Verschiedene Anfallsformen

Gilmore1612, Friday, 10.06.2016, 20:36 (vor 3718 Tagen)

Liebe Community,

zunächst mal eine allgemeine Frage. Hab die Diagnose seit 8 Monaten und bisher ausschließlich GM-Anfälle gehabt. (3 Stück). Einen Erstanfall sowie noch 2 weitere ca. 1 Woche später. Danach war "meines Wissens" nichts mehr. Jetzt ist meine Frage, da ich mich teilweise etwas "komisch" fühle und befürchte "oh nein, bitte nicht schon wieder"; hat man immer die gleiche Anfallsform, sprich, werde ich immer GM-Anfälle haben und führen diese immer zur Bewusstlosigkeit? Oder kann man auch unterschiedliche Anfälle haben?!
Zu diesem "Komischfühlen" sagt mein Neurologe, dass sei unterbewusste Angst und Unsicherheit, was natürlich durchaus sein kann. Wie oft sagt man "Kopfsache". Allerdings habe ich manchmal auch das Gefühl, dass er nicht alles ernst nimmt, was ich sage, mich abstempelt bzw. abwiegelt, als würde es ihn nicht interessieren. Insgesamt geht mir die Praxis ziemlich gegen den Strich, weshalb ich mich auch gerade um eine Alternative bemühe. Er hält mich vielleicht für neurotisch oder so. Aber für mich ist der Umgang mit der Epilepsie noch nicht zu 100 % klar. Es gibt noch einige "Ungereimtheiten", weshalb ich auch immer wieder mal frage, aber wirklich ernstgenommen fühlt man sich da leider nicht, so abgewiegelt, als hätte man sie nicht alle. ABER: Ich bin der Meinung, je besser man Bescheid weiß, desto sicherer fühlt man sich doch und kann auch wirklich "so normal wie möglich" mit der Epilepsie leben. Oder liege ich da komplett daneben.

Am schlimmsten war für mich, dass meine damals 3-jährige Tochter den ersten Anfall miterlebt hat und der muss nach Aussage meiner Freundin sehr heftig gewesen sein. Seitdem ist die Angst bei meinen Kindern immer noch da. Auch wenn das EEG laut Aussage des Neurologen "tippi-toppi" ist, der Lamotriginspiegel in der Norm ist (wenn auch an der Grenze, wo ich auch nicht genau weiß, brauche ich doch mehr und geht dann auch diese Unsicherheit und dieses komische Gefühl in mir weg, wenn der Spiegel in der Mitte oder zumindest nicht an der unteren Grenze liegt)
Was natürlich auch der Hammer war, war das 1-jährige Fahrverbot, was natürlich totale Richtigkeit hat, gerade in Bezug auf die Sicherheit. Aber auf dem Land wohnend, mit 2 Kindern und nicht der besten Busanbindung, nicht gerade der Renner. Im Moment freue ich mich total auf Oktober, wenn ich endlich wieder selber Autofahren darf; bin aber auch ganz ehrlich, dass ich gleichzeitig Angst davor habe. Angst, dass doch wieder ein Anfall kommt und ich andere damit in Gefahr bringen könnte.

Letzten Sonntag ist mir nämlich folgendes passiert: Ich habe im Kinderzimmer unter einem Regal etwas hervorholen wollen, lag auf dem Rücken und beim Aufsetzen habe ich mich plötzlich gefühlt, als hätte ich eine Bleikugel auf dem Hals. Wie nach meinen letzten GM Anfällen. Als würde mein Kopf von der Schwerkraft angezogen. Dabei war ich nicht 1 sec. ohne Bewusstsein.

Deshalb fragte ich, ob ich unbedingt immer ohnmächtig sein muss, sodass ich einen Anfall erlebt habe. Vllt habe ich ja auch andere Anfälle und diese sog. Unsicherheit sind doch Anfälle, was ich nicht hoffen will. Denn ich brauche "mein Auto". Noch 1 Jahr Fahrverbot wäre für mich die Hölle.

Ok. Ich hoffe, ihr haltet mich nicht auch für paranoid und könnt mir mit Euren Erfahrungen dazu ggf. die Angst ein wenig schmälern. Da mein Neurologe (bisheriger) mir nichts dazu sagen wollte und mich auf meinen Termin verwiesen hat, bin ich natürlich nervös.

