Langsamkeit durch Absencen?
Candela, Thursday, 16.11.2017, 17:58 (vor 3194 Tagen)
bearbeitet von Candela, Thursday, 16.11.2017, 18:02
Halllo, liebe Community,
ich (fast 43) habe die Diagnose Absence-Epilepsie erst seit ca. 2 Jahren.
Schon seit meiner Kindheit nerve ich mein Umfeld mit meiner extremen Langsamkeit in allen Dingen des Alltags. Ich war also nicht nur in der Schule sehr langsam oder heute am Arbeitsplatz, sondern brauche auch ewig für Tätigkeiten im Haushalt, für die Körperpflege und beim Essen. So gab es auch im Privatleben immer jede Menge Beschwerden über meine "Lahmarschigkeit".
Ich habe oft versucht, mein Tempo dem von anderen anzupassen. Doch nach kurzer Zeit habe ich das Gefühl, mich zu überschlagen und werde dann wieder langsamer, weil es zu anstrengend für mich wird. Klar, dass ich deswegen auch oft im Job gescheitert bin. Neben meiner Konzentrationsschwäche ist das mein Hauptproblem im Berufsleben.
Bis vor 1,5 Jahren habe ich keine Medikamente gegen Epilepsie genommen, da die Erkrankung bei mir nicht bekannt war. Also kann es damit nicht zusammenhängen.
Ist es möglich, dass eine Absence-Epilepsie zu starker motorischer Verlangsamung führt?
Ein Psychiater hat übrigens mal aufgrund eines EEGs (lange vor der Diagnose)eine frühe Hirnschädigung bei mir vermutet, was ich aber für weit hergeholt halte, da es keine Beweise gibt.
Ist hier jemand mit einer Absence-Epilepsie oder hat vielleicht Kinder mit dieser Form von Epilepsie?
Habt ihr da auch eine auffallende Langsamkeit festgestellt?
Gruß,
Candela
Langsamkeit durch Absencen?
lyrella, Friday, 17.11.2017, 21:33 (vor 3193 Tagen) @ Candela
Hallo Candela :) ich habe zwar keine Absence Epi, und die langsamkeit ist bedingt durch frühere Hirnschädigung bei mir. Dennoch möchte ich dir schreiben. Was mir aufgefallen ist, ohne das ich weiss ob ich es in Verbindung bringen soll oder nicht.. mir fallen desöfteren flüchtigkeitsfehler beim schreiben auf. Es fehlen buchstaben oder da stehen falsche da. Ohne das ich weiss warum oder mich erinnern kann diese falsch geschrieben zu haben.
Ob und inwiefern das normal ist weiss ich nicht...
Langsamkeit durch Absencen?
Candela, Friday, 17.11.2017, 22:26 (vor 3193 Tagen) @ lyrella
Hallo lyrella,
danke für deine Antwort.
Was du beschreibst, ist eigentlich typisch für Absencen. Ich habe gelesen, dass sich diese Form der Epilepsie häufig durch Flüchtigkeitsfehler beim Schreiben bemerkbar macht. Also, dass man falsche Buchstaben schreibt, Buchstaben oder Teile von einem Satz auslässt.
Mich wundert, dass ich das bei mir nie so richtig feststellen konnte.
Gerade in meiner Schulzeit habe ich mich nur dann verschrieben, wenn ich besonders bemüht war, keinen Fehler zu machen. Ansonsten machte ich wenig Flüchtigkeitsfehler.
Erst jetzt, wo ich etwas älter bin, merke ich, dass meine Konzentrationsfähigkeit stark nachlässt. Das fällt mir besonders bei monotoner Arbeit sehr auf, z.B. wenn ich Zahlenkolonnen in den Computer eingeben muss. Nach maximal zwei Stunden mache ich die ersten Fehler.
Die Langsamkeit ist wirklich ein großes Handicap. Damit habe ich gerade Kollegen schon oft zu Weißglut getrieben, während man das im Privatleben meistens ein bisschen lockerer gesehen hat.
Vielleicht liegt ja bei mir auch eine Hirnschädigung vor, wie der Psychiater nach dem EEG vermutet hat. Doch er hat auch davon gesprochen, dass man dann beim MRT etwas erkennen müsste. Zum MRT bin ich überwiesen worden, nachdem ich die Diagnose Epilepsie bekommen hatte. Da war aber alles unauffällig.
