Verhalten nach OP

Schnuffel87, Stuttgart, Friday, 16.09.2016, 15:21 (vor 3620 Tagen)

Hallo zusammen,

wollte mal von allen die schon einmal operiert worden sind gerne wissen, wie ihr euch danach verhalten musstet. Also auf was man so aufpassen muss, was man sein lassen sollte und wie lange auch kein arbeiten, wie lange Krankmeldung?
Ich arbeite auf dem elterlichen Betrieb mit, in einem Milchhäusle 7 Tage die Woche und mache da die Reinigung, Flaschen kleben, Shakes....und meine Eltern möchten gerne damit wenn ich von der Reha heimkomme gleich wieder mit einsteigen soll evtl. am Anfang nur jeden 2ten Tag.

Würde gerne eure Meinung hören wie so etwas abläuft, was man soll und was nicht. Vielen herzlichen Dank.

Schnuffel87

Verhalten nach OP

pegasus, Friday, 16.09.2016, 16:13 (vor 3620 Tagen) @ Schnuffel87

Warum fragst du nicht deinen Reha-Ansprechpartner?

Außerdem wirst du sicher einen vorläufigen Bericht mit bekommen und dort wird stehen, in wieweit du schon Belastbar bist und/oder nicht, denn es verhält sich nach einer OP wie bei der Epilepsie selbst:

Jeder ist unterschiedlich und deswegen gibt es da nichts pauschales zu sagen ...

Verhalten nach OP

Schnuffel87, Stuttgart, Friday, 16.09.2016, 17:17 (vor 3620 Tagen) @ pegasus

Hallo Pegasus,

da ich noch keinen Rehaberater habe. Bei mir steht das alles noch an. Warte auf den OP-Termin. Will mich nur erkundigen wie es evtl. ablaufen/sein könnte.

Verhalten nach OP

Anton, Saturday, 17.09.2016, 22:20 (vor 3619 Tagen) @ Schnuffel87
bearbeitet von Anton, Saturday, 17.09.2016, 22:23

Hallo,

ich bin vor 10 Jahren am rechten Temporallappen bei Hippocampus-Sklerose operiert worden und kann mich noch daran erinnern, dass es gut 2 Jahre gedauert hat, bis ich wieder voll einsatzfähig war.

Die OP ist in Bethel erfolgt, danach war ich 5 Wochen in der benachbarten Reha-Klinik. Ärzte und Pflegemitarbeiter haben uns deutlich zu verstehen gegeben, was sein darf und worauf wir besser verzichten sollten. Zum Beispiel körperliche Leistungen: Es sollte auf keinen Fall mehr als ein Gewicht von 4 kg getragen werden. Wie Du das mit der Arbeit in einer Milchverkaufsstelle einhalten willst, weiß ich nicht. Uns ist empfohlen worden, auf die Signale des Körpers zu hören und dementsprechend zu reagieren.

Unten der Bericht, den ich vor einigen Jahren an anderer Stelle verfasst habe.

Liebe Grüße

Anton

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Tipps für das Verhalten nach dem Eingriff

ich glaube, diese Frage relativ ausführlich beantworten zu können. Ich gehe davon aus, dass dir eine Operation bevor steht. Viele haben den Irrglauben, dass danach sofort wieder alles geht.

Mir ist über einen Zeitraum von 6 Wochen vor und nach der Operation immer wieder eingeflößt worden, wie ich mich danach zu verhalten habe, damit es nicht wieder zu Anfällen kommt. Es sind mir Patienten vorgestellt worden, die postoperativ wegen neuer Anfälle wieder in der Klinik waren, weil sie bestimmte Regeln nicht eingehalten hatten.

Mir ist immer wieder gesagt worden, dass gerade Patienten im Alter zwischen 18 und 30 nicht mit der neuen Freiheit umgehen können. Sie wollen das in drei Jahren nachholen, was sie in den letzten 10 Jahren versäumt haben. Der größte Wunsch ist der Führerschein. Obwohl dann die Mittel nicht vorhanden sind, wird ein Auto gekauft. Der Druck, dem man sich damit aussetzt, führt zu Anfällen.

Weibliche Patienten wollen gerne eine Familie gründen und sofort Kinder haben. Es gibt noch jede Menge anderer Beispiele, sie hier alle aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Pauschal kann gesagt werden, wer sich nach der OP zu sehr unter Druck setzt, tut sich keinen Gefallen und läuft Gefahr, wieder Anfälle zu bekommen.

