Anfall auf dem Balkon

mezeg, München, Sunday, 22.05.2016, 11:38 (vor 3738 Tagen)

Hallo,

seit Mittwoch stehe ich unter emotionalen familienbedingten Stress und heule die ganze Zeit. Freitag Nachmittag habe ich das Rad genommen und meine übliche Runde im Wald gemacht. Ging schlagartig viel besser. Und gestern bei dem schönen Wetter wollte ich etwas weiter fahren und zum ersten Mal dieses Jahr eine kurze aber heftige Steigung, um meinen Trainingspunkt zu ermitteln. Habe damit gerechnet den ersten Gang nehmen zu müssen, vielleicht sogar doch am Ende zu schieben. Bin aber wie sonst im 2. Gang hochgefahren, der Alpenblick war berauschend, die kurze 44km Tour sehr angenehm.

Also alles perfekt, ich setze mich auf dem Balkon unter den Sonnenschirm mit Tee und Sudoku. Habe nach einer Weile gemerkt, daß es mir flau wird aber das passiert ab und zu und ich habe versucht mich auf das Rätsel zu konzentrieren. Dann unfähig die Zahlen zu "denken" und hatte doch das Gefühl, daß sie richtig waren.

Bin wohl etwa eine Stunde danach liegend am Balkon langsam ab die Oberfläche kommend und dann ins Bett. Schätze, daß es zwei Stunde gedauert hat.

Der kleine leichte Tisch war linksumgekippt. Blutig an der rechten Stirnseite, mächtig an der Augenbraue, es blutete noch. Ich bin gegen den Ständer vom Sonnenschirm gestoßen, dabei stand er links von mir, habe mich wohl um 180° gedreht, ein Blutfleck markiert noch die Stelle. Hämatomen an beiden Armen und an einem Arm.

Für mich das Schlimmste: Zungenbiss! Hatte es seit der OP in 2010 nicht mehr. Und bei der MRT in 2010 wurde das Menigeom als "raumfordernd" und mit Wachstumtenden. Der letzte war in November 2014 ohne Befund. Ich fürchte aber, daß es wieder anfangen könnte. Ich rufe morgen beim Neurologen.
Trotz schönem Wetter werde ich das Rad natürlich nicht nehmen und am Nachmittag nicht auf dem Balkon bleiben können - wegen des Sonnenschirms!

Bin ziemlich entmutigt.

mezeg

Anfall auf dem Balkon

lyrella, Sunday, 22.05.2016, 18:06 (vor 3737 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg...

es tut mir leid was dir passiert ist..ich hoffe es geht dir sowohl emotional als auch körperlich (wegen dem Anfall) wieder besser.
Darf ich dich fragen ob du oft auf "emotionalen Stress" mit Anfällen reagierst?

Das du so gestürzt bist ist echt schlimm..gut das nicht noch viel schlimmeres passiert ist (klar das ist schlimm genug mit dem Kopf und der Zunge) aber ich denk du weißt wie ich es meine :-) du hattest echt einen Schutzengel!

Das mit dem Schirm...halb so schlimm, Hauptsache es geht DIR einigermaßen gut...Material kann man ersetzen, einen Mensch nicht mehr...also ärger dich nicht drüber..den kannst du dir wieder kaufen..denk mal du wärst worst case den Balkon runtergefallen oder so blöd gefallen das du dir noch viel schlimmeres geholt hättest... sei bitte froh das es so "glimpflich" ausging.

Und zur Not können doch die Nachbarn noch aushelfen mit einem Schirm ;-)

Wünsche dir alles gute und gute Besserung! :-)

Anfall auf dem Balkon

mezeg, München, Sunday, 22.05.2016, 18:41 (vor 3737 Tagen) @ lyrella

Hallo Lyrella,

ja, es steht "überhöhte Stressanfälligkeit" im Arztbericht. Eben emotional, eine Stresssituation, wo ich Entscheidung nehmen kann, ist nicht so krass. Alle Anfälle nach der OP - nun 6 insgesamt - lassen sich als Reaktion auf emotionalen Stress in der Relaxe-Phase daraufführen. Ich bemühe mich ruhiger zu bleiben aber es kam eine total unerwartete Reaktion auf mich zu, in einem aggressiven Ton, der eigentlich nicht auf mich gezielt ist, sondern allgemeine Frust und Aggressivität ausdrückt. Einen Fremden wäre es leichter zum Teufel - oder zumindest unter die kalte Dusche - zu schicken. Eigene Familie mit Problemen nicht so. Am Freitag kam wieder so eine "Ladung".