Ein Arzt hat mir mal gesagt, ich solle mir nicht so einen Kopf machen. Es gebe halt Menschen, die schnell sind und andere sind halt langsamer. Nur wenn es so extrem ist, ist es halt schwer.
Liebe Grüße,
Candela
Langsamkeit durch Absencen?
Heidi, Saturday, 18.11.2017, 09:36 (vor 3192 Tagen) @ Candela
hallo Candela,
Absencen sind ja immer mit kurzen Aussetzern verbunden (3-5 sec.). in der Zeit kann man nicht schreiben oder lesen. Bei Kindern sieht man das z.B. bei einem Aufsatz oder Diktat, hier machen die einfach einen Strich während des Anfalls. Anschließend geht es ganz normal weiter. Sie werden oft als "Träumerle" wahrgenommen. Es könnten natürlich auch Nebenwirkungen der Medikamente sein, so war es zumindest bei mir. Ich war auch bei der Arbeit sehr langsam, aber mein Chef hat das akzeptiert.
Ich wünsche Dir alles Gute und lass Dich nochmal von Deinem Neurologen beraten.
Lieber Gruß
Heidi
Langsamkeit durch Absencen?
mezeg, München, Saturday, 18.11.2017, 10:20 (vor 3192 Tagen) @ lyrella
hallo,
Schwierigkeiten / Fehler beim Schreiben sind nicht unbedingt Folgen von Absencen.
Beim Tippen schreibe ich mal ein Wort, daß ich nicht al "korrekt" bewerte und es merke. Auf Absencen schiebe ich es nicht - bis jetzt - zu. Tippen kann ich aber sehr schnell, "blind" und korrekt schreibe, keine übliche Schreibfehler.
Das Wort hat aber nicht die "richtige Form". Seit langem habe ich festgestellt, daß ich ein Wort an deren Form identifiziere, kann daher sehr schnell lesen. Habe ich für ein Wort keine "Form" parat muß ich es buchstabenweise auseinander nehmen. Bei Texten mit schlechter Rechtschreibung wird es sehr anstrengend. War immer so, auch vor der Epilepsie. Bleib ich bei meinen anderen Sprachen "stecken", kann es eine unbekannte Form oder einfach ein Wort, daß ich nicht kenne. Da nicht so verwirrend, weil eben keine ähnliche Form im Hirn vorhanden ist.
Bei der OP wurde nah am Sprachzentrum geschnitzt. Ob ich überhaupt noch sprechen kann, wurde beim Aufwachen sofort kontrolliert.
Beim Tippen bleibe ich manchmal vor einem Wort stecken, weiß nur, daß es falsch ist, aber nicht gleich wie. Kein Rechtschreib- oder Grammatik-Fehler, einfach im Kopf nicht geformt.
Beim Sprechen habe ich allerdings nun jetzt oft deutliche Wortfindungstörung. Ich "fühle", was ich sagen möchte, finde aber keine Wortform im Denken. Oft zwischen den Sprachen verwirrt. Habe vor kurzem mit einer französischen Landsmännin über unsere Politik gesprochen und blieb stecken. Sie hat es gemerkt, nicht gewußt, ob sie selber sprechen sollte. Im Kopf tanzten nun Silben "ord", "ge", "ar". Nach ein Paar Sekunden kam mir das gesuchte Wort "Député" also "Abgeordneter".
Wenn man sehr schnell, sehr heftig, sehr lange spricht, nehme ich nach einer Weile nur noch "Geräusche" wahr.
Für mich also kein Absencen-Zeichen.
mezeg
Langsamkeit durch Absencen?
lyrella, Saturday, 18.11.2017, 15:49 (vor 3192 Tagen) @ mezeg
Hallo zusammen :)
also kann man beruhigt sein bezüglich der unbemerkten bzw ungewollten Schreibfehler? Wenn ja wäre es eine Sorge weniger
Mir ist das zwar auch schon paarmal passiert, meistens habe ich dem aber keine oder keine große Bedeutung zugeschrieben... wenn ich etwas auf dem Blatt notierte und nachher überrascht las, das ich entweder Buchstaben weggelassen oder falsche hingesetzt habe, woran ich mich aber nicht erinnern konnte...