Wer meint, ganz schnell von dem Medikamten loszukommen, gehört meistens nicht zu den Patienten, die anfallsfrei bleiben. Während in der Literatur viel von ein oder zwei Jahren zu lesen ist, die die Medikamente noch weiter genommen werden müssen, ist es individuell ganz unterschiedlich. Ich bin vor gut 7 Jahren operiert worden, anfalls- und aurenfrei, nehme weiterhin die Medikamente, obwohl das EEG völlig unauffällig ist. In meinem Fall ist es eine Sondersituation, ich habe seit September 2008 ein gebrochenes Genick nach Densfraktur, mein Kopf wird von 4 Titanschrauben gehalten, die Verknöcherung ist noch nicht abgeschlossen. Da ist mir das Risiko, einen Anfall zu bekommen, zu groß. Aus dem Grunde nehme ich die Medikamente weiterhin.

Arbeitsrechtlich abgesegnet und aus der Sicht der Krankenkassen geht man bei Operationen am Kopf mit der beruflichen Eingliederung wie folgt vor. Gleiches liegt als Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) sowie von namhaften Epileptologen vor, die diese Regelung befürworten.

Nach der Operation sollte der Patient einige Monate krankgeschrieben sein. Der nächste Schritt ist eine Halbtagsstelle. Danach kann er, wenn sonst nichts dazwischen kommt, wieder voll arbeiten. Für diese Schritte gibt es öffentliche Programme, die den Arbeitgeber unterstützen, damit er mitspielt.

Obwohl ich ein paar Tage nach der Operation schon wieder weite Strecken am Tag laufen konnte, hat es mindestens zwei Jahre gedauert, bis ich wieder die Kraft von vorher wieder hatte. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen und mich nicht in Bedrängnis bringen lassen. Diesen Zeitrahmen kann ich nach dem eigenen Empfinden nur bestätigen.

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Verhalten nach OP

Schnuffel87, Stuttgart, Sunday, 18.09.2016, 14:29 (vor 3618 Tagen) @ Anton
bearbeitet von Schnuffel87, Sunday, 18.09.2016, 14:43

Hallo Anton,
vielen herzlichen Dank Dir für Deinen super ausführlichen Beitrag! Ja, ich vermute auch wenn mein Aufklärungsgespräch für die OP ist, werden mir die Ärzte vielleicht schon einige Dinge sagen auf was ich mich einstellen muss was auf mich zukommen wird. Die Ärzte sagten mir bereits damit sie mir postoperativ eine Chance für Anfallsfreiheit für ca. 50% geben, also leider nicht wirklich viel. Bei der neuropsychologischen Testung wurde eine Verschlechterung festgestellt (Lernbehinderung). Haben die Ärzte Dir beim OP-Aufklärungsgespräch diese Dinge erzählt auf was Du achten sollst? Meine Eltern sind bei dem Gespräch dabei und ich denke wenn es heißt ich soll da mal cool tun und am Anfang wie Du bereits geschrieben hast eine Krankmeldung bekommen, werden die mir bestimmt nicht den Kopf runter reißen ;-) v.a. helfe ich da freiwillig! Es hieß in der Klinik bei meinem letzten Aufenthalt ich soll/muss mich beruflich neu- umorientieren und kognitive Fähigkeiten verbessern. Ich hoffe die Mitarbeiter in der Reha helfen mir dabei und danach dann das richtige zu finden was nach der OP geht und was nicht (was das beste für mich ist). Nochmal vielen Dank Anton und alles Gute Dir!
LG Schnuffel87

Verhalten nach OP

Green, Sunday, 18.09.2016, 19:26 (vor 3618 Tagen) @ Schnuffel87

Hallo

willst du oder Deine Eltern die Op.
Für 50 Prozent anfallsfreiheit finde ich es mutig so ein hohes Risiko ein zugehen.
Wäre es nicht sinnvoll sich erst umzuorintieren beruflich?

