Extrem peinliche Situation erlebt...

Alina1998, Sunday, 08.05.2016, 23:20 (vor 3751 Tagen)

Hallo!
Ich bin neu hier im Forum, ich heiße Alina und bin 17 Jahre alt, und leide seit ich 13 bin an Epilepsie, genauer gesagt an Grand-Mal-Anfällen. Momentan bin ich mit Lamotrigin 3x 100mg und Keppra 2x 1000mg eingestellt, und krampfe auch nicht oft.

Mir ist jedoch letztens was peinliches passiert...
Ich habe mir einen Termin bei einer Urologin gemacht, da ich Brennen beim Wasserlassen habe. Ich war das erste Mal in der Praxis, und musste dann einen Anamnesebogen im Wartezimmer ausfüllen. Hab dort dann reingeschrieben dass ich an Epilepsie leide und welche Medikamente ich nehme und nicht vertrage. Ich habe auch meinen Notfallausweis zur Kopie mitgegegeben (Ich darf kein Midazolam und kein Tavor bekommen). Und natürlich kam kurze Zeit später genau das was kommen musste:

Ich erlitt einen Krampfanfall mitten im Wartezimmer, man erzählte mir später im Krankenhaus was passiert ist; ich bin wohl vom Stuhl gestürzt, mit dem Gesicht auf dem Boden gefallen und hab da alles vollgeblutet wegen einer Platzwunde am Auge, Nasenbluten und weil ich mir auf die Zunge gebissen hab. Die Arzthelferinnen haben sofort die Ärztin gerufen und sie hat sich meinen Notfallausweis durchgelesen.

Jetzt zum eigentlich Peinlichen:
Weil ich durchaus mal länger krampfe, benötige ich sofort medikamentöse Krampfdurchbrechung und daher habe ich immer mein Notfallmedikament Diazepam Desitin 10mg rektal , also so ein Klistier was in den Po gesteckt wird, dabei. Weil ich andere Medikamente nicht vertrage hat mein Neurologe mir leider dieses verschrieben :-( Dieses Medikament verabreichen eigentlich nur meine Eltern, oder aber auch meine Großeltern.

Im Notfallausweis steht dass auch drin dass ich im Notfall eben dieses Medikament bekomme und dass es in meiner Tasche liegt...

Ja, und mir wurde erzählt dass sofort der Notarzt gerufen wurde und die Urologin das Medikament aus der Tasche genommen hat und mir in den Hintern gesteckt hat...
Mitten im Wartezimmer, und da schauen ganz viele Menschen zu... :-(
Im Krampf hab ich mir auch volle Kanne in die Hose gemacht, meine Sachen im Krankenhaus waren klitschnass.
Mir ist das alles so peinlich, gerade weil ich auch zum 1. Mal dort war und direkt nen Anfall kriege, mich verletze und den ganzen Fußboden versaue und man mir dann auch noch die Hose runterzieht und mich mit (wahrscheinlich) heruntergelassener Hose in den Krankenwagen gebracht hat... Zudem ist die Ärztin noch jung und sieht echt hübsch aus, was das ganze nochmal peinlicher macht...
Ihr wisst das, wenn man nen Anfall hatte kann man sich an nichts mehr erinnern und muss sich auf die Aussagen anderer stützen. Zu Sinnen gekommen bin ich erst wieder im Krankenhaus in der Notaufnahme. Und auch noch in Windeln :-(

Mir ist das alles so furchtbar peinlich, bei den anderen Malen haben das Diazepam wie gesagt immer meine Eltern verabreicht und meine Intimsphäre so gut es eben ging gewahrt.
Natürlich weiß ich, dass das Medikament wichtig ist und schnell gegeben werden muss, aber im Nachhinein ist einem sowas voll peinlich...
Ich trau mich auch gar nicht mehr dort wieder in die Praxis zu gehen :-|

Bitte helft mir und gebt mir einen Rat!

Ganz liebe Grüße, eure Alina <3

Extrem peinliche Situation erlebt...

mezeg, München, Monday, 09.05.2016, 09:40 (vor 3751 Tagen) @ Alina1998

Liebe Alina,

ich kann es Dir sehr wohl nachfühlen. Vor der OP in 2010 erfolgten die GM-Anfälle nachts und ich wachte im naßen Bett auf. Beim meinen Alter denkt man gleich an Anfang von Alzheimer (meine Mutter war davon betroffen) oder ähnlichem und ich schämte mich der Ärztin davon zu berichten und Zeit verlor. Weil ich aber immer aus einem "dunklen Schlaf" erwachte, habe ich es schließlich gemacht. Antwort: "ich sollte abends weniger trinken!" - sehr hilfreich - So wurde die Tumor-Diagnose um 6 Monate verschoben. Nach der OP kamen noch GM-Anfälle tagsüber aber zu Hause und "trocken". Der letzte davon in Anwesenheit meiner jüngeren Tochter, vollkommen überrascht. Sie rief den Sanka an und leider auch die ältere Schwester, die früher Sanka-Fahrerin war und mich sehr autoritär rumkommmandierte, hinderte mich sogar genug eigene AE zum Spital mitzunehmen.

