Immer wieder Angst

DancingQueen, Mecklenburg-Vorpommern, Thursday, 21.07.2016, 22:33 (vor 3677 Tagen)

Hallo ihr Lieben,
ich möchte noch einmal kurz von meinem Freund berichten.

Er hatte ja im letzten Jahr (Juni) seinen ersten GM (inkl. schwerer Verletzung, aber das ist soweit ausgestanden) und wurde dann auf Keppra eingestellt. Soweit war alles gut, keine weiteren GM. Allerdings hat er ab und an Zuckungen in den Gliedmaßen gehabt und auch nachts sehr typische Bewegungen ausgeführt (im Schlaf), zumindest sagte das der Neurologe. Er hatte einige Auren (in diesem Zeitraum über ein Jahr ca. 3) und jetzt vor kurzem wieder einen GM. Die Dosis wurde schon aufgrund der nächtlichen Bewegungen erhöht, nun natürlich noch weiter.
Soweit so gut. Ob er mit den Medis und den Konzentrationsdefiziten sein Studium schafft, ist eine andere Sache.

Das Problem bin jetzt eher ich: Ich habe ihn beim 1. GM gefunden, die Bilder spuken mir durch den Kopf. Es wurde dann besser mit dem einen Jahr, ich hatte weniger Angst ihn allein zu lassen, er darf Auto fahren und alles. Nun der 2. GM bei seinen Eltern zu Hause. Wieder habe ich ihn gefunden, im Bad, bereits liegend. Musste dann seiner Mama noch erklären, was passiert und sie beruhigen, dass wir keinen Notarzt brauchen. Der Anfall war weit weniger schlimm und für mich in dem Moment völlig aushaltbar.

Aber ich habe nun trotzdem wieder Angst. Sobald er allein losgeht, oder ich ihn zuhause allein lasse. Was kann ich tun? Er geht schon Kompromisse mit mir ein, wir reden, dass er immer Handy dabei hat und sich zwischendurch meldet, und ich übe, ihn gehen zu lassen... aber ich träume inzwischen davon...hat jemand Tipps?

Ich habe auch gelesen (fragt nicht mehr, wo), dass es typisch ist, dass zwischen 1. Anfall und "eigentlichem" Start der Epi gut 1 Jahr liegen kann... muss ich mich auf häufigere Anfälle einstellen? Was habt ihr für Erfahrungen, als eure Epi begann?
Lieben Danke für eure Hilfe und das tolle Forum hier!
Grüße :)

Immer wieder Angst

sandytimmy, Saturday, 23.07.2016, 22:30 (vor 3675 Tagen) @ DancingQueen

Ich kann dir zwar nicht vom Beginn meiner epi etwas sagen da ich zu dem Zeitpunkt noch keine zwei war, inzwischen somit 36 Jahre Anfälle hinter mir habe
Ich kann nur sagen
Ich lass die Anfälle ohne Erwartungen auf mich zukommen
Ich verschwende vor dem Anfall auch keinen Gedanken daran ob und wann einer kommt.
Mein Mann macht sich da ein wenig mehr Gedanken weil man nicht unbedingt sofort erkennt dass ein Anfall dich ankündigt
Wenn ich dann einfach nur ein wenig verträumt bin, in Gedanken an irgendwas, dann vergewissert er sich ob ein Anfall sich ankündigt oder nicht.
Fragt er öfter nervt das. Dann sag ich ihm dass er nicht nerven soll.
Ich tu und lass aber auch alles was ich will und kann, allein , lass mir nichts verbieten, nur Dinge wo ich mich oder andere in Gefahr bringe

Ich versteh zwar deine Sorge aber denk immer an den Spruch
Behindert ist man nicht, behindert wird man, entweder von sich oder von anderen

Immer wieder Angst

Petrus, Saarland, Sunday, 24.07.2016, 00:58 (vor 3675 Tagen) @ sandytimmy

Hallo dancing Queen
Ich möchte auch an dieser Stelle mal allen Lebenspartnern danken dass ihr das alles erträgt und euch Gedanken macht uns zu helfen.
Ich selbst habe seit 1971 Anfälle und in meiner Jugend auch die ein oder andere Freundin was ich bis heute nicht weiß welche Beziehungen wegen der Krankheit kaputt gegangen sind .

Bin jetzt aber glücklicher Vater eines 15 Jährigen Sohnes und seit 20 Jahren in einer Beziehung.
Weshalb sag ich das?

Nun ich habe Anfang des Jahres in Bonn einen Klinikaufenthalt gehabt leider Ohne Erfolg, aber das ist ein anderes Thema, und habe dort die ersten Anfälle mal selbst gesehen .

Das war für mich ein extrem belastendes Erlebnis . Ich musste auf mein Zimmer gehen und weihnen und hatte plötzlich eine Wahnsinns Angst dass meine Frau mich verlassen könnte, absoluter Quatsch zwar aber diese Verlustangst ist bis dato nicht mehr weggegangen.

Ich möchte damit nur sagen macht euch nicht Zuviel sorgen und kümmert euch nicht zu sehr um die Krankheit die zwar immer Present ist allerdings , ich spreche nur für mich, kann es auch nervig sein wenn sich zu sehr gekümmert wird.
Bitte nicht falsch verstehen.

Will sagen dadurch wird die Krankheit für die Betroffenen so allgegenwärtig.
Ich denke während der Anfallsfreien Zeit überhaupt nicht daran, ignoriere aber diese Krankheit nicht.

Also Dancing Queen, versuche mehr zu leben zwischen den Anfällen und das Leben wird erträglicher.
Nur eine Einschätzung
LG Petrus

Immer wieder Angst

DancingQueen, Mecklenburg-Vorpommern, Monday, 25.07.2016, 14:27 (vor 3673 Tagen) @ Petrus

Hallo,
vielen Dank für die Antworten, ihr beiden.
Ich versuche schon so gut es eben geht, es auf sich beruhen zu lassen. Wir unternehmen viel, gehen schwimmen und machen auch sonst alles, was wir vorher auch getan haben. Es ist eben nur wenn er allein ist, die Ungewissheit da.
Ich werde an mir arbeiten, damit ich nicht so eine Übermuddi werde.
Liebe Dank also nochmal!