GM-Anfall zur Bundesstraße

mezeg, München, Sunday, 02.10.2016, 10:56 (vor 3605 Tagen)

Hallo,

hatte mich von einer Freundin kurzfristig überreden lassen, ihr bei einer Radtour zu begleiten. Von Anfang an mit Stressfaktoren.

Ich hatte keine Zeit mehr, um mir Kartenmaterial zu besorgen, wie ich es gewohnt bin. Sie hatte den Führer. Wollte bis Bratislava fahren, ich nur fünf Tage unterwegs, wegen des schwierigen Fahrradtransports und der schlechten Wettervorhersage lieber flußaufwärts fahren. Weil ihr Mann sie nicht gerne alleine fahren ließ - und die Hotelzimmer geteilt durch zwei natürlich günstiger sind, stimmte sie dann ungern zu.

Dann die Schwierigkeit meine Katze versorgen zu lassen - wie es im Mai zu einem GM-Anfall endete. Mit den Nachbarn ausgemacht, die Tochter ruft oft an und hätte sich Sorgen gemacht also habe ich sie doch informiert. Sie war stocksauer und knallte den Hörer runter.

Fühlte mich aufgewühlt und nicht wohl und wollte absagen. Die Freundin setzte mich unter Druck, sie hatte eben das erste - nicht billige - Zimmer bereits gebucht. Also fuhr ich doch.

Beim ersten Frühstück kam die nächste Kaltdusche. Im Laufe eines harmloses Gesprächs sagte sie, man sollte meinen Zeugnissen eine weitere Beurteilung hinzufügen. Definitiv negativ. Ich fragte sie danach, manchmal ruht es auf ein Mißverständnis und / oder man kann es mindern. Sie wollte es mir aber nur am Ende der Tour sagen. Habe daher auf "Passiv-Modus" geschaltet, keinen eigenen Vorschlag gemacht, nur zugestimmt. Nicht daß ihre Vorstellungen mich grundsätzlich gestört hätte, nur die Befürchtung etwas falsches zu sagen. Ich hätte gleich auf Klärung bestehen sollen oder in eigener Regie zu fahren. Sie fuhr am Nachmittag plötzlich schnell, ich konnte nur weit hintern folgen. Mit mind. 20 km/h doch nicht so mickrig oder?

Am Abend das Fernsehrprogramm in so einer Art in jeder Richtung komplett zu zersetzen. Ich war sprachlos. Kannte sie nur von "leichten" Begegnungen, hätte sie aber nie so extrem beurteilt. Eine andere Freundin, die sie auch mal getroffen hatte, konnte es auch nicht fassen. Auch da hätte ich betonen müssen, daß wir auf Radtour nicht auf Wahlkampagne sind und ich als nicht Wahlberechtigte sowieso wegen Schuld an der Situation noch in der Lage etwas daran zu ändern.

Am nächsten Tag wollte sie etwas auf einem "deutlichen" Hügel besichtigen. Ich blieb unten, es war mir zu heiß, zu steil und ich wollte etwas allein bleiben. Habe dann gespürt, daß der Kreislauf gefährlich absackt, fürchtete einen Anfall und blieb auf einem ruhigen schattigen Platz mit Trinkbrunnen. Es ging besser.

Abends wieder der "politische" Stress. War appetitlos, nach dem Frühstück nur ein halbes Nußhörnchen, nachmittags einen Apfel abends lustlos in ein Käsebrot gebissen. Das bei 71 Radkilometer.

Am nächsten Morgen wollte sie, daß ich vorne fahre. Wiederum Stress, weil sie schneller fährt, fühlte ich mich gedrängt schneller zu fahren als meine normale Ausfluggeschwindigkeit.

Dann ging es schief. Lt ihre Aussage nehme ich eine kurvige Unterführung zu weit in der Mitte, dränge ein Radlerehepaar an einer Ampel und fing an in Schlangen zu fahren. Dafür habe ich einzelne Clips in Erinnerung aber wie von draußen fotografiert. Sie rief, ich sollte stoppen, versuchte noch an meine Höhe zu kommen, um sich zwischen mich und der parallel laufenden Bundesstraße zu kommen. Dann bog ich stark nach links zur Straße. Ich vermute nun, daß ich mich gedrängt fühlte, rechts gab es einen Felsenwand also nur die Bundesstraße als Ausweich und kippte um. Bestimmt ohne Geschwindkeit: Helm intakt, Jacke und Satteltasche nur etwas schmutzig, nur dezente Hämatome am linken Bein. Da ein Flash: mein rechten Arm ausgestreckt auf dem Boden, Hand mit Fühlen von kleinen Kies, wohl nur am Rand der Straße. Aber der Arm wie von mir abgeschnitten.