Vom Balkon kann ich zumindest nicht stürzen, die Brüstung ist sehr hoch. Der Schirm? Der hat nichts abbekommen, nur ich! Konnte heute morgen den Blutfleck am Fuß problemlos finden. Plus den "Saft" auf dem Ständer. Das Problem ist viel mehr, daß der Balkon eng ist, ich sitze am entferntesten von der Wohnzimmertür. Ein kleiner leichter Tisch stand vor mir. Habe wohl, als es los ging, "bewußtlos" ins Bett gehen wollen, wie es sonst immer war. Den Tisch habe ich dann beim Aufstehen links umgekippt, er lag danach entsprechend da, dann selber zur Seite links und bin dann zuerst mit dem linken Arm, dann mit Stirnseite und Auge rechts gegen den Stab vom Sonnenschirm gestoßen. Intakt ist er also, traue mich aber nicht mehr ihn wieder aufstellen. Der Balkon ist eng. Zumindest nicht den kleinen Tisch vor mir, damit der Weg frei bleibt.

Heute Nachmittag war ich bei der "Übeltäterin", die hat nun davon erfahren und weiß wohl, warum es kam. Sie hatte Kuchen besorgt, Tisch, Cappuccino und Karten auf der kleinen schattigen Fläche und wir haben Karten gespielt. Tat gut! Morgen rufe ich beim Neurologen an, ob und wann ich kommen soll.

Danke für Deine liebe Wünsche! Ist sehr wohltuend.

mezeg

Anfall auf dem Balkon

lyrella, Sunday, 22.05.2016, 22:33 (vor 3737 Tagen) @ mezeg

Das freut mich das es dir nun besser geht, ablenken ist immer gut und tut gut. Das aussprechen mit der Person hat vielleicht auch geholfen die Situation zu verbessern auch im Bezug auf die Situation mit den Anfällen.

Aufmunternde Worte sind doch immer gut und dafür ist doch auch das Forum hier da :) kein Problem :)
Ich hoffe das dir so ein Anfall nicht nehr so schnell passiert

Anfall auf dem Balkon

mezeg, München, Monday, 23.05.2016, 09:50 (vor 3737 Tagen) @ lyrella

der "Übeltäter" ist meine Tochter und sie hat wirklich selber Probleme. Weiß genau, daß ich an solchen keine Schuld - und daher keine Gegenwirkung - habe. Sie reagiert manchmal sehr brüsk und unerwartet. Dazu kommt meine durch die Operation veruersachte Beschädigung des Sprachzentrums. Eine sehr schnelle, laute, aggressive Folge von Wörtern macht mich sehr schnell müde. In "normaler" Art nehme ich noch sehr viel auf.

Es tat ihr sichtbar leid auch wenn sie es nicht direkt ausgesprochen hat. Aber als Mutter kann man solche Signale deuten. Ich muß lernen in einer solchen Situation schneller "Stopp" zu sagen und konsequent dabei bleiben.

Habe heute Vormittag den "gebastelten" Verband auf Stirn und Augenbraue abgenommen. Sehe so nicht à la "Festival de Cannes", aber das war es noc nie :-D :-D :-D Der Schropf reicht als "Bio-Verband.

Habe gerade beim Neurologen angerufen und einen Termin am Nachmittag bekommen. Mal schauen, ob er mich zur MRT schickt. Eine sofortige Erhöhung wurde ich nicht gerne akzeptieren, zumindest bevor der Wert von Lamotrigin-Spiegel vorliegt. Wurde gerade letzte Woche durchgeführt, die Ergebnisse dürften diese Woche vorliegen.

