Ausbildung+Epilepsie?
Jasmin_1998, Würzburg, Friday, 22.04.2016, 10:23 (vor 3768 Tagen)
Hi :D
Ich hab eine Frage, da ich nun schon ein 3/4 Jahr Anfalls frei bin und auch sehr interessiert an dem Beruf Gesundheits- und Krankenpflegerin bin wollte ich fragen ob ich bei einem Bewerbungsgespräch sagen muss das ich Epilepsie habe und wie lange schon...
Außerdem meinte mein jetziger Arzt das ich das nicht machen kann/soll. Er sagte das es verantwortungslos ist wegen den Nachtschichten usw. Er würde mir auch das Ärztliche Zeugnis nicht ausstellen. Er erzählte mir auch von einer seiner Patientin die, die Ausbildung auch gemacht hat und ständig Anfälle bekommen hat. Aber ich meine sie hatte ja eine andere Epilepsie.
Jetzt habe ich mich mal mit einem anderen Arzt unterhalten, der meinte nachdem er meine letzten EEG's und die Daten gelesen hatte das es keine "schlimmen" Auswirkungen auf mich haben könnte. Er sagte es wäre zwar ein Risiko wegen den Nachtschichten und meinem Schlafrhythmus aber er auf dem "Schlafentzugs EEG" keine Auffälligkeiten sehe wäre es okay. Und da ich nun auch Richtig eingestellt bin von den Tabletten her würde er mir das Zeugnis ausstellen und auch herein schreiben das ich die Krankheit habe und es sich in zwischen gebessert habe.
Auch der Arzt meines Opa (er hat auch Epilepsie) meinte es sei kein Problem solange ich mich nicht zu sehr überanstrenge.
Ich verstehe jetzt nur nicht warum mein Arzt sagte er würde das nicht tun. Ich meine ich fühle mich super und bin auch sehr zufrieden, die Tabletten helfen mir und mein Zucken das verschwindet auch langsam.
So meine Frage ist nur wenn ich das Zeugnis jetzt von meinem Hausarzt ausstellen lassen würde ob dieser dann meinen Neurologen anrufen würde, und wenn ja was ist wenn der Neurologe sagt er soll das nicht machen obwohl alles in Ordnung ist?
Ich will unbedingt diesen Beruf erlernen und ich weiß auch das ich es schaffen würde. Ich will nicht mein Leben lang im Büro sitzen und daran denken was ich hätte alles machen können. Ich möchte anderen Menschen helfen gesund zu werden -auch wenn ich es selbst nicht bin.
Ich würde auch gerne eure Meinung dazu hören, ob ich eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin machen sollte...
Danke euch im voraus :)
Jasmin
Ausbildung+Epilepsie?
keki, Friday, 22.04.2016, 11:12 (vor 3768 Tagen) @ Jasmin_1998
Mit einer anerkannten Schwerbehinderung/Gleichstellung kannst du von Nachtschichten freigestellt werden, aber erst nach der Ausbildung. Nachtschichten gehören zur Ausbildungsordnung. Wenn du diese Befreiung hast und bist in einer Festanstellung, ist das nicht so´n Problem. Aber ob du mit dieser Einschränkung nach der Ausbildung übernommen wirst, ist fraglich und eine Anstellung im "normalen" Krankenhaus zu finden, kann sich schwierig gestalten. Aber es gibt sehr viele andere Berufe im Gesundheitswesen ohne Schichtdienst. Hast du schon mal im Krankenhaus ein Praktikum gemacht?
Ausbildung+Epilepsie?
Jasmin_1998, Würzburg, Friday, 22.04.2016, 11:27 (vor 3768 Tagen) @ keki
Ja hab ich. Ich habe auch schon im Altersheim eines gemacht. Und mit der ZEit habe ich gemerkt das ich so etwas gern beruflich machen möchte. Ich habe nur angst davor das sie mich nehmen würden und dann sage ich das mit der Epilepsie und dann sagen sie 'nein danke' das möchte ich halt nicht
Ausbildung+Epilepsie?
pegasus, Friday, 22.04.2016, 22:32 (vor 3767 Tagen) @ Jasmin_1998
Meld dich doch vorher bei einer medizinischen Rehabilitation an, um abklären zu lassen, ob dieser Beruf für dich geeignet wäre.
