Können Ärzte, die keine Neurologen sind, Epilepsie erkennen?

Lorina, Saturday, 25.06.2016, 15:11 (vor 3703 Tagen)
bearbeitet von Lorina, Saturday, 25.06.2016, 15:40

Liebe Community!

Seit Jahren leide ich (29) an Epilepsie mit myoklonischen Anfällen (Zuckungen in der Aufwachphase oder in der ersten Stunde nach dem Aufstehen). Als ich vor einigen Jahren unter starkem psychischen Druck im Beruf stand, hatte ich wohl auch so einige Anfälle im Schlaf. Dabei habe ich mir oft in die Wange und und paar mal in die Zunge gebissen. Ich nehme Lamotrigin, bin aber nicht ganz anfallsfrei.
Leider haben mir meine Eltern immer zu verstehen gegeben dass man mit dieser Krankheit "anders" ist und das viele Menschen Vorurteile haben. So habe ich die Epilepsie immer so gut es ging verheimlicht.

Vor meinem letzten Freund, mit dem ich 3 Jahre zusammen war, konnte ich es nicht verheimlichen. Er bekam mit dass ich regelmäßig Medikamente nehme und wollte wissen, warum ich kein Auto fahre. Sonst habe ich es nie erzählt. Immer aus der Angst raus, deswegen abgelehnt zu werden. Hatte irgendwelche Ausreden parat bezüglich Führerschein, Alkohohl trinken, etc.
Ich habe echt Angst vor Reaktionen. Im letzten Jahr habe ich mir ständig nachts in die Lippe gebissen und das entstandene Fibrom musste zweimal beim Kieferchirurg rausgeschnitten werden. Ein Bekannter nannte mich danach erst mal nur spöttisch "unsere Lippenbeißerin" (er weiß auch nichts von meiner Epi).

Nach den Zungenbissen ist meine Zunge entsprechend vernarbt. An einer Stelle hat sich beim Verheilen ein dicker Huckel gebildet. Das sieht echt nicht schön aus. :-(
Mich wundert dass mich der Zahnarzt, bei dem ich jetzt in Behandlung bin, mich noch nie darauf angesprochen hat. Vielleicht kann er es sich denken und will mich nicht in Verlegenheit bringen. Es kam ihm aber sicher komisch vor dass ich vor kurzem sogar meine Aufbissschiene kaputt gebissen habe.
Doch ich war jetzt ein paar mal bei einem HNO, da ich ständig Probleme mit den Nasennebenhöhlen habe. Mir wurde schon nahegelegt mich operieren zu lassen. Beim letzten Termin hat er mir noch mal in den Rachen geschaut und dabei meine Zunge genau gesehen. Dann meinte er, man sollte das mit der Op noch ein bisschen rausschieben. Ich wäre ja wohl ein ängstlicher Mensch "und wenn dann ähm, na ja, noch andere Krankheiten hinzukommen, sollte man erst mal noch konservativ mit Spray behandeln". Er grinste dabei so komisch.

Kann er mit "anderen Krankheiten" vielleicht meine Epilepsie gemeint haben?
Kann ja sein dass er so eine zerbissene Zunge nur bei Epi-Patienten gesehen hat. Tut mir leid, aber es wäre mir peinlich!

Können Ärzte, die keine Neurologen sind, die Erkrankung ohne weiteres erkennen? Oder zumindest denken dass ich eine Psychopathin bin und psychogene Anfälle habe, bei denen sich ja manche auch im Mund verletzen?

Gruß,
Lorina

Können Ärzte, die keine Neurologen sind, Epilepsie erkennen?

sandytimmy, Saturday, 25.06.2016, 15:51 (vor 3703 Tagen) @ Lorina

Jeder Arzt kann Anfälle erkennen. Das sind solch spezifische Symptome. Vor bekannten brauch man sich nicht schämen. Wenn die einen deshalb meiden sind es eh pfeifen. Dann sind die eh nichts wert.
Man muss dazu stehen. Nur muss man es nicht jedem sofort aufs Brot schmieren. Nur denen wo es eine rolle spielen kann. Damit die nicht in Panik geraten und z.b. wegen eines Anfalls den Notarzt rufen

Können Ärzte, die keine Neurologen sind, Epilepsie erkennen?

Green, Saturday, 25.06.2016, 18:30 (vor 3703 Tagen) @ Lorina

Hallo

was die Denken weis Du nur wenn Du sie fragst.
Es verheimlichen warum ? Willst du keine Hilfe? Wenn die Ärzte wissen was Sache ist gehen Sie bestimmt anders mit Dir um. So schieben Sie es wie Du selber schreibst auf die Psychoschiene.
Wie alt bist Du den und kennst Du www.moses-schulung.de oder hier vorne auf den Seiten gibt es Adressen von Shggruppen und Beratungstelefone....da bekommst Du auch Hilfe.
Sei nett zu Dir und nutze Sie.

