Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Vorigen Mai bin ich operiert worden. Eine Narbe am rechten Schläfenlappen, die war der Anfallsherd.
Seit knapp 50 Jahren, praktisch mein ganzes Leben hab ich Anfälle, von Absencen bis GM, bei Tag wie im Schlaf. Manchmal ein bis zwei im Monat, dann bis zu 20 in der Woche. Hab (zum Glück sehr seltene) GMSerien gehabt, die erst durch die Narkose aufgehört haben. Die verschiedenen Medikamente, kann ich gar nicht mehr aufzählen. Im Mai war es eine Kombi aus Lamictal , Vimpat, Frisium und gegen Depressionen Pregabalin.
Das Gute, die OP war erfolgreich, ich hab seither keinen Anfall mehr gehabt.
Das schlechte, ich hab über ein Jahr nicht mehr gewusst "was ich denn jetzt bin" Mein Neurologe hat mir vorausgesagt, das mir die Anfälle fehlen werden und wie sie mir fehlen(fehlten)!
Da ist man sein ganzes Leben Epileptiker, ich hab nie drunter "gelitten", das war das normalste auf der Welt. Jeder hat es wissen können, es ist mir auch völlig egal was andere über mich denken. Jetzt ist man operiert und hat keine Anfälle mehr, trotzdem nimmt man Antiepileptika.
Wenn mich jetzt wer fragt, bin ich Epileptiker, oder bin ich keiner mehr?
Das hat zu wirklich schweren Depressionen und häufigen Panikattacken geführt. Nimm auch zusätzlich noch Duloxetin. Ich hab die OP oft verflucht. Erst jetzt, über ein Jahr später, kann ich normal drüber reden.
Damit hab ich nicht gerechnet.
Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Hallo
klingt anstrengend.....und jetzt wo darüber reden kannst und das Jahr um ist verfluchst Du die Op auch noch ?
Lg Green
Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Auren, Deja vu's, das Gefühl nach einem Anfall, es gibt wirklich nichts anderes, das ich besser kenne - kannte. Meine ganzes Leben weiß ich exakt wie das ist, spür das ganz genau.
Jeder Epileptiker kennt das Gefühl, das ist was einzigartiges.
Und plötzlich ist es weg, man wird es nie wieder erleben. Ich kenne mich ohne dieses Gefühl gar nicht. Wahrscheinlich ist es nicht so schlimm, wenn man erst als Jugendlicher/Erwachsene Epileptiker wird. Ich vergleich es mit plötzlich gelähmt sein. Probier auch immer wieder mich daran zu erinnern, was wenn ich dieses Gefühl einmal ganz vergiss?
Ich hab für mich ausgemacht, das ich (vorerst) je nach Bedarf sag, ob ich Epileptiker bin, oder möglicherweise keiner mehr.
Es war auch komisch wieder hier ins Forum zu schauen, ich hab das Gefühl nicht mehr mitreden zu können. Das braucht noch, bis ich das ganz überwunden hab
Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Mit letzten Mai wollte ich Mai 2015 sagen
nur der Vollständigkeit halber
Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Hallo Podi,
Epilepsie wurde bei mir durch eine Hirnhauttumor erst in späten Jahren verursacht. Drei Wochen nach der Diagnose wurde ich operiert. Was der Tumor angeht mit Erfolg. Nach 6 monatiger "Erholung" unter Keppra wieder Epilepsie in einer anderen Form. Ich mußte lernen damit zu leben, soziale Kontakte dadurch zu verlieren, Radtouren zu kürzen u.ä. Zugegeben bin ich sowieso nicht mehr so jung und frisch.
Seit der letzten deutlichen Dosiserhöhung scheint es zu gehen. Bei jedem möglichen Wehwehchen, daß ich früher ignoriert hatte, nagt aber die Angst: Fängt es wieder an...
Praktisch die ähnliche Depression - "wer bin ich?" wie Du aber in umgekehrter Form. Meine eigene "Kur" bei schlechten Erfahrungen und Befürchtungen ist in negativsten auszudenken und am tiefsten schwarzesten Punkt eine Weile auszuharren. Dann kommt der Wendepunkt: Es ist so schwarz, daß es nicht schwärzer werden kann. Entweder akzeptiere ich die Situation weil unumkehrbar und überlege Ausweich- / Anpassungsmöglichkeiten oder fange an über Lösungen, Erleichterungen zu grübeln und daran zu arbeiten. Es geht aus jedem Fall besser, weil ich das Schlimmste eine Weile akzeptiere, und es ist doch gar nicht so schlimm als ich es ausgedacht hatte.
Das war ähnlich nach 11. November, Tsunami oder Tschernobyl - letzteres hat meinen ersten GM-Anfall nach OP provoziert. Die Bilder habe ich immer und immer wieder anschauen müssen. Ich bin kein Voyeur, aber so konnte ich sie langsam als definitiv anzusehen, nicht mehr zu löschen, als "nicht existiert" zu kaschieren. Also mir das Schwarze äußerst deutlich vormalen, um es dann später zu archivieren.