In der nahen Parkbucht machte ein CS-LKW Fahrer Pause, sah mich im Rückspiegel und eilte, um mich mit Hilfe der Freundin weg zu bringen.

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mezeg, München, Sunday, 02.10.2016, 10:56 (vor 3605 Tagen) @ mezeg

Als ich auftauchte, lag ich auf dem Radweg, vier Männer in weißen T-Shirt und roter Hose um mich, der eine zu mir gebeugt, eine Hand Richtung meiner linken Wange. *

Ich habe sehr wohl registriert, daß sie mich mit Namen ansprachen und mit den üblichen Sätzen zur Antwort stimulieren versuchten, dann mir sagten, sie nehmen mich ins Krankenhaus.

Die Freunding stand etwas hinten links von mir, beugte sich dann zu mir und sagte sie kümmert sich um das Rad. Ob ich es "wörtlich" oder "wortlos-gefühlt" verstanden habe, ist mir nicht klar.

Im Sanka mit den vier Männern fühlte ich mich ausgesprochen wohl und entspannt. Der eine versuchte mich zum Sprechen zu bringen, ich versuchte etwas, der wohl unverstanden wurde. Dann mit etwas Mühe brachte ich "Ich bin Französing" raus. Nicht aus Nationalstolz, aber damit sie meine Sprachschwierigkeiten nicht zu hoch bewerten. War also bereits in der Lage logisch zu denken: Problem erkennen, Lösung ausdenken und ausführen. Das Gleiche im KKH, als der eine meinen Blutdruckh messen wollte: "Ich habe 110 / 70". Nicht um ihn daran zu hindern, aber weil für mein Alter etwas niedrig, zum Vergleich.

Später im Gang der Ambulanz mit anderen Patienten fühlte ich mich erstaunlich wohl, entspannt... befreit. Alle ruhig und freundlich, kein emotionaler Stress mehr. Unter der Obhut von Sanitätern "wachte" ich ungewöhnlich schnell auf, keine bleiernde lange Müdigkeit danach wie sonst.

Auch als die Freundin nachkam und mein Rad zurückbrachte, nicht mehr dieses Abhängigkeitsverhältnis. Ich hätte an diesem Abend alleine im Hotel geschlafen und wäre am nächsten Tag ohne Hektik zurückgefahren, sie wollte auch zurück, war über mein entspanntes Verhalten verblüfft.

Ich lasse mich nun nicht mehr ohne emotionalen Druck stressen, und entscheide allein, je nachdem wie ich mich fühle. Das muß ich aber auch übermorgen dem Neurologen beibringen...

mezeg

* Um meine Reaktionen zu testen hatte mich der Sanitäter die Wange gestreichelt - Bericht vermerkt. Hier im Dezember blutig gepiekst. Moral der Geschichte: Wollt Ihr unbedingt einen Anfall öffentlich machen, dann lieber in Österreich!

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Green, Sunday, 02.10.2016, 20:39 (vor 3604 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg

wenn ich das so lese einerseits schade für Dich ....und doch klingt es wie die Geschichten die das Leben ...eben so schreibt.
Ich wünsche Dir das Du daraus die Kraft und Motivation ziehst eben auf Dich zuachten den Du hast die Dinge ja schon gespürt und gewusst....nun weist Du was der Preis dafür ist nicht darauf zuachten.
Einerseits bitter.....und doch auch klasse ,weil du nun weist das Du auf Dich vertrauen kannst.:-)

Ich habe auch immer einen Medikamentenplan im Geldbeutel und die Adresse des behandelnden Arzt und Angehörige.

Alles Gute:-)

Gruss Green

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mezeg, München, Monday, 03.10.2016, 10:24 (vor 3604 Tagen) @ Green

Hallo Green,

danke für Deine liebe Worte! Ja, ich hatte nun Zeit Bilanz zu ziehen und mich zu mehr "gesundem Egoismus" zu entscheiden, so etwas wie eine "Va fancullo"-Politik. Schließlich spüre ich schon, was mir nicht gut bekommt. Es geht doch sowieso um fremd-verursachten emotionalen Stress. Bei Situations-Stress, wo ich aktiv reagieren kann, ist es nicht so.