Ausbildung+Epilepsie?
Ellox, Monday, 25.04.2016, 16:40 (vor 3765 Tagen) @ Jasmin_1998
Hallo Jasmin,
ich war mit meiner Epilepsie 17 Jahre Abteilungsleiter in einem Kaufhaus.
Den größten Fehler den Du machen könntest ist nicht mit dem Arbeitgeber
darüber zu reden.
Ich habe dem Geschäftsführer damals die Sache erklärt und mit ihm besprochen,
dass ich schon mal aufgrund meiner Krankheit einen Tag fehlen würde.
Ich sagte ihm, dass er mir ja diesen Tag vom Gehalt abziehen könnte.
Hat er aber nicht gemacht.
Er meinte , dass ihn das nicht störte, wenn ich meine Arbeit gut mache.
Wie gesagt, ich war 17 Jahre bei dieser Firma.
Du weisst ja, dass Du einen Behindertenausweis beantragen kannst ?
Warscheinlich hast Du auch schon einen.
Konnte ich Dir helfen ?
Viele Grüße
Ellox
Ausbildung+Epilepsie?
Jasmin_1998, Würzburg, Monday, 25.04.2016, 20:42 (vor 3764 Tagen) @ Ellox
Ja natürlich konntest du mir helfen
Ich danke dir :)
Ausbildung+Epilepsie?
Phoenix, Magdeburg, Tuesday, 26.04.2016, 21:34 (vor 3763 Tagen) @
Jasmin_1998
bearbeitet von Phoenix, Tuesday, 26.04.2016, 21:50
Also zu der Frage wegen der Nachtschichten:
Ich habe nur nächtliche Anfälle, nach denen ich immer lange Zeit zum Regenerationsschlaf brauche, mindestens 3 Stunden.
Und ich bin Erzieher im Hort. Beim Bewerbungsgespräch habe ich ganz offensiv gefragt, ob der Hort auch einen Frühhort (Hort von 6:00 bis 7:30 Uhr) hat. Die Frage wurde mit "ja" beantwortet. Ich bin aber einfach weiterhin offensiv geblieben und habe erklärt, dass ich den Frühhort leider nicht mit abdecken kann, habe auch erklärt warum nicht, dass ich weiterhin aber keine Einschränkungen auf den Arbeitsalltag habe, dass ich statt dem Frühhort aber immer den Spätdienst machen könnte, so bin ich dann auch gleich zum Thema SB-Ausweis gekommen, und konnte gleich die Vorzüge davon erklären...zum Abschluss wurde gesagt, dass ich in ca 2 Wochen eine Rückmeldung bekommen werde. Aber am nächsten Tag klingelte schon das Telefon und ich bekam eine Zusage. Und wir haben einfach vereinbart, dass ich statt dem Frühhort fast immer den Spätdienst abdecken werde, was für mich absolut kein Problem ist.
Vielleicht findest du für dich auch eine Kompromissmöglichkeit, die für dich realisierbar ist, und vielleicht sogar für den Arbeitgeber von Vorteil z.B. keine Nachtschichten, stattdessen aber viele Wochenenddienste oder viele Spätdienste bis 22:00 oder dich an Feiertagen immer bereiterklärst oder so.
LG
Der Tommy
Ausbildung+Epilepsie?
Maarkus, Monday, 09.05.2016, 14:45 (vor 3751 Tagen) @ Jasmin_1998
Hallo,
ich habe ein ähnliches Problem, aber ein großes "Problem" ist es nicht mehr.
Ich will nämlich Medizin studieren und habe schlafgebundene Anfälle. Medizin kann ich natürlich studieren. Für meine Jahre zum Facharzt müssen natürlich Nachtschichten sein, jedoch gibt es die Möglichkeit, die Facharztzeit zu verlängern, um nicht jeden Tag in der Woche Nachtschicht zu schieben, also dann zum Beispiel nur 50% statt 100% o.ä.