Nochmals danke, es tut wirklich sehr gut sich im Forum auszusprechen und Aufmunterungsworte lesen.

VG

mezeg

Anfall auf dem Balkon

stepl, Monday, 23.05.2016, 07:00 (vor 3737 Tagen) @ lyrella

Hallo

Ich kann mich deinen Worten lyrella nur anschließen.

Stress hängt für mich auch damit zusammen:
Wenn wir mehr leisten wollen als wir können.

Vorher wollte sie mit dem 1. Gang hinauf fahren und notfalls das Fahrrad schieben.
Wie weit wurde der Anfall dadurch ausgelösst, dass sie sich übernommen hat.

Es wird öfters über ähnliche Fälle berichtet, was wir erst vorhaben und was wir dann machen. Welche Folgen es später hatte.

Auch ob es besser ist, mal eine Pause zu machen!
Der Mangel an Pausen hat oft Folgen. Es wird immer wieder in Ratgebersendungen darauf hingewiesen!


nur so viel von mir.


gruss stepl

Anfall auf dem Balkon

mezeg, München, Monday, 23.05.2016, 10:01 (vor 3737 Tagen) @ stepl

Nein, stepl, das Problem kam nicht von der Radtour und deren Gangschaltung. Ich radle noch an die 6.000 km jährlich - anstatt 8.000 vor OP - Es ist mir sehr wohl bekannt, daß ich nicht nur von den AE etwas gedämpft sondern auch älter - ja, unvermeidbar! - bin. Dieses Jahr bin ich bereits über 2.000 km geradelt. Nicht rennradmässig, einfach weil ich es mag. Ich kann mich gut einschätzen, die KM dienen als "Temperaturmesser".

Radfahren ist für mich nicht Leistung sondern Genuß, meine fast tägliche Runde im autofreien Wald (29 km) ist Medizin. Ich nehme fast immer den gleichen Weg und lasse einfach die Gedanken "frei laufen". Ein Freund macht selber viel Meditation und sagt, es sei auch eine Art von Meditation. Wie es heißt, ist mir eigentlich egal, es tut mir einfach gut.


Streß, daß mich belastet ist psychologisch, wenn ich es passiv ertragen muß.

VG

mezeg

Anfall auf dem Balkon

mezeg, München, Tuesday, 24.05.2016, 08:45 (vor 3736 Tagen) @ mezeg

gestern war ich beim Neurologen. Keine Diskussion, die Dosis muß von 150 - 0 - 100 auf 150 - 0 - 150 erhöht werden. Dazu MRT nächste Woche.

Ein Nachbar hat mich gestern im Aufzug entsetzt gefragt, ob ich einen Unfall hatte - in Bezug auf das Fahrrad natürlich. Habe gleich geantwortet, daß ich auf dem Balkon gestolpert war und meinen Sonnenschirm etwas zu eng umarmt hatte. Stimmt auch, nur die Grundursache für das Stolpern habe ich nicht erwähnt.

Habe das Gefühl durch den "Sog" auf eine andere Stufe gezogen worden zu sein. Die Dosis habe ich bereits gestern abend angefangen zu erhöhen. Mit einer dunkleren Stimmung ist natürlich während der Eingewöhnung zu rechnen.

Außerdem regnet es, ich kann mich nicht auf dem Rad im Wald "regenerieren".

mezeg

Anfall auf dem Balkon

Green, Tuesday, 24.05.2016, 09:28 (vor 3736 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg

...ach ich kenne das zu gut........ich tue etwas für mich was mir gut tut..........und dann...knallt es in der Birne....weil nach dem gut tun die Entspannung kommt...eine andere halt wie beim gut tun.......ich finde es total unerträglich ungerecht...usw..........ich könnte........
Ich habe totalen Respekt das Du Streat Deinen Weg weiter gehst und Dich nicht unterkriegen lässt.......das alles es kostet enorme Kraft......

