Kaum info zu "leben mit epilepsiekranken Eltern"

chrissie, Tuesday, 21.06.2016, 22:17 (vor 3707 Tagen) @ mathilda

Hallo Mathilda,
dein Fall hört sich ja wirklich hart an, du kannst einem Leid tun, was du schon alles durchgemacht hast.
Es ist gut, dass du mit deinem Sohn drüber redest, jeder soll wissen, was dir deine Mutter schon in der Schwangerschaft angetan hat und dann später das Problem mit deinem Pflegevater. Man kann das gar nicht fassen, wie Leute so sein können.
Ich musste glücklicherweise solches noch nicht durchmachen, die Ursache meiner Epilepsie ist ein Fieberkrampf im Babyalter. Aber ich habe vollstes Verständnis, dass dein Sohn so reagiert.
Ich finde es auch traurig, dass Kinder epilepsiekranker Eltern eigentlich alleine dastehen. Das es heutzutage immer noch viele gibt, die uns nicht für voll nehmen bzw. als geisteskrank ansehen, werden die Kinder auch mit Freunden kaum drüber reden. Aber man darf sich nicht verstecken mit solchen Problemen. Als ich meine Diagnose vor ca. 35 Jahren bekommen habe, ist mir auch noch gesagt worden, dass wir im Beisein anderer nicht über die Epilepsie reden, weil es ja peinlich ist!!! Das hat weh getan und ich kann das auch nicht vergessen. Ich habe einen sehr guten Beruf (Forschungsassistentin) und sowohl mein letzter Chef als auch meine Ärzte gehen mit mir wie mit jedem "Nicht-Epileptiker" um.
Versteck dich nicht, wenn du die Eltern der Freunde deines Sohnes kennst, dann bring auch deine Probleme in die Gespräche ein (es wird immer über Gesundheit gesprochen und einige brauchen schon eine Krankmeldung, wenn ein Fingernagel abgebrochen ist).
Wenn ich die Lebensumstände von betroffenen Personen weiß, habe ich eine viel offenere Meinung drüber, so z.B. bei vielen Alkohol- oder Drogenkranken oder bei depressiven Patienten. Und mich darf auch jeder über meine Erkrankungen ausfragen, ich kläre gerne die Leute auf, was vielleicht Aufgabe des Staates und der Medien wär. Auch die Neurologen sollten vielleicht öfter auf das Thema "Leben mit epilepsikranken Eltern" angesprochen werden und darüber mit anderen Kollegen bei Kongressen reden.
Ich wünsche dir alles Gute und ganz viel Kraft.


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