Es gibt auch die Möglichkeit, eine längere Zeit während der Zeit im Facharzt in einer Praxis zu arbeiten, wo keine Nachtschichten nötig wären, aber um die Nachtschichten komme ich nicht drumherum. Kommt natürlich auch immer auf den Arbeitgeber an.
Es gibt einige Ärzte mit Epilepsie, ob schlafgebunden oder nicht.
Ich habe mich da glücklicherweise bei verschiedenen Neurologen, Epileptologen und Epilepsieberatern erkundigt, die mir alles genau erklärt haben. Meine behandelnde Neurologin hat mir z.B. erklärt, dass sie ihren Facharzt 7 Jahre statt 5 Jahre gemacht hatte, weil sie keine 100 Prozent arbeiten konnte.
Wenn ich das Studium packe, werde ich es auf jeden Fall ähnlich machen/ versuchen.
Mein Ziel ist mein Studium, meine Facharztzeit gut rumzubekommen und mich niederzulassen, um keine Nachtdienste schieben zu müssen.
Von der Richtung her wurde mir Anästhesiologie und Chirurgie abgeraten, obwohl ich eigentlich in die Richtung Anästhesie/Notfallmedizin gehen wollte....damit habe ich mich jetzt aber abgefunden.
Ich habe mir auch die Richtung Allgemeinmedizin vorstellen können, und damit ist meine Ärztin schon zufriedener als die Ideen, die ich davor hatte.
Der 2. Traum wäre dann, mal ab und zu als Notarzt tätig sein zu können.
Zur Ausbildung:
Da habe ich mich auch schon erkundigt, da ich eigentlich vorhatte, nach meiner Bundesfreiwilligendienstzeit nach dem Abi meinen Notfallsanitäter zu machen. Das musste ich mir aber leider aus dem Kopf schlagen, da ich ja noch nicht mal einen LKW Führerschein machen darf.
Von einer Ausbildung im Gesundheitsbereich bzw. in der Krankenpflege wurde mir ebenfalls STRIKT abgeraten, egal welche Form der Epi vorliegt. Ich zitiere meine Ärztin "Nein, nein, nein, nein. Schlag dir das mal sofort wieder aus dem Kopf".
Ich hoffe, ich konnte irgendwie helfen, auch wenn ich etwas ausgeschweift bin.
Liebe Grüße
Maarkus
Ausbildung+Epilepsie?
keki, Monday, 09.05.2016, 19:05 (vor 3750 Tagen) @ Jasmin_1998
Ich hatte (in meiner Zeit als Krankenschwester und ohne Epi) eine Kollegin, die Epilepsie hatte. Das hat gut funktioniert und ich hab sehr gern mit ihr zusammen gearbeitet. Aber sie hat die Krankheit auch erst bekommen, als sie bereits fest angestellt war. Nachtdienste hat sie nicht mehr gemacht und auf der Säuglingsstation wurde sie auch nicht mehr eingesetzt. Wäre die Epi vorher schon bekannt gewesen, hätte sie keinen Ausbildungsvertrag bekommen. Informier dich am besten mal beim Arbeitsamt, oder frag direkt bei der Pflegedienstleitung eines Krankenhauses nach.
Ausbildung+Epilepsie?
Sandra1979, Tuesday, 10.05.2016, 19:26 (vor 3749 Tagen) @
Jasmin_1998
bearbeitet von Sandra1979, Tuesday, 10.05.2016, 19:58
Hallo Jasmin,
wenn du gerne Gesund-/Krankenpflegerin werden möchtest, dann mach das auch!!
Wegen der Nacht bzw. Wechselschichten kannst einen Antrag stellen, der in der Regel auch genehmigt wird.
Ob du deine Epilepsie ausplaudern musst, ist eher eine Grauzone. Ich habe Anwälte und Ärzte befragt und die sagen irgendwie beide, dass es eine freiwillige Sache ist. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Ehrlichkeit besser fruchtet. Bei manchen Bewerbungsvorstellungen wirst du das Gefühl bekommen, dass die nur schnell die Tür hinter dir schließen wollen. (Inteligenzloses Pak!
