine Abzweigung habe ich korrekt genommen dann kurzes gespeichertes Denk-"Aufflammen", mit der Erkenntnis, daß ich zu nah am Rand fuhr, mit Realisierung der Gefahr und Korrektur. Habe dafür eine gespeicherte "Bild-Erinnerung", ich weiß somit sehr präzis, wo es stattfand. Bin selber 1 km später vom Rad abgestiegen, laut Zeugen mit starrem Blick. Gestützt und hingelegt haben sie mich selber, gefallen bin ich nicht.
Oder gilt es als GM erst, wenn ich irgendo irgendwie liege?
Schließe mich Sandytimmy an. Du scheinst da was zu verwechseln.
Das was Du beschreibst, hört sich mehr nach einem komplex-fokalen Anfall an. Da ist das Bewusstsein weitestgehend weg, aber eingeübte Automatismen funktionieren mitunter noch gut.
Ein Grand-Mal-Anfall hingegen ist per Definition ein Anfall mit tonischer und klonischer Komponente, soll heißen ein Anfall, bei dem man Bewusstlos ist, die Muskulator versteift (da ist dann nix mehr mit Fahrrad fahren) und krampft.
Es gibt einige, bei denen ein komplex-fokaler Anfall in einen GM übergeht.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Ähnlichkeit zwischen Schlafwandern und Epilepsie?
mezeg, München, Wednesday, 28.10.2015, 10:14 (vor 3945 Tagen) @ huge88
Es gibt einige, bei denen ein komplex-fokaler Anfall in einen GM übergeht.
Ist wohl die richtige Diagnose, weil es jedes Mal zu einem GM kam. Von gerufenen Sanitätern dokumentiert und vom Neurologen aufgrund detaillierter Beschreibung bestätigt. Geht wohl ineinander und auch in beider Richtungen: Das erste Mal hat es mit GM angefangen, ein zum Küchenstuhl passendes Hämatom belegt, daß ich zuerst gekrämpft habe, erst danach bewußtlos aber zielsicher ins Bett ging.
Das zweite Mal auch, diesmal war es der Kopf der Schraube eines Regals im Badezimmer, bevor ich ebenfalls ins Bett ging. Hatte mich auf der Kante der Badewanne hingesetzt, als der Kreislauf absackte, bin aber nicht rückwärts in die Badewanne gefallen. Ein leichter Blutfleck auf den unteren Bettlaken zeigt wiederum, daß ich mir erst danach die Zunge biß. Also ein 2. GM und komplex-fokal dazwischen? Schaltet der GM-Anfall kurz auf dem Auto-Pilot um, bis ich in Sicherheit bin und er sich wieder austoben kann? Wäre lustig
.
Gleichwohl beruhigend.
Am Anfang dieses komplex-fokalen Anfalls spüre ich schon die Störung, es kam mir nie der "bewußte" Gedanke, er könnte / würde in einen GM umschalten. Keine Chance, Notmedikament zu nehmen oder mich hinzulegen.
Hier und da bekomme ich eine Aura, störend aber nicht gravierend: Unwohlsein, Übelkeit, Kribbeln, Sprachstörung - unsinnig oder in einer Sprache verfangen, nicht unbedingt meiner -, Müdigkeit. Dazu die Angst, es könnte zu einem GM kommen. Aber in solchen Fällen eben nie.
Jetzt bin ich aber dank Euerer Hilfe "aufgeklärt". Nach einem starken emotionalen Stress bin ich nun sowieso die erste Zeit danach vorsichtig (Relaxe-GM): es kommt, wenn überhaupt nur einen kleinen fokalen Anfall.
Noch eine Frage: Kann ich / soll ich während des komplex-fokalen vor dem GM-Anfalls noch geweckt werden? Wenn ja, ist es kontraproduktiv, weil die Spannung im Hirn sich sowieso entladen muß? Eine zufällig anwesende Tochter hatte es mal ergebnislos versucht.
Nochmals Danke!
mezeg
Ähnlichkeit zwischen Schlafwandern und Epilepsie?
sandytimmy, Saturday, 31.10.2015, 10:33 (vor 3942 Tagen) @ mezeg
Zu deiner Frage ob man dich während der komplex fokalen Phase wecken kann: ganz eindeutig nein.
Man kriegt doch selbst nichts mit, nimmt es nicht wahr. Kompletter Filmriss
Man weis nur noch danach was man im gröbsten Sinne vorher gemacht hat, wo man war und dann erst kommt ein Punkt in dem man wieder mitspielt, raffen muss wo man ist, dass es ein Anfall war, ich guck fast automatisch zur Uhr oder frag was für einen Wochentag wir haben
Ich Vergleich das immer mit einer Aufnahme die man sich anschaut. Man guckt den Anfang, spult dann mit schwarzem Bildschirm fort und dann guckt man den Rest des Films , muss aber erstmal kapieren worum es dann in dem Moment geht, wer spielt usw 