Ich weiß nicht, ob es bei Dir funktionnieren könnte. Die Ärzte haben doch gesagt, daß Deine Reaktion normal ist. Wohl wie bei Drogenabhängigen in Entziehungskur oder noch danach.
Schreib es ruhig runter, es läßt Dampf ab. Hier, um Anderen zu zeigen, daß sie mit diesem Problem nicht alleine sind. Vielleicht auch in ein "Tagebuch", das Du bei Bedarf nachlesen kannst.
Und bleib weiter hier im "Club". Deine Erfahrungen können für andere kostbar sein und mit der Zeit entwickelt sich eine Epi-Gemeinschaft.
mezeg
Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Hallo
Du ich finde es ganz toll das Du hier von Deinen Erfahrungen berichtest...weil oft wird ja so getan wie wenn alles so easy ist...nach Op.
Nah ich sag mal Epileptiker wirst Du immer bleiben nur die Ursache ist weg...und du bist halt Anfallsfrei ...was will man mehr.
Du wirst immer noch darauf achten müssen mit den Dingen wie genügend Schlaf usw.
Was man anderen erzählt....die Freiheit hat man so oder so.
ich hab das Gefühl nicht mehr mitreden zu können.
...weil es Dir nicht schlecht geht? Wie oben schon geschrieben toll das Du den Mut
hast von den Dingen zuberichten.
Lg Green
Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Viele wundert es wenn ich sag das die Epilepsie gar nichts besonderes ist, daß sie mich eigentlich gar nicht stört. Ich hab im Leben, bis auf den Führerschein, nichts ausgelassen, hab mehr gemacht, als die meisten ohne.
Die Anfälle bekommt man eh nicht (selten) mit, gerade wenn ich im Spital, oder mit irgendwelchen Wunden aufgewacht bin, wusste ich das ich einen hatte. Die verschiedenen Nebenwirkungen der Medikamente hab ich auch überlebt, gerade die Depressionen, bzw der Libidoverlust, waren öde. Ansonsten war es ein ganz normaler Teil des Lebens.
Das einzig wirklich schlimme, waren die Auren. Alle 5 bis 10min ein Deja vu, oder Auren die mehrere Stunden gedauert haben, irgendwo, wo du keine wirkliche Möglichkeit zum Abschalten hast. Da haben Notfall Medikamente auch nicht genutzt. Da war ich nachher psychisch wie physisch völlig fertig, hab einen Tag ruhe gebraucht.
Ansonsten - ein Leben ohne der Epilepsie kenn ich nicht, ist seltsam, macht unruhig, macht mir fast Angst.
Komisch, aber ich hab mich mit der Epilepsie fast besser gefühlt.
Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Hallo Podi,
ich kann dir nur von mir erzählen: ca. 12 Jahre therapierefraktär mit Auren, dyskognitiven Anfällen und GM. Hab trotzdem meinen Führerschein und meine Ausbildung als technische Assistentin gemacht und auch meine Hobbies wie Schwimmen, Tauchen und Skifahren gehabt. Aber immer die Angst der Anfälle im Hinterkopf. Psychisch hatte ich kaum Probleme mit der Erkrankung, weil ich seit 1990 einen super Epileptologen habe, der mir klargemacht hat, dass ich offen damit umgehen muss, vorher habe ich es schon verheimlicht, ich wurde so erzogen.
Nach der OP war ich 20 Jahre anfallsfrei, das war richtig schön, ich habe mich spitzenmäßig gefühlt, konnte wieder Autofahren und alles machen. Ich musste trotzdem Medikamente nehmen und habe auch gesagt, dass ich Epilepsie habe.
Jetzt, wo ich wieder Anfälle habe, wieder therapierefraktär bin und wieder auf Dinge wie z.B. Autofahren verzichten muss, also ständig auf andere angewiesen bin, da weiß ich noch viel mehr die Zeit ohne Anfälle zu schätzen.
Leider kann ich nicht noch mal operiert werden, wär es nochmals möglich, ich würde es sofort machen lassen.
Du solltest dir vielleicht psychologisch helfen lassen, deinen jetzigen Zustand zu akzeptieren.
Alles Gute
Nach der OP "was bin ich jetzt?" schwere Depressionen
Ich geh zu Psychologin, einer Psychiaterin und zu meinem behandelnden Neurologe, so viel Hilfe wie möglich, trotzdem wird es halt noch etwas dauern. Ist auch schon wesentlich besser als vor einem halben Jahr. Lustig, je klarer der Kopf geworden ist, desto schlimmer sind die Depressionen geworden. Da sind mir die Auswirkungen erst bewusst geworden.