Gruss Green

Können Ärzte, die keine Neurologen sind, Epilepsie erkennen?

Chris, Traunstein- Oberbayern, Saturday, 25.06.2016, 21:15 (vor 3703 Tagen) @ Green

Hallo Lorina,

Also zu deiner Frage ob andere Ärzte Epilepsie erkennen können, ja. Sie haben es alle zum Teil gelernt. Mein Kinderarzt sagte es meinen Eltern damals als ich den ersten Anfall hatte.
Danach überwies er mich zu einem Neurologen. Such dir einen, er wird dir helfen.

Ich weiß Epilepsie ist nicht schön und keiner von uns hat geschrieen hallo hier bin ich bitte eine Dosis Epilepsie
Ich denke jeder hat am Anfang Angst gehabt,davor das man es endeckt, nun ja ich sprech lieber für mich alleine.
Bin jetzt 38 und habe meine Anfälle mit 9 bekommen.
Ich habe die gleiche Form der Anfälle wie du , aus dem Schlaf raus.
Aber die Anfälle gehören zu dir.
Auch wenn du Epi. hast bist du genau so wertvoll wie alle.
Klar gibt es ab und zu blöde Leute die denken "Wir" sind schlechter aber hey zeigs ihnen das du genau so gut bist. :Lass dich nicht unterbuttern und steh zu deiner Krankheit.
Warum sagst du es deinem Freund nicht.
Auch wenn deine Mutter gesagt hat das du anders bist, das stimmt, aber jeder ist anders. Es gibt keine zwei gleichen Menschen.
Wenn man es genau nimmt könnten wir sagen wir sind besser als ihr, denn wir haben Epilepsie nehmen täglich zig Tabletten und kommen mit unserem Leben zurecht.
Stark bleiben;-)

LG Chris

Können Ärzte, die keine Neurologen sind, Epilepsie erkennen?

chrissie, Saturday, 25.06.2016, 23:16 (vor 3703 Tagen) @ Lorina

Hallo Lorina,
es kommt auf die Anfälle an, aber myoklonische oder Grand mal sollte eigentlich jeder Arzt erkennen. Da es bei jedem Patienten anders verläuft, ist es für viele Nicht-Neurologen natürlich ein Problem. Die Epilepsie-Diagnostik beherrschen normale Neurologen ja zum Teil nicht richtig, dafür sollte man sich Epileptologen suchen, die haben auch mehr Ahnung von den Medikamenten.
Ich bin auch so erzogen, dass man über die Epilepsie nicht redet, weil es peinlich ist! Seit 35 Jahren habe ich Epilepsie. Mein jetziger Epileptologe hat mir klar gemacht, dass ich mich nicht verstecken darf u mit Freunden, Bekannten und Kollegen darüber reden muss. Seitdem ich mit anderen drüber rede, fühle ich mich lockerer. Und bisher bin ich von niemanden wegen der Epilepsie runtergemacht worden (3x wurde ich entlassen, weil ich beim Vorstellungsgespräch nicht von der Epilepsie gesagt habe. Man muss das auch nicht sagen. Aber diese dummen Chefs hatten keine Ahnung. Mein letzter Chef sagte nur, dass die Epilepsie kein Problem ist!!! Er ist allerdings Mediziner).
Deinen Ärzten musst du auf jeden Falle von der Epilepsie erzählen: das ist ganz wichtig, wenn du eine Betäubung oder Narkose brauchst. Besorg dir deine Arztbriefe von deinem Hausarzt und zeige sie anderen Ärzten, auch von deinen Medikamenten müssen alle Ärzte wissen, wegen Wechsel- und Nebenwirkungen.
Versteck dich nicht, du bist ein Mensch wie jeder andere, vielleicht ist dein Charakter sogar um einiges besser als bei Nicht-Epis.
Und jeder hat seine Stärken und Schwächen. Lass dir nicht von anderen einreden, dass wir mit Epilepsie nichts wert sind. Haushalt ist nicht gerade meine Lieblingsaktivität, mein Beruf ist neben meiner Familie und meinem Hobby das wichtigste für mich und mein Chef u die Kollegen waren sehr zufrieden mit mir, leider bin ich seit mehreren Jahren aufgrund einer anderen Erkrankung in EM-Rente.
Wenn jemand was über meine Erkrankungen wissen möchte, darf er immer fragen und ich helfe gerne anderen Patienten und auch Ärzten, die keine Ahnung haben.
Such dir einen guten Epileptologen und sprich offen über die Epilepsie.
Viel Kraft dafür
Chrissie