Aggressivität nach Anfällen

Dragoness, Friday, 06.01.2017, 02:22 (vor 3509 Tagen)

Hallo,
Ich bin seit vier Monaten mit meinem Freund (21) zusammen. Er hat Epilepsie und war da auch von Anfang an offen zu mir. Ich kenne mich leider noch nicht sehr gut aus also bitte verzeiht mir Fehler. Als Kind hatte er "nur" Absencen, die aber kaum einer erkannt hat. Er hatte Medikamente bekommen, die er aber später abgesetzt hat und mit 17 hatte er dann seinen ersten großen Anfall. Seitdem hat er ca alle 6 Monate einen Anfall. Vorgestern habe ich zum ersten Mal einen live miterlebt. Wir haben gerade gekuschelt als er über mir zusammen gebrochen ist. Er hat dann gekrampft und ich bin aus dem Zimmer um Hilfe zu holen. Seine Schwester hate mir gesagt ich soll mich einsperren weil er danach sehr aggressiv werden kann. Das ist dann leider auch passiert, er hat sogar die verschlossene Tür seiner Schwester eingetreten, ihr Haare ausgerissen usw. Später kam der Krankenwagen wo er Benzodiazepine gespritzt bekommen hat, er ist dann erst vorm Krankenhaus wieder etwas zu sich gekommen, war aber immer noch verwirrt.
In dem Zustand weis er nicht was er tut, es tut ihm auch hinterher total Leid und er ist sonst ein sehr sanftmütiger Mensch aber es war ein echter Schock ihn so zu erleben und jetzt hab ich ständig Angst, vor allem wenn ich mit ihm alleine bin.
Seine Mutter hat gesagt, ganz so schlimm war es noch nie und er hat gemeint es wäre auch schon vorgekommen dass er überhaupt nicht aggressiv war und er glaubt, das liegt an den Menschen die um ihn rum sind. Als nichts passiert ist, waren nur Freunde dabei und vorgestern seine Familie, vor der er manchmal schon genervt ist.
Habt ihr schonmal ähnliche Erfahrungen gemacht? Und auch wenn nicht, wie geht ihr mit der Krankheit eurer Angehörigen um? Ich will mit ihm zusammen bleiben aber ich werde dieses ungute Gefühl nicht los und ich glaube es hilft keinem, wenn ich ständig frage ob alles in Ordnung ist wenn er mal kurz starr schaut oder nachts wach liege und ihm beim Atmen zuhöre.
Könnt ihr mir da einen Rat geben?

Aggressivität nach Anfällen

Green, Friday, 06.01.2017, 10:28 (vor 3508 Tagen) @ Dragoness
bearbeitet von Green, Friday, 06.01.2017, 11:35

Hallo Dragoness

spontan würde ich sagen das hat nix mit Anfällen zutun...die Agressivität danach...Du schreibst ja selbst ...das Umfeld wo von er genervt ist.
In so einer Situation würde ich ihn anbrüllen und laut Stop rufen.

Ansonsten ...als Angehörige würde ich Medikamenteinstellung einfordern....und ärztlichen Rat ...weil Sie sich vor Ihm schützen sollten....egal wie nett er sonst ist ...da gibt es nicht zuentschuldigen(Haare ausreissen der Schwester).

Dann gibt es Notfallmedikamente für Epianfälle...das erklärt alles ein Arzt am besten ein Neurologe mit Schwerpunkt Epilepstologie.

Sie könnten Hilfe finde in Epilepsieselbsthilfegruppen...im Epilepsienottelefon diese Adressen finden Sie vorne auf den Seiten.

www.moses-schulung.de oder www.famoses-schulung.de sind auch sehr hilfreich.

Gewalt warum /wovon ausgelöst geht garnicht....gibt es keine Entschuldigung für.
Zur Not Pfefferspray.

Schützen Sie sich bitte.....das Recht haben Sie.

Gruss Green

Aggressivität nach Anfällen

Dragoness, Friday, 06.01.2017, 13:06 (vor 3508 Tagen) @ Green

Danke für die Antwort :)
Er bekommt Medikamente, vielleicht jetzt auch stärkere, das muss noch mit dem Arzt geklärt werden.
Er ist ja in der Situation immer noch nicht bei sich, er weis dann auch hinterher nichts mehr davon...ich will ihm das eigentlich nicht übel nehmen, er kann ja nichts dafür. Er spricht dann auch noch etwas schwerfällig bzw schreit unkontrolliert, er hört sich schon so an als wäre das noch Teil des Anfalls oder zumindest eine Folge davon aber genau weis ich das natürlich nicht.
Stopp schreien könnte wirklich helfen, kommt aber darauf an wie aggressiv er dann ist. Er bekommt schon noch einfache Sätze mit.
Notfallmedikamente kann man ihm in der Situation leider kaum geben, er würde wahrscheinlich beißen wenn man ihm zu nahe kommt, er schlägt ja dann auch oft um sich. Die Anfälle kommen auch fast ohne Vorwarnung, er war zwar den Tag über schon etwas verwirrt aber ich wusste leider nicht, dass das ein Anzeichen sein kann.
Danke, daran habe ich auch schon gedacht. Es würde bestimmt helfen wenn ich mich besser auskenne würde.