Nach höherer Einstellung ging es eine Weile gut, bis ich dieses Jahr zwei GM-Anfälle bekam, jedesmal nach einem durch Fremdverschulden verursachten Sturz vom Fahrrad. Das erste Mal in Anwesenheit einer sehr kleinen Gruppe vom Radverein. Davon eine Bekannte, die wenn auch sehr vage informiert, perfekt reagiert: mich mit Hilfe der anderen Teilnehmern hingelegt, Sanka angerufen und berichtet, mein Fahrrad festgemacht, sogar den Kilometerzähler in meine Tasche gesteckt.

Das zweite Mal alleine in der Stadt. Im Schockzustand nach dem Sturz ging ich noch zu Fuß, bis ich ein Gruppe Fußgänger kreuzte. Erst dann der Anfall - weil ich instinktiv wußte, in einer Gruppe mehrerer Leute sicherer zu sein, als mit einem einzelnen, der vielleicht selbst hilflos bleibt oder gar meine Situation ausnützt? Verletzt habe ich mich nie, nach der OP blieb ich immer "trocken".


Die Lage ist wieder klar, aber die Angst wieder einen Anfall "draußen" zu bekommen, nagt noch an meiner Sicherheit. Eine Reise nach Frankreich habe ich abgesagt, die Angst in der Pariser Metro einen Anfall zu bekommen könnte sogar einen verursachen.

Also komme ich Schritt nach Schritt weiter. Wie bei Dir kurze Erklärung in meiner Tasche, wieder aufs Rad - weil es für mich Medizin für alles bedeutet, Handy auf Pre-Paid umgestellt. Ich versuche jetzt mich zu einer kleinen viertägigen Radtour zu überzeugen. In weiter Ferne eine Reise nach Frankreich, es gäbe die Möglichkeit in Straßburg umzusteigen und direkt in diesem Bahnhof den Zug nach Tours zu nehmen und da einen weiteren zu meinem Ziel finden. Würde die Fahrzeit deutlich verlängern, wenn ich mich aber sicher fühle, ist es mir wert.

Bei Deinem Fall ist es durch Einäßen und Behandlung mit dem Zäpfen besonders belastend. Immerhin an der "zweit-sicheren" Stelle: Bei einem Arzt - Ärztin noch besser, unter Geschlechtsgenossen - in einem Ort, wo Du sofort fachmännische Behandlung bekamst. Im Wartezimmer? Klar, sehr unangenehm. Es ist davon auszugehen, daß die Leute recht erschrocken war aber froh von solchen Problemen nicht belastet zu sein. Noch wichtiger und sicher: Die Ärztin hat die Leute sofort aus dem Wartezimmer gesscheut, sie hätten sowieso erheblich gestört! Wenn sie einen Patient behandelt, braucht sie keine Zuschauer. Noch dazu als Urologin.

Wenn Du wieder hingehst, wird man Dir feinfühlig fragen, wie es Dir geht oder es vielleicht gar nicht erwähnen. Denk wie ein Patient mit Syphilis oder ähnlicher Krankheit sich fühlt...

Versuche Schritt nach Schritt voranzukommen. Bei der Urologin warst Du sowieso in Streßsituation aber irgendwann muß Du doch wieder hin. Zu einem fremden Facharzt war es nicht besser eher umgekehrt. Wie wäre es, wenn Du mit der Urologin telefonisch sprichst? Ich bin sicher, daß sie den Vorfall mit Dir einfühlsam und sachlich bespricht.

Kopf hoch! Laß Dich nicht von dieser dämmlichen Epilepsie klein kriegen. Du hast keine Schuld dran.

Alles Gute!

mezeg

Könntest es sein, daß Du - wie ich - einen Anfall nur bekommst, wenn die Umstände einigermaßen sicher sind: Deine Eltern oder eben Arztpraxis? Da wo Du Hilfe bekommen wirst?

Noch etwas: in einem Sozialzentrum meiner Umgebung hatte ich einen Vortag mit Epilepsie angeregt. Fragen natürlich dazu. Eine Frau in meinem Alter erwähnte eben dieses Problem mit dem Zäpfchen, ihr Mann litt neuerdings unter Epilepsie. Er war anwesend, fühlte sich in Anwesenheit Fremden nicht gedemütigt. Dabei bis auf mich nur "normale Leute".