)
Mir ist es zumindest ein paar mal so ergangen. Aber in den letzten Firmen wo ich angestellt war habe ich immer direkt mit offenen Karten gespielt, so konnte mir man auch hinter nicht sagen "haben wir nichts von gewusst"
Würdest du jetzt Gabelstapler werden wollen hätte ich vielleicht so meine Bedenken, aber nicht bei deinen Berufswunsch. Lass dir bloß nicht einreden, du gehörst zur Behindertenrente, dass wollten dir mir mal einreden, da war ich 26
Wenn du jetzt ein paar Gespräche hattest berichte doch mal, wie bzw. ob du es gesagt hast und wie darauf reagiert wurde
LG
Sandra
P.S. Das Zeugnis, dass dein "Neuro" dir nicht ausstellen will, wird das gefordert in einem "Gesundheitsjob"? Möchtest du fest in einem Krankehaus arbeiten oder lieber mobil? Wenn du lieber Mobil machen möchtest beachte aber bitte, dass es durchaus dazu kommen könnte, dass du vielleicht nicht mehr fahren darfst.
Ausbildung+Epilepsie?
Lisi, Thursday, 01.06.2017, 11:26 (vor 3363 Tagen) @ Sandra1979
Hallo,
ich bin 26 Jahre alt, habe aufgrund einer Hirnblutung seit meiner Kindheit eine Halbseitenlähmung und seit meinem 5. Lebensjahr fokale Epilepsie. Seit 3 1/2 Jahren bin ich anfallsfrei. Ich bin vor 7 Jahren von Zuhause ausgezogen und in ein anderes Bundesland gezogen, um dort mein Fachabitur an einer körperbehinderten Schule zu absolvieren. Danach habe ich ein freiwilliges soziales Jahr in einer Kirchengemeinde gemacht, da ich gerne Diakonin werden möchte. Seit Herbst 2015 studiere ich nun an einer Hochschule. Mein Gesundheitszustand hat sich seit ein paar Monaten sehr verschlechtert. Ich habe vermehrt Probleme mit meiner gelähmten Seite, die damit verbundene Spastik hat sich verstärkt, ich habe Schmerzen im ganzen Körper und auch die Epilepsie macht sich durch Auren wieder bemerkbar. Deshalb ist es mir im Moment kaum möglich mein Alltag zu bewerkstelligen. Ich bin seit ein paar Wochen krank geschrieben, habe eine neue Medikamenteneinstellung bekommen, bekomme eine Schmerztherapie und Tabletten gegen die Spastik und muss ein Krankheitssemester einlegen. Seit einpaar Tagen bin ich jetzt wieder zu Hause bei meiner Familie, sodass ich mich erholen kann. Ich habe immer wieder während des Studiums Schwierigkeiten aufgrund meiner Erkrankung, bin oftmals erschöpft und kraftlos. Mal habe ich eine Zeitspanne in der es mir gut geht und ich den Anforderungen des Studiums gerecht werde, dann gibt es wieder Phasen, in denen es mir gesundheitlich nicht gut geht und ich mich durch den Alltag quäle. Doch so schlimm wie im Moment war es noch nie. Deshalb bin ich gerade am Überlegen, ob es nicht besser wäre das Studium abzubrechen. Obwohl ich genau weiß, dass der Beruf der Diakonin mein Traumjob wäre. Aber ich mache mir echt Gedanken, ob ich den Anforderungen, die dieser Job mit sich bringt, aufgrund meiner körperlichen Einschränkung und wegen der Epilepsie, gerecht werden kann. Aktuell stoße ich körperlich wieder an meine Grenzen. Dies war schon oft der Fall und ich bin nicht mehr bereit die Signale, die mir mein Körper sendet zu ignorieren. Zu lange habe ich für meinen Lebensweg gekämpft und bin an meine Grenzen gegangen und darüber hinaus. Wenn ich das Studium abbreche bleiben mir aufgrund meiner Halbseitenlähmung nicht so viele Alternativen. Im Moment habe ich zwei Berufe, die ich mir vorstellen könnte.
Hat jemand einen Rat für mich?
Vielen Dank im Voraus