Kann mir jemand Auskunft geben?

SaKi, Thursday, 24.03.2016, 08:19 (vor 3797 Tagen) @ tigerchen

Hallo tigerchen,

ich habe mit meinem Sohn ähnliche Erfahrungen gemacht. Er hat mit 6 Jahren eine
Frontallappen-Epilepsie bekommen, die ihn nun seit 10 Jahren begleitet.

Frontallappen-Epilepsie deshalb, weil der Anfallsherd in den Schläfenlappen liegt
und diese Region im Kopf wohl auch für die Konzentration verantwortlich ist.

Jedenfalls hat sich mit Beginn der Anfälle auch das Verhalten, vielleicht sogar die ganze Persönlichkeit meines Kindes gravierend verändert: bis dahin war er ein ganz normales Kind aber dann hat er plötzlich alle Hemmungen verloren, Dinge kaputt gemacht, auf niemanden mehr gehört, fremde Menschen mit "hallo du Arschloch" begrüßt,
so dass die anderen Kinder im Kindergarten Angst vor ihm bekommen haben. Keiner konnte sich dieses Verhalten erklären, er war wie ein anderer Mensch und er konnte sich auch auf nichts mehr konzentrieren. Nach 4 Monaten sind wir über Psychologen und Ärzte in der Uniklinik Tübingen gelandet, die dann diese Epilepsie diagnostiziert haben. Wir sind nicht gleich auf die Idee gekommen,er könnte Epilepsie haben weil er bei seinen Anfällen nicht umfällt. Er vierliert die Orientierung und bekommt ein bedrohliches Fremdheitsgefühl, so dass er bei einem
Anfall einen starren Blick bekommt und anfängt zu schreien und zu fragen
"wer bin ich"? - er weiß dann kurzzeitig einfach nicht mehr, wer er ist und alles um ihn herum kommt ihm fremd vor - nach ein paar Sekunden ist diese Wahrnehmung, die ja ein Anfall war,wieder weg aber das veränderte Verhalten wurde immer schlimmer. Jedenfalls wurde uns in Tübingen erklärt, dass die immer wiederkehrenden Anfälle ("wer bin ich"?)sein Konzentrationszentrum so stören, dass sich dadurch sein Verhalten ändert und er dafür nichts kann, er macht es also nicht mit Absicht. Jedenfalls wurde er mit Carbamazepin (damals Timonil) eingestellt und und die Anfälle gingen davon weg und sein Verhalten hat sich dadurch auch wieder normalisiert. Er war zwar 3 Monate lang sehr, sehr müde, hat sich dann aber an das Medikament gewöhnt und konnte ganz normal eingeschult werden. Ich weiß nicht, wo im Kopf deines Mannes sich der Anfallsherd befindet aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch "kleine" Anfälle das Verhalten oder gar die Persönlichkeit verändern können. Vielleicht wäre es doch gut, wenn dein Mann einmal zu einem Neurologen ginge um festzustellen, wo sein Anfallsherd liegt. Uns hat man damals erklärt, dass sich das Verhalten wieder normalisiert sobald man die Anfälle mit Medikamenten unterdrücken kann, weil sich dann das Konzentrationszentrum wieder beruhigt und das ist auch so eingetreten. Ich hoffe ich konnte dir helfen.

Viele Grüße

SaKi


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