Gruss Green

Verhalten nach OP

Schnuffel87, Stuttgart, Sunday, 18.09.2016, 22:19 (vor 3618 Tagen) @ Green
bearbeitet von Schnuffel87, Sunday, 18.09.2016, 22:31

Hallo Green,
vielen Dank für deine Antwort, wurdest du operiert? Wenn ja welche Seite, mit welcher Erfolgschance...?
Meine Eltern nehme ich mit da 6 Ohren mehr hören wie 2 und bei Unklarheiten oder Problemen sollten diese auch in alles eingeweiht sein. Klar sind 50% mutig ich weiß ,aber wenn ich an der aktuellen Situation was verbessern möchte (ein Leben ohne Anfälle, wieder Autofahren dürfen...) muss ich es machen lassen und mir ist klar damit es keine OP am Arm oder Bein ist, aber in den speziellen Krankenhäusern für Epilepsie werden solche Eingriffe nicht nur alle par Monate gemacht sondern fast täglich hieß es zu mir. Das mit der beruflichen Umorientierung meinten die Ärzte kann ich wegen meiner Anfälle nicht mehr machen. Vor der OP was neues anfangen von Beruf...wäre nicht Sinnvoll, denn niemand weiß wie die OP verläuft, was danach geht was nicht (Belastbarkeit) muss alles in der Reha geprüft werden. Sonst fang ich wo an zu arbeiten und wenn es dumm läuft muss ich da bald schon wieder aufhören. Alles Gute Dir und

Liebe Grüße

Verhalten nach OP

Anton, Monday, 19.09.2016, 14:36 (vor 3617 Tagen) @ Schnuffel87

Hallo Schnuffel,

es ist dringend zu empfehlen, direkt nach Entlassung aus der Operationsklinik (Epilepsie-Zentrum) in eine geeignete Reha*** zu gehen. Wenn möglich, in eine benachbarte, so wie ich es in Bethel vorgefunden habe. Dann hättest Du für den Notfall innerhalb der ersten Wochen einen kompetenten Ansprechpartner, das könnten sein, Chirurgen, die dich am Kopf operiert haben.

In irgendeine Reha*** wäre ich nie gegangen, dort versteht man, wenn es drauf ankommt, nur Bahnhof. Selbst Reha***, die vorgeben, sich auf dem Gebiet der Neurologie gut auszukennen, würde ich, was das Fachliche bei Epilepsie angeht, nicht vertrauen.

Direkt von der OP-Klinik wieder nach Hause zu gehen, ist aus meiner Sicht eine Garantie, bald wieder Anfälle zu bekommen.

Was die Zukunft angeht: Sowohl in den Epilepsie-Zentren als auch in allen Reha*** sitzt ein „Sozialdienst“. Dort sind erfahrene Mitarbeiter, die sich bestens in Deine Problematik hineinversetzen können und mit dir besprechen, wie es am besten weitergeht. Schön wäre es, wenn Du für diese Gespräche viel an Unterlagen dabei hättest. Mit dem Sozialdienst solltest Du aber alleine reden.

Viele Grüße
Anton

*** Bei dem Wort "Reha" im Plural habe ich die letzten Silben ausgelassen, weil sonst das Programm hier streikt und den Beitrag nicht annimmt. Verstanden wird fälschlicherweise ein großer Sportwarenhersteller, das Programm erkennt es als Werbung.

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Verhalten nach OP

Schnuffel87, Stuttgart, Monday, 19.09.2016, 15:34 (vor 3617 Tagen) @ Anton

Hallo Anton,
vielen Dank für Deine Antwort! Ich werde in der Schön Klinik Vogtareuth operiert und komm in die Reha nach Bad Aibling. Diese Rehaklinik ist anscheinend eine Schwesternklinik von Vogtareuth.

Wie lange warst du in Reha und was muss man da so alles machen?

Super, danke für den Tipp. Dann nehme ich meine ganze Unterlagen, Arztbriefe, Attests... mit und bespreche alles mit diesem Dienst was das beste wäre und was dieser mir empfiehlt.

Liebe Grüße

Verhalten nach OP

Anton, Monday, 19.09.2016, 23:42 (vor 3617 Tagen) @ Schnuffel87

Hallo Schnuffel,

zu deiner Frage, was alles sich was sich alles in der Reha-Klinik in Bethel abgespielt hat, hier einige Beispiele. Die Struktur des Hauses gleicht einer Psychosomatischen Klinik.

Zum Behandlungsteam gehören Mitarbeiter aus den Gebieten der Medizin (Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie), Neuropsychologie, Physiotherapie, Pflege, Sozialarbeit, Sporttherapie und Logopädie. Andere ärztliche Fachdisziplinen stehen im Konsiliarverfahren zur Verfügung (z. B. Innere Medizin, Orthopädie, HNO Ophthalmologie und Dermatologie).

