Das Leben nach der OP

Tinsche, Tuesday, 20.12.2016, 21:18 (vor 3525 Tagen)

Hello all together, :)

ich bin 33 Jahre alt und habe mich vor 3 Jahren operieren lasen (Hyppocampussklerose rechts) und bin seitdem bis auf einen Zwischenfall, der stressbedingt war, anfallsfrei.
Was mich interessieren würde:
Wie hat sich Dein Leben nach der OP verändert?
Welche "Nebenwirkungen" der OP hast Du noch?
Wie gehst Du mit Gedächtnislücken um?

Ich selbst hatte seit meiner frühen Kindheit Epilepsie und mich erst sehr spät operieren lassen. Gott sei Dank bin ich seit mehr als 1em Jahr anfallsfrei und nehme keine Medis mehr, was ich als totale Erleichterung empfinde. Ich habe oftmals richtige Gedächtnislücken. Das finde ich richtig ätzend und ärgere mich über mich selbst, zumal das im Job nicht förderlich ist und auch Unverständnis stößt (mein neuer Arbeitgeber weiß nichts von meiner Vorgeschichte). Wie geht ihr damit um? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder ganz andere? Ich freue mich auf euer Feedback!

Viele Grüße,
Tinsche

Das Leben nach der OP

Krypto, Wednesday, 21.12.2016, 12:25 (vor 3524 Tagen) @ Tinsche

Hallo Tinsche,
Ich selbst hatte noch keine OP dies ist leider nicht möglich in meinem Fall. Aber zum Thema Arbeitgeber hab ich Erfahrung.Bei einem Bewerbungsgeschpräch sollte deine Erkrankungen nicht im Vordergrund stehen dennoch würde ich es ehrlich ansprechen da es sich meist besser macht Versicherungs technischer Art. Hierbei würde ich dir anraten Dinge wie gedächtnis lücken auszulassen da dies sicherlich unpassend ankommen würde ausser es gefährdet dich oder deine Umwelt besprich diesen Aspekt nochmals mit deinem Arzt. Ich rate dir keine Maschinen oder Kraftfahrzeuge zu benützen mit deinen Umständen.
Ich habe die Erfahrung gemacht das es Arbeitgeber gibt die eine deshalb nicht einstellen es gibt aber auch Betriebe die bei guter Einstellungen der Medikamente nichts dagegen haben. Ehrlichkeit währt am längsten. Ich wünsche dir das du eine Lösung für dich findest und baldige Genesung.

Das Leben nach der OP

mezeg, München, Wednesday, 21.12.2016, 14:12 (vor 3524 Tagen) @ Tinsche

Ich versuche es in der richtigen Folge zu beantworten.

- Leben nach der OP (2011): AE muß ich nehmen, vorher wäre es auch notwendig gewesen, wenn die Diagnose (Meningeom) früher gekommen wäre

- Narbe nicht sichtbar aber fühlbar, wenn man es tastet. Dies eher amüsant, die drei Titanklammer "melden" sich bei Sicherheitskontrollen. Das erste Mal war ich zuerst ratlos. Führe seitdem nicht nur den Ausweis, in deutscher Sprache, also nicht überall lesbar. Nun dazu ein Bild von MRT mit drei leuchtenden Punkten... dürfte Erfolg haben.

- Soziale Kontakte ausgedünnt, die einen nehmen diskret Abstand, bei anderen bin ich diejenige, die den Kontakt ausweicht

- Autofahren? Habe den Führerschein nie gemacht. Wohne aber in einer Großstadt, auf dem Land würde es zum Problem werden.

- Radfahren? weiterhin mit Freude und Begeisterung. Allerdings entschieden weniger, lange Strecken machen mir nun Angst unterwegs stehen zu bleiben. Solche 140 km Tagesstrecken auf einem Tourenrad, Zeit für Genuß eingeplant, ade! Sniff! Bin auch älter.

- Sprache: Es klemmt oft, kann die Wörter nicht finden oder bleibe in einer anderen Sprache und merke es nicht immer. Verstehe nicht unbedingt, was man mir sagt, zumindest in Worten. Nach einem Anfall Schwierigkeit um zu verstehen, noch mehr um mich auszudrücken. Nach einem Anfall wurde im Krankenhaus nach einem Pfleger meiner Sprache gesucht. Eine Medizinstudentin machte die erste Befragung, er übersetzte, ich antwortete nur in meiner Spache. Dann langsam habe ich angefangen sie zu verstehen, antwortete noch über den Krankenpfleger in meiner (unserer) Sprache, bis ich in beider Richtungen Deutsch konnte. Die Neurologin später fragte sichtlich genervt am Anfang, "ob ich jetzt Deutsch sprechen könnte?" Das Problem wurde wohl weiter geleitet.

Es wurde in der Nähe des Sprachzentrums operiert und noch im Aufwachraum mit Freude festgestellt, daß ich mit meinen vier Sprachen sprechen konnte (hatte selber sofort probiert, es wurde wohl dem Neurologen berichtet)
Aber definitiv hier und da Verklemmen, Verwirrung zwischen den Sprachen oder totale - kurze - Sprachunfähigkeit. Fällt durch die Mehrsprachigkeit nicht immer auf. Juhu!!!

- Gedächtnislücken: Es wurde auch bei einem sehr präzisen EEG festgestellt, daß das Gehirn in der operierten Stelle etwas langsamer arbeitet. Immerhin richtig, aber etwas verspätet. Ich fühle, wie die Information sich langsam nach vorne durcharbeitet und sie kommt doch. Manchmal habe ich das Gefühl, daß sich andere Wege im Hirn gebildet haben und anders ans Ziel kommen. Oft geht es um eigentlich unwichtige Informationen / Wörter und die sind doch - mit Verzögerung - abrufbar. Vor kurzem wollte ich meiner franz. Nichte über Katzenaugen für das Fahrrad schreiben, fand das franz. Wort partout nicht und schrieb "Katzenaugen", sie wohnt auch hier. Wörterbuch vorhanden, ich wollte es aber selber finden. Im Kopf geisterte mir etwas wie "cata..." und dann kam "catadioptre". Alltägliches Wort, nicht wahr?? Die Nichte kannte es nicht...

Na ja, die Jüngste bin ich auch nicht. Die Verzögerung zur Information ist aber deutlich. Ich nehme es nicht mehr tragisch, warte daß es "flasht".

mezeg