Verschiedene Anfallsformen

Green, Friday, 10.06.2016, 22:37 (vor 3718 Tagen) @ Gilmore1612

Hallo
Angst nehmen kann Wissen über Dinge helfen könnte Dir www.moses-schulung.de oder
www.famoses.de ...Beratungstelefone in Anspruch nehmen vorne auf den Seiten unter Beraten... finden Sie Telefonnummern und Shgruppen. Einen Neurologen suchen der auch Epileptologe ist.

Gruss Green

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Gilmore1612, Friday, 10.06.2016, 23:10 (vor 3718 Tagen) @ Green

Dankeschön für die Tipps. Das ist sehr lieb. Ich schaue mir übernächste Woche einen anderen Neurologen an. Das ist eine Gemeinschaftspraxis. Werde auch beim nächsten Termin das Thema Spiegel und ggf. Dosiserhöhung ansprechen.
Bin fest davon überzeugt, wenn ich mal eine längere Zeit mit Epilepsie anfallsfrei lebe, von einem Experten klare Antworten auf meine Fragen bekommen habe, das Gefühl habe, meine Fragen stellen zu können, ohne schief angeschaut zu werden, sehe ich mich auf einem guten Weg, so normal damit umzugehen, wie mit meiner Schilddrüsenerkrankung. Es hat sich in den letzten Monaten schon so viel getan, sodass ich ein fast normales Leben führe; abgesehen vom Fahrverbot und den etwaigen Momenten, in denen ich denke "ohoh"... Nein, das wollen wir jetzt nicht - als würde ich das Gefühl wegschieben oder unterdrücken. Ich frage mich halt, ob das Auren sind... oder wirklich nur eine Kopfsache.

Aber erstmal schließe ich für heute und wünsche eine gute Nacht. Und danke noch mal

Verschiedene Anfallsformen

DancingQueen, Mecklenburg-Vorpommern, Saturday, 11.06.2016, 09:44 (vor 3718 Tagen) @ Gilmore1612

Hallo,
also erstmal geht ein Grand Mal immer mit Bewusstlosigkeit einher. Das ist ein sogenannter generalisierter Anfall. Daneben gibt es natürlich noch viele weitere Anfälle, die Absencen (auch generalisiert) sind ebenfalls mit Bewusstseinsstörung. Hinzu kommen dann die einfach fokalen Anfälle, diese werden oft ohne Eintrübung wahrgenommen, etwa ein Zucken in den Gliedmaßen o.ä. Bei komplex fokalen Anfällen kommt es eher zu Störungen des Bewusstseins, wenn auch nicht immer zur kompletten Bewusstlosigkeit. Schwammige Erinnerungen sind manchmal vorhanden, einige wissen noch, dass sie während des Anfalls ins Bett gegangen sind usw.
So viel dazu.

Man kann immer mehrere Anfallsformen haben. Mein Freund zum Beispiel hat einfach fokale Anfälle, die dann sekundär generalisieren können. Ihm zucken ab und an die Gliedmaßen, nachts zuckt er im Schlaf auch häufiger, wobei er das dann natürlich nicht mitbekommt. Einen Grand Mal hat er hinter sich, der kam dann erst nach mehreren fokalen Anfällen in der Nacht nach den Anfällen. Natürlich mit Bewusstseinsverlust etc.

Dieses "komische Gefühl" was du beschreibst, kann natürlich die gewissen Angst vor einem Anfall sein. Einige haben aber auch Auren vor dem Anfall, mein Freund merkt es immer, wenn wieder etwas kommt oder auch kommen könnte, ohne, dass dann auch wirklich was passiert. Er fühlte sich also auch komisch, legte sich hin, und es passierte zwar nichts, aber es hätte eben sein können. Den Medikamenten sei Dank.

Aus pharmazeutischer Sicht (befinde mich im letzten Viertel meines Studiums) ist immer ein Wirkstoffspiegel zwischen unterer Grenze (Wirksamkeit) und oberer Grenze (toxikologische Grenze, ab da wirds giftig) erwünscht. Wenn du an der unteren Grenze bist, ist das völlig ok, solange du wirklich regelmäßig (nach Uhrzeit!) nimmst und der Spiegel nicht unter diese Grenze abfallen kann.

Die Angst deiner Kinder, soetwas nochmal sehen zu müssen, verstehe ich. Ich bekomme die Bilder auch kaum aus dem Kopf, als ich meinen Freund bewusstlos und krampfend fand. Vielleicht kannst du ihnen (entsprechend ihres Alters) erklären, was passiert ist, und dass es zwar nochmal passieren kann, aber sie keine Angst haben müssen, weil sowas meistens ohne weitere Schäden abläuft. In spielerischer Art und Weise nimmt es ihnen vielleicht die Angst.