Klar, ich bin in Deutsch eigentlich gut, hatte nie Probleme... und klar, es ärgert mich dann wenn ich dann Solche Fehler bemerke...zwar habe ich bei "das" und "dass" immernoch meine Problemchen
aber auch bei Alltäglichen Worten sitze ich oft auffällig lange da und muss überlegen wie man das Wort nun schreibt...oder finde wie gesagt komische Wortneuschöpfungen an deren Sinn bzw fabrizieren auf das Blatt ich mich nicht erinnern kann... wie zum Beispiel las ich neulich beim Lernen meine Blätter durch und las "Aktivierung der Sins." Ich war verdutzt und las nochmals den Satz durch, bis ich kapierte das es eigentlich "Aktivierung der Sinne" heißen sollte.... warum ich das Wort so komisch schrieb kann ich mir nicht erklären und mich auch nicht daran erinnern...
Ich weiß nicht wie gesagt nicht inwiefern das normal ist... wenn es normal wäre wäre es wie gesagt toll! 
Langsamkeit durch Absencen?
stepl, Saturday, 02.12.2017, 07:44 (vor 3178 Tagen) @ lyrella
Hallo,
Ich bin im Denken und Handeln langsam!
Ich beobachtete einiges schon in meiner Kindheit.
"Nicht nur die anderen regen sich auf. Ich rege mich auch auf. Nicht mehr und nicht weniger
als die anderen auch!"
Meine Antwort auf das Verhalten der Erwachsenen: "Ich rege mich doch nicht auf!"
antwortet er aufgeregt. Oder "Jeder regt sich mal auf!"
Ich beobachtete danach die andere Art der Aufregung an mir: Nervosität!
Meine Hände nicht still halten können. Nach längerer Zeit im Unterricht
fing ich an, mit meinen Schulsachen zu spielen. Ich bekam das gar nicht
mit. Es beobachtete die Lehrerin.
Das mit den Flüchtigkeitsfehlern kenne ich auch. Im Diktat muss es schnell
gehen. Jetzt habe ich sehr viel Fehler. Bei den Hausaufgaben habe ich mehr
Zeit und kann die Fehler vermeiden.
"Ich weiß ich bin doof!"
Während meine Mutter meine Fehler als Flüchtigkeitsfehler anerkannte, werden
von anderen Keine Unterschiede gemacht. "Schling nicht so! Du hast Zeit.
Lass dir Zeit beim Essen." Ermahnte mich meine Mutter beim Essen.
Welche Fehler entstehen, wenn es schnell gehen soll?
Also lernte ich mich zu drosseln, um solche Fehler die aus Schnelligkeit
entstehen zu vermeiden.
Ich brauchte bei vielen im Lernen länger als andere. Wie schnell kann ich
mir was merken?
Aber auch das Anerkennen, das ich Fehler aus Unkenntnis oder Unerfahrenheit
mache.
gruss stepl
Langsamkeit durch Absencen?
Kristin, Friday, 05.06.2020, 10:02 (vor 2262 Tagen) @ Candela
Hey Candela,
bei mir ist es genauso. Ehrlich gesagt, hatte ich es lange nicht mehr mit der Epilepsie in Verbindung gebracht, aber bei mir wurde nun wieder eine hohe Anzahl sehr kurzer Absencen, die man von außen kaum bemerkt, festgestellt. Ich habe bereits Panikstörungen über die letzten Jahre bei der Arbeit entwickelt, unter anderem, weil ich immer langsamer war (auch besonders bei stupiden Aufgaben am Rechner) und trotzdem sehr fehlerhaft gearbeitet habe, egal wie doll ich mich konzentriere. Ich halte mich nicht für dümmer als meine Kollegen, scheitere aber immer wieder. Es passieren immer so Fehler, die ich mir einfach nicht erklären kann und durch die Panik wird es natürlich nicht auch nicht besser. Ich weiß nicht hundertprozentig, ob es nun etwas mit der Epilepsie zutun hat, vielleicht hoffe ich es auch nur, um mir meine Fehlbarkeit zu erklären, aber ich kann es mir schon vorstellen. Ist es bei dir denn mittlerweile besser geworden oder weißt du mittlerweile woran es lag?
Liebe Grüße :)