Extrem peinliche Situation erlebt...

sandytimmy, Monday, 09.05.2016, 12:16 (vor 3751 Tagen) @ mezeg

Denk immer dran dass die Leute Profis sind
Die werden die anderen Besucher raus geschmissen haben, da das für Laien ja auch stresssituationen sind und deine Intimsphäre gewart werden muss.
Profis gehen damit im Nachhinein ganz anders um, denken nicht so über Details nach wie Laien und auch nicht so lange

Geh ruhig weiter in die Praxis damit haben die garantiert kein Problem. Genau Gegenteil die wissen direkt was Sache

Wie vorher schon erwähnt wurde haben die mit anderen Krankheiten häufiger zu tun, denk mal an potenzstörungen, im höheren Alter häufig und bei Männern ein Tabuthema. gerade für Urologen und deren Helfer ist der Anblick und Umgang mit dem Intimbereich Alltag

Extrem peinliche Situation erlebt...

mezeg, München, Monday, 09.05.2016, 13:58 (vor 3751 Tagen) @ Alina1998

mir sind noch zwei Gedanken eingegangen:

1) sollte Dir ein Anfall "draußen" passieren, ist kaum davon auszugehen, daß Passanten Dir zwecks Zäpfchen die Hose runter ziehen würden - entschuldige den Ausdruck, ich möchte nur präzis sein. Obwohl selbst im "Verein" und im Großmutteralter würde würde ich es auch nicht tun. Höchstens wir beide alleine auf einer Robinson-Insel, wo Besucher frühestens in zehn Jahren zu erwarten sind ;-) ;-)

Entweder entfernen sich die Passanten, um bloß nicht belästigt zu werden - davon gibt es leider zu viel - oder sie rufen beim Rettungsdienst an, der nicht bloß den Sanka schickt sondern auch präzise Anweisungen gibt. Ebenfalls kaum anzunehmen, daß ein Passant Deine Tasche (auch Privatspähre) durchwühlt und dadurch auf Erklärung und Medikament kommt. Jeder ist eigentlich froh, das Problem dem Sanka übertragen zu können.

2) Geht es nur mit Zäpfchen? Als ich im Juli diesen ersten Anfall "draußen" passierte, war ich lt Bericht unruhig und es wurde mir NA Midazolem verabreicht. Und zwar nicht anal sonder oral. War in dem Moment grade unter der Bewußtseingrenze und erinnere mich an einem Kampf mit zwei Männern in rot in einem dunkleren Raum mit Licht an meiner linken Seite (wohl Sanka mit offener Tür). Panik zu ersticken, sie haben mir wohl die Nase zugehalten, um den Mund zu öffnen. Ich merkte auch am nächsten Tag eine Reizung seitlich in der Mundhöhle. Wäre es bei Dir vielleicht möglich auf ein Sofort-Medikament in Pulverform umzuschalten? Dann würdest Du Dir den peinlichsten Aspekt ersparen.

mezeg

Extrem peinliche Situation erlebt...

Alina1998, Monday, 09.05.2016, 15:39 (vor 3750 Tagen) @ mezeg

Hallo nochmal! Danke für eure Antworten!
Leider kann ich nur Diazepam nehmen, weil ich die anderen Medikamente nicht vertrage, und laut meinem Neurologen gibts Diazepam für den Notfall nur in dieser Verabreicherungsform :(
Ich hatte auch schon mal in der Stadt einen Krampfanfall, aber da wurde nur der Notarzt gerufen, welcher mir dann das Medikament in die Vene gespritzt hat.
Ich glaube auch nicht, dass mir wildfremde Passanten das Medikament in den Hintern stecken würden, aber in der Situation wars ja die Urologin in der Praxis, und ich hoffe das sonst keiner zugeschaut hat...

Extrem peinliche Situation erlebt...

lyrella, Monday, 09.05.2016, 18:08 (vor 3750 Tagen) @ Alina1998

Das braucht dir nicht peinlich zu sein. Du kannst nichts dafür... und glaube mir die Menschen sollten sie es gesehen haben werden Verständnis gehabt haben, besorgt gewesen sein.. klar es gibt immer Idioten.. aber die wissen nicht wie es ist die Kontrolle zu verlieren.. Menschen erschrecken weil manche es, noch nie gesehen haben... aber glaub mir peinlich sein braucht es keineswegs :) in die praxus kannst du ruhigen gewissens gehen auch das braucht dir nicht peinlich sein.. in Praxen werden Notfallsituationen wie diese geübt für den Ernstfall. Oft auch während beisein von Patienten werden solche Übungen gemacht... das Team der Praxis wird viel verständnis haben glaub mir :)

Alles gute :)

Extrem peinliche Situation erlebt...