Mehr kann ich dir erstmal nicht sagen, ich hoffe, es hilft dir ein wenig.

Liebe Grüße!

Verschiedene Anfallsformen

Chris, Traunstein- Oberbayern, Monday, 27.06.2016, 14:22 (vor 3701 Tagen) @ DancingQueen

Hallo,
also erstmal geht ein Grand Mal immer mit Bewusstlosigkeit einher. Das ist ein sogenannter generalisierter Anfall
. Daneben gibt es natürlich noch viele weitere Anfälle, die Absencen (auch generalisiert) sind ebenfalls mit Bewusstseinsstörung. Hinzu kommen dann die einfach fokalen Anfälle, diese werden oft ohne Eintrübung wahrgenommen, etwa ein Zucken in den Gliedmaßen o.ä. Bei komplex fokalen Anfällen kommt es eher zu Störungen des Bewusstseins, wenn auch nicht immer zur kompletten Bewusstlosigkeit. Schwammige Erinnerungen sind manchmal vorhanden, einige wissen noch, dass sie während des Anfalls ins Bett gegangen sind usw.
So viel dazu.

Hallo DancingQween,

da muss ich dir wiedersprechen.
Ich hatte schon mehrere GM´s und war immer bei Bewusstsein. Mein Arzt glaubte es mir nicht. Hatte aber das "Glück" dass er mal einen GM von mir miterlebt hat.
Er hat mir bestätigt das es einer war und das es selten ist das die Person nicht das Bewussstsein verliert.

Aber es stimmt. Man kann viele verschiedene Arten der Epilepsie haben.
Am Anfang hatte ich nur eine "Jackson Anfälle" da war ich noch ein Kind.
Mit den Jahren sind die Anfälle immer stärker geworden und eben auch mehrere Formen.

LG Chris

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huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 11.06.2016, 11:11 (vor 3718 Tagen) @ Gilmore1612

Hi,

ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich mich nie dabei erwische, mich auch heute noch hin und wieder ganz selten einmal misstrauisch zu beäugen (und das nach den vielen Jahren, die ich jetzt schon anfallsfrei bin und der Zeit, die ich inzwischen auch wieder hinterm Steuer verbracht habe).
Aber sowas gibt sich mit der Zeit, wenn Du Dich an das alles erst einmal gewöhnt hast. So wie sich das anhört, hast Du ja gleich auf Anhieb ein für Dich geeignetes Medi gefunden und mit dem auch keine Probleme.
Das was Du beschreibst, hört sich für mich (Laie) jetzt auch nicht nach einer anderen Anfallsform an - eher danach, dass Du Dir noch zu viele Gedanken machst (und da Du doch wie ich zu der mitunter etwas arg rationalen Sorte von Menschen gehörst, ist das auch für mich wenig verwunderlich). Einfach einmal den Kopf abschalten, um auf andere Gedanken zu kommen, kann da schon helfen.

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

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keki, Saturday, 11.06.2016, 12:12 (vor 3718 Tagen) @ Gilmore1612

Das merkwürdige Gefühl, dass Du beschreibst, als Du unter dem Regal wieder hervor kamst, kann auch eine Kreislauf-Geschichte sein. Das fühlt sich oft recht ähnlich an.
Keki

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Gilmore1612, Saturday, 11.06.2016, 16:00 (vor 3717 Tagen) @ Gilmore1612

Hey Ihr Lieben. Habt besten Dank für Eure Antworten. Es ist beruhigend, was ihr schreibt. Ja, mit dem lamotrigin geht's mir schon echt gut. Und bin an sich auch ein optimistischer Mensch, habe, trotz fehlendem Auto und bescheidener Busverbindung schon einiges an Lebensqualität zurückgewonnen; z. B. Sport. Das Ende des Fahrverbots ist auch in Sicht. Jetzt stehen Ferien und Urlaubszeit vor der Tür und dann sind es nur noch wenige Wochen. Und das wird der letzte große Schritt in die Normalität sein. Die Tabletten darf ich wohl lebenslang nehmen. Macht mir aber nichts. Nehme ja auch L-Tyroxin und mit 2 Tabletten morgens und einer abends bin ich echt gut dabei. Wenn ich aber weiß, dass so ohne weiteres nichts passiert, und mein Kreislauf ist eben empfindlich und schnell im Keller, beruhigt mich das sehr. Genießt Euer Wochenende!