Auf dem also sehr positiv begrüßten Zettel habe ich noch meine relativ seltene Blutgruppe hinzugefügt. Der Blutspenderausweis ist aufgrund der Größe in einer anderen Hüllen, die ich nicht immer mitnehme.

Habe mir ein "Punkte-System" ausgedacht: Wenn ich mich einem vermeidbaren emotionalen Stress ohne Schaden für Dritten verweigere, ein Punkt. Habe schon welche, muß mir nur noch einen Belohnungs-Tarif ausdenken: Was gönne ich mir ab wieviel Punkte? Meinetwegen kindisch aber wiederum amüsant! Wenn ich morgen den Neurologen überzeuge, daß ich - bis auf weiteres - die Dosis nicht erhöhen will, sind es mindestens zwei Punkte...

Und nun jetzt: Der Kater hat sich auf meinen linken Arm gestreckt und ich sollte einen Brief tippen. Wenn ich ihn zu einem anderen Schlafplatz "überzeuge", wieviel Punkte kann ich verbuchen?? ;-) ;-) ;-)

VG und einen schönen Tag

mezeg

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Green, Monday, 03.10.2016, 12:59 (vor 3604 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg

nicht auf ein Bewertungssystem umstellen ...das produziert ja nicht nur Freude.
Ich bleib bei habs geschafft oder nicht....und wenn nicht dann auf ein neues.

Gruss Green

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mezeg, München, Tuesday, 04.10.2016, 15:30 (vor 3602 Tagen) @ Green

Hallo Green,

das Bewertungssystem ist nur als Spiel zu verstehen: wie die bunten Bildern in der Schule. Es geht mir nicht darum verkrampft nach Punkten zu jagen.

Ich wollte doch daran arbeiten, mir einen Panzer gegen emotionalen Stress zu stricken und bis auf weiteres auf der jetzigen Dosierung zu bleiben.

War aber heute morgen beim Neurologen und muß zugeben, daß der Punkt an ihm geht! Er hat sich die Zeit genommen, es mir zu erklären. Die Anfälle werden eingraviert, was zu einer gefährlichen Spirale der Wiederholungen führen kann. Mit einer längeren AE-Dosierung kann man in gewißen Fällen die "Gravierung" wegradieren aber nicht in meinem Fall: die Narbe läßt sich eben nicht schleifen. Ich hatte es eigentlich schon hier gelesen...

Und weil die jetzige Dosierung nur Reaktion auf einen Anfall ist und hinterher hinkt, muß die Dosierung ein gutes Stück erhöht werden, um die "Welle" zu überspringen. Alternativ: jetzige - oder niedrigere - Dosis mit einem anderen Präparat kombiniert. Habe bis auf weiteres die erste Methode zugestimmt.

Und dazu "Schotten dicht", wenn mich etwas emotional zu sehr platt macht.

Jetzt muß ich es verdauen.

mezeg

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Green, Tuesday, 04.10.2016, 17:33 (vor 3602 Tagen) @ mezeg

Hallo
die Erklärung finde ich echt gut die dein Arzt gegeben hat.
Uns hat man das mit Furchen/ einschnitten erklärt die sich dann immer schneller wiederholen.
Es gäb ja immer noch die Option ...abwarten ob den soviel Wellen überhaupt kommen und ob man nicht ohne mehr Medis auskommt.

Alles gute mit den neuen Medis.

Lg Green

Danke an Huge88

mezeg, München, Sunday, 02.10.2016, 11:01 (vor 3605 Tagen) @ mezeg

Hallo,

Du hattest irgendwann erklärt, einen Zettel mit Informationen über Deine Krankengeschichte mitzuführen. Un dies an Deiner Gesundheitskarte festzumachen, weil die Sanitäter zuerst danach suchen. Ich hatte damals einen Fetzen mit AE-Dosierung dabei aber schwieriger zu finden.

Hatte es entsprechend geändert. Ob der Zettel bei der GM in Dezember beachtet wurde, weiß ich nicht, bekam ihn aber nicht zurück.

Zettel (Krankengeschichte und AE-Dosierung) wieder gemacht und an der Karte gebunden, Wort "Epilepsie" deutlich. Die Freundin überreichte den Sanitätern die Gesundheitskarte mit Zettel. Kommentar: "Hervorragend"

Danke für Deinen Tip!

mezeg