Zu den Therapieangeboten gehören die Epilepsie-Behandlung, Hilfen zur Verbesserung der Krankheitsbewältigung und des Krankheits-Selbstmanagements, sportliche Aktivierung und Beratung sowie Diagnostik und Therapie von kognitiven und sprachlichen Störungen.

Hinzu kommen die Überprüfung und Verbesserung der Belastbarkeit in Beruf und Alltag, die sozial- und arbeitsmedizinische Beurteilung der Anfallskrankheit, Bewerbungstraining, die soziale und berufliche Beratung sowie die Angehörigenberatung.

Es werden Mal- und Musik-Therapien angeboten. Es stehen weiter auf dem Programm Physiotherapien, Psychologische Psychotherapien als Einzel- oder Gruppentherapien. Bei der Aufstellung des Therapieplans werden die individuellen Wünsche des Patienten berücksichtigt.

Ich wünsche
viel Erfolg!
Anton

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Schnuffel87, Stuttgart, Tuesday, 20.09.2016, 00:17 (vor 3617 Tagen) @ Anton

Hallo Anton,
lieben Dank für Deine Antwort.
Wow da geht es dann ja richtig rund und langweilig wird es einem dann ja wohl nicht :-)

Dann vermute ich auch damit man da nicht nur 4 Wochen ist, wenn da alles geprüft werden soll und trainiert.
Es hieß ja bei mir es soll beruflich ganz neu was gemacht werden und die Kognition soll/muss Verbessert werden. Also kommt da schon was auch auf mich zu dass man nicht so in 3-4 Wochen schnell alles mit OP-Erholung und diese Testungen bzw. Förderungen hinbekommen kann.

Lieben Dank Dir!

LG Schnuffel

Verhalten nach OP

Green, Monday, 19.09.2016, 17:36 (vor 3617 Tagen) @ Schnuffel87

Hallo schnuffel
nein bin nicht operiert.
Wieviel Anfälle hast du damit leben könntest Du nicht?
Wie alt ist Du den und wieviel Anfälle hast Du so?

Gruss Green

Verhalten nach OP

Schnuffel87, Stuttgart, Wednesday, 21.09.2016, 22:58 (vor 3615 Tagen) @ Green

Hallo Green,

ich habe Absencen, also sprich ich bemerke diese Anfälle gar nicht wann, wo und wie oft ich diese habe. Im Monitoring damals hatte ich in 5 Tagen 8 Anfälle.

Das große Problem ist einfach damit mich wegen der Epilepsie schon 2x ein Arbeitgeber gekündigt hat, mich stellt wegen der Anfälle kein Schw...ein da alle Angst haben ich könnte ja immer nen Anfall bei der Arbeit bekommen.....und bin halt nur noch abhänig von der Familie und Freunden. Wenn ich wohin möchte, ich muss immer jemanden fragen ob er/sie mich fahren bzw. holen kann oder die Deutsche Bahn bzw. Bus. Als ich noch autofahren durfte, war ich am WE auch noch unterwegs, jetzt bin ich nicht mehr mobil und wenn Freunde nicht weg gehen oder mich nicht holen können sitzt ich vermehrt nur noch am WE alleine daheim vor dem TV.

Ich bin 29 Jahre alt und ich hoffe doch ich habe noch einige Jahre vor mir und denke mir eben, so weiter machen ist kacke. Wenn es sich ändern lässt durch die Möglichkeit einer OP wäre das der OERHAMMER!!!

Verhalten nach OP

Green, Friday, 23.09.2016, 15:08 (vor 3613 Tagen) @ Schnuffel87

Hallo Schnuffel
fehlt da nicht was an Zeit ...wenn du anfälle hast?
Ansonsten versteh ich die Motivation zur Op ...wünsch Dir as es gut geht.
Nur mal eben ist das nicht wenn man an einem Schaltsystem rum macht.

Gruss Green

Verhalten nach OP

Green, Friday, 23.09.2016, 15:11 (vor 3613 Tagen) @ Schnuffel87

Das mit dem Mobil sein ist schon schwierig...oft geht ein weg mit öffis und dann mit Taxi heim...Ein Auto kostet im Monat auch ...da kommen mindestens 15o euro für Taxi bei raus...so seh ich das manchmal.

Gruss Green