Sandra1979, Tuesday, 10.05.2016, 19:09 (vor 3749 Tagen) @ Alina1998

Hallo Alina,

ich glaube wir haben einiges gemeinsam ;-)
Ich hatte meine ersten Anfälle auch mit 13, so richtig schick mit der Pubertät^^
Ich habe solche Notfall-Medis auch verschrieben bekommen, allerdings nie genommen. Die Idee direkt auf in der Haupteinkaufsstraße die Hosen runter gezogen zu bekommen und ein Zäpfchen verpasst zu bekommen, war mir damals einfach zu peinlich.

Heute denke ich darüber anders, brauche diese Notfall-Medis aber nicht. Bis die Hose unten ist bin ich praktisch schon selbst "entkrampft" Frag doch einfach mal deinen Neurologen ob du dieses Medikament wirklich unbedingt nehmen musst oder deine normale Dosierung reicht?

Ob du weiter in die Praxis gehen sollst oder nicht, kann dir natürlich keiner beantworten, aber wieso nicht? Wenn du dich am Anfang dort wohl gefühlt hast, würde ich es vielleicht auf einen weiteren Termin ankommen lassen :-D

Probleme mit dem Einnässen hatte ich zwischendurch allerdings leider auch... richtig toll wird es wenn es von jetzt auf gleich auf der Arbeit geschieht (ich hab nicht gekündigt, also vielleicht ein Zeichen für dich, dass ein neuer Termin auch okay ist)... naja, den Tag danach wollte ich vor Scham sterben bevor ich wieder gekommen bin. Aber alle haben ganz cool reagiert und mich nicht einmal drauf angesprochen.

Ich glaube auch, dass das Praxispersonal die anderen Patienten von dir abgeschirmt haben, damit du wenigstens ein bisschen Privatsphäre hattest.

Aber eine Frage hätte ich doch... du schreibst, weil die Ärztin noch jung und hübsch ist wäre es dir noch peinlicher gewesen? Warum?? :-|

LG und Kopf hoch
Sandra

Extrem peinliche Situation erlebt...

Alina1998, Wednesday, 11.05.2016, 23:48 (vor 3748 Tagen) @ Sandra1979

Aber eine Frage hätte ich doch... du schreibst, weil die Ärztin noch jung und hübsch ist wäre es dir noch peinlicher gewesen? Warum?? :-|

Hallo! Danke für deine Antwort!
Mit jungen Ärzten assoziiere ich meist immer, dass sie eben nicht so erfahren sind wie 50-jährige und dementsprechend noch nicht alles gesehen haben, auch wenn man das immer behauptet. Ich glaube auch, dass die Urologin zuvor noch nie einer 17-jährigen eine Rektiole in den Allerwertesten geschoben hat...
Es ist mir irgendwie peinlich...die könnte vom Alter her bestimmt meine Schwester sein... und es ist mir halt bei so jungen Leuten einfach peinlich, kA wieso.... bei älteren ist mir das nicht so peinlich irgendwie...
LG

Extrem peinliche Situation erlebt...

Sommeil, Thursday, 12.05.2016, 21:22 (vor 3747 Tagen) @ Alina1998

Liebe Alina,
mach dir keine Sorgen.
Vielleicht war niemand mehr im Wartezimmer, weil rausgeschickt und wenn doch braucht dir nichts davon peinlich sein, gar nichts.

Niemand schaut in so einer Situation auf Äußerlichkeiten, niemand, weil man nur bemüht ist dir zu helfen.
Mach dir nur keine Sorgen, die sind vollkommen unbegründet, da bin ich 100%ig sicher.

--
"Worte sind Zwerge, Vorbilder sind Riesen!"

Extrem peinliche Situation erlebt...

Ellox, Saturday, 14.05.2016, 12:27 (vor 3746 Tagen) @ Sommeil

Mensch Alina,
mach Dir doch darüber keinen Kopf. Die fremden Leute die Dir helfen
siehst Du doch nie wieder. Angenommen sie würden Dir am nächsten Tag
begegnen, Du wärst denen bestimmt so fremmd, dass sie gar nicht mehr grüßen.
Auch einem Arzt gegenüber soltest Du auch keine Scham empfinden,
denn sicherlich sieht er sowas jeden zweiten Tag.
Denke doch einfach wie Götz von Berlichingen : LMAA.
Alles Gute
Ellox