Nochmal vielen Dank für die Antwort, sie haben mir sehr geholfen.

Aggressivität nach Anfällen

Green, Sunday, 08.01.2017, 16:48 (vor 3506 Tagen) @ Dragoness

Hey Dragoness

:-) habe mich über Ihre positive Rückmeldung gefreut Danke.:-)

Eine andere Idee....noch zu Ihrer beschriebenen Situation.

Wenn er nun keine Epilepsie hätte....würde das alles ja zum Thema
Unterzuckerung/Diabetes passen.
Wie war den sein Essverhalten an dem Tag . Wenn er das nächste mal Ihnen verwirrt vorkommt über Tag schon ...was süsses essen trinken ...Cola...Kaffee mit Zucker Ihm irgendwas unterjubeln...und beobachten was passiert.
Das beste wäre ja noch Zucker messen...nur dazu braucht man Produkte..wenn man unterwegs ist machen das auch manche Apotheken...einfach rein gehen nachfragen.

Gruss Green

Aggressivität nach Anfällen

pegasus, Sunday, 08.01.2017, 20:15 (vor 3506 Tagen) @ Dragoness

Die Aggressivität hat nichts mit den Anfällen zu tun, sondern mit etwas anderem.

Begründung:

Ich kenne das selbst und bei mir war dieses deswegen so, weil diese übertriebene Rücksichtnahme ein Grund dafür gewesen war. Dieses liegt darin begründet, weil ich diverse traumatische Erlebnisse hatte und hier taten auch alle immer übervorsorglich und hatten dann immer alles als "Spinnerei" abgetan, so dass mich diese Übervorsorge schlicht und ergreifend direkt nach einem Anfall immer getriggert hatte.

Dieses führte dann zu einer Panikattacke und meine Reaktion darauf war immer das rauslassen der Wut, egal ob nun nach einem epileptischen Anfall oder generell bei einem Trigger.

D.h. bei deinem Freund dürfte es ähnlich sein, wenn ich das richtig sehe. Er dürfte ebenfalls Bekanntschaft damit gemacht haben, wie die alle überfürsorglich ihn umsorgten ihn aber nicht wirklich ernst dabei genommen haben etc pp. und dieses führt direkt nach einem Anfall dann eben zu einer Panikattacke und daraus resultiert dann auch die Wut.

Dieses legte sich bei mir erst bei meiner ersten echten Partnerin, denn anders als die übrigen Menschen in meinem Umfeld, hörte sie mir zu, nahm mich ernst und wenn ich dann in Ihrem beisein einen Anfall hatte, bekam ich keine Panik, keine Wut und weiteres.

Dies bedeutet, irgendetwas stört die Psyche deines Freundes und dieses löst direkt nach einem Anfall dann die Panik aus und führt zur Wut und weil es als Schutzmechanismus wirkt, erinnert er sich daran auch nicht mehr, wenn alles vorbei ist.

Ob es sich bei deinem Freund um echte oder unechte Epilepsie (ich habe beides als gesicherte Diagnose) handelt ist hierbei erst einmal vollkommen uninteressant, es wäre aber nicht verkehrt, wenn sich dein Freund einmal mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt.

Aggressivität nach Anfällen

Dragoness, Monday, 09.01.2017, 22:19 (vor 3505 Tagen) @ Green

Hallo,

@Green
Er hat an dem Tag zwar nicht gefrühstückt aber danach waren wir noch chinesisch essen. Es könnte evtl sein, dass der Anfall durch das viele Glutamat begünstigt wurde. Wäre aber auf jeden Fall einen Versuch wert, ihm dann etwas Süßes zu geben, danke für die Idee.

@pegasus
Das könnte eine Erklärung sein. Er wird kaum aggressiv, wenn nur Menschen anwesend sind, die er mag und die ruhig mit ihm umgehen.
Ich werde mal mit ihm darüber reden, vielleicht lässt sich sowas in Zukunft vermeiden. Vielen Dank, dass du von deinen Erfahrungen erzählt hast, das hat sehr geholfen.