Liebe Gruesse
Green

Anfall auf dem Balkon

lyrella, Tuesday, 24.05.2016, 13:51 (vor 3736 Tagen) @ Green

Dem schliesse ich mich an :)
Ihr seid alle zu bewundern wie stark ihr euren Weg geht und euch allesamt nie unterkriegen lasst :) MEIN RESPEKT :)

Anfall auf dem Balkon

mezeg, München, Tuesday, 24.05.2016, 18:12 (vor 3735 Tagen) @ lyrella

Dem schliesse ich mich an :)
Ihr seid alle zu bewundern wie stark ihr euren Weg geht und euch allesamt nie unterkriegen lasst :) MEIN RESPEKT :)

bin ganz rot... alles funktioniert nicht immer aber es läßt sich oft eine Parallel-Lösung basteln. Zumindest probieren, um sich nicht später Vorwürfe zu machen: "hättest doch dies oder das gemacht!" Es hat vielleicht nicht funktioniert aber ich war nicht passiv.

LG

mezeg

Anfall auf dem Balkon

mezeg, München, Tuesday, 24.05.2016, 18:09 (vor 3735 Tagen) @ Green

Hallo mezeg

...ach ich kenne das zu gut........ich tue etwas für mich was mir gut tut..........und dann...knallt es in der Birne....weil nach dem gut tun die Entspannung kommt...eine andere halt wie beim gut tun.......ich finde es total unerträglich ungerecht...usw..........ich könnte........
Ich habe totalen Respekt das Du Streat Deinen Weg weiter gehst und Dich nicht unterkriegen lässt.......das alles es kostet enorme Kraft......

Liebe Gruesse
Green

Hallo Green,

also... soviel Respekt habe ich nicht verdient. Wir Bretonen haben einen Granit-Schädel (Schmelzpunkt so etwa wie 3000°...) Heißt nicht, daß der Barometer immer auf Sonne zeigt, aber irgendwann zeigt er doch wieder schönes Wetter! Ja, Kraft muß man auch investieren, habe aber mehrere Möglichkeiten zum Auftanken... und akzeptiere, daß es mal nach unten rauscht.

Liebe Grüße
mezeg

Anfall auf dem Balkon

Ellox, Tuesday, 24.05.2016, 15:55 (vor 3735 Tagen) @ mezeg

Hallo Mezeg,

ich habe nur ca. alle 4 Wochen einen Anfall oder Abcencen.
Das schlimmsten aber ist für mich die Sonne. Logisch, denn das Gehirn wird
überhitzt.
Solltest Du wirklich so weite Fahrradtouren machen ? (Überanstrengung ?)

Viele Grüsse
Ellox

Anfall auf dem Balkon

mezeg, München, Tuesday, 24.05.2016, 18:25 (vor 3735 Tagen) @ Ellox

Hallo Ellox,

Sonne mag ich auch nicht so direkt. Hat diesmal nicht mit der Epilepsie zu tun, sondern wohl eine allergische Reaktion auf einen Sulfonamiden, den ich in meinen Jugendjahren nicht vertragen hatte.

So weite Touren? Alles relativ. Wenn man regelmässig fährt, wirkt es sich ganz anders aus. Ich bin auch nicht der Rennradler-Typ, ich mag es halt. Durch den autofreien Wald fahren, ohne Zeitzwang, einfach aus Lust ist für mich herrlich.

Als ich noch arbeitete, fuhr ich mit dem Rad hin - natürlich nicht bei Schnee und Glatteis. Gleitzeit also kein Zeitdruck, sehr schöne Strecke am Fluß entlang, meist autofrei. 46 km täglich, 3 Stunden Zeit. Mit den Öffentlichen hätte ich gut 2 Stunden gebraucht aber so hatte ich Bewegung und frische Lust. Mit dem Freizeit-Radeln kam ich jährlich auf 13.000 km + x. Es tat mir gut und ich kam oft auf Ideen und Lösungen während der entspannten Fahrt. Das war bekannt...

Setzt natürlich ein gutes Fahrrad mit Gangschaltung und entsprechende stressfreie Strecken vor. Bloß kein falscher Ehrgeiz: Es soll Spaß machen.

VG

mezeg

P.S. Der Neuro-Chirurg, der die Tumor abschälte, radelt auch. Eben nicht als Rennradler, "nur" Genußradler. Mein Kardiologe übrigens auch...