Epilepsie und Cannabis konsum

Rosarose, Wednesday, 21.11.2018, 17:39 (vor 2824 Tagen)

Hallo zusammen,
Bei meinem Freund würde vor knapp 4 Monaten Epilepsie diagnostiziert und seit dem hat er etwa alle 2 Wochen Anfälle.

Er ist gerade mit Levi 1500-0-1500 und lamotrigin 25-0-25 eingestellt hat aber immer noch Anfälle. Wir wissen auch nicht woher es kommt.
Er raucht schon ziemlich lang jeden Tag Gras und es hat mich immer genervt.

Nachdem sein Arzt meinte er solle es mal weglassen haben wir es probiert. 3 Tage probiert mit ingesamt 2 Anfällen. Was schon zu verhältnismäßig zu viel war für das sonstige Schema.
Ich hab seinen Arzt gefragt und er meinte er wollte langsam den Konsum senken. Gestern hat er einen einzigen Abend nicht geraucht und sofort wieder einen Anfall gehabt ... ich weiß gar nicht was ich jetzt machen soll..
Ich will dass er aufhört und er will auch aber es zieht uns so runter und dann raucht er wieder.

Hat das jemand auch so erlebt und hat vielleicht einen Tipp oder kann zumindest erklären wie das sein kann ?

Liebe Grüße

Epilepsie und Cannabis konsum

mathilda, Wednesday, 21.11.2018, 18:03 (vor 2824 Tagen) @ Rosarose

Hallo,

wenn der Arzt bzw ich denke der Neurologe schon sagt, dein Freund soll den Konsum von Gras lassen und sagt, es sollte langsam reduziert werden;
dann fragt doch noch mal den Arzt und bittet um Hilfe.

Er kann euch sicherlich besser sagen, in welchen Abständen und Menge reduziert werden sollte, ohne dass Anfälle kommen könnten.

Von heute auf morgen einfach weg lassen kann Anfälle auslösen bei jahrelangen Konsum. Ich finde es gut, wenn euch der Arzt Hilfe anbietet.

LG und viel Erfolg

Epilepsie und Cannabis konsum

Green, Wednesday, 21.11.2018, 18:44 (vor 2824 Tagen) @ Rosarose

Hallo

Drogenberatungsstelle um Hilfe bitten.

Lg Green

Epilepsie und Cannabis konsum

Rosarose, Wednesday, 21.11.2018, 19:21 (vor 2824 Tagen) @ mathilda

Habe den Arzt gefragt, er meinte er ist nicht dafür zuständig.

Ich habe in manchen Foren auch gelesen, dass manche Firmen mit Cannabis behandelt werden. Jetzt denke ich inzwischen schon,:-// er es vielleicht als Therapie braucht ?? Ich glaube mein Freund wird sich weigern zu einer Drogenberatungsstelle zu gehen. Er ist in seinen Augen nicht abhängig er kann jeder Zeit ohne Probleme aufhören. Nur löst es die Anfälle aus. Er raucht nicht von frühs bis abends. Nur abends nach der Arbeit ... ich glaube bei der Drogenberatungsstelle werden sie den Bezug zur Epilepsie nicht verstehen ..

Epilepsie und Cannabis konsum

Green, Wednesday, 21.11.2018, 19:33 (vor 2824 Tagen) @ Rosarose

Hallo
aber sie könnten als Angehörige hilfe bekommen...zu dem Thema.

Lg Green

Epilepsie und Cannabis konsum

mathilda, Thursday, 22.11.2018, 07:29 (vor 2823 Tagen) @ Rosarose

Erst sagt der Arzt, "wir" reduzieren... also damit verstehe ich, dass der Arzt mit euch das zusammenmachen will
und dann sagt der Arzt, er ist nicht dafür zuständig?

Spricht nicht für ihn.. doch darum geht es nicht, mich ärgert sowas nur von seiten der Ärzte. Und er hat euch keine Tipps gegeben, an wen ihr euch wenden könntet?
Da sag ich mal wieder: das spricht nicht für den Arzt.

Soweit ich weiß, nehmen einige Patienten das CBD-Öl ein, was nicht das berauschende THC beinhaltet.

Wie Green schon sagt, melde dich bei einer Drogenberatungsstelle und die wissen zumindest besser bescheid, an wen du dich wenden kannst.

Ansonsten muss dein Freund einfach die Entzugsanfälle in kauf nehmen, wenn er sich nicht beraten lassen will. Hoffentlich bekommt er dadurch keine schlimmen Anfälle.

LG

Epilepsie und Cannabis konsum

Lightmana, Friday, 23.11.2018, 14:18 (vor 2822 Tagen) @ Rosarose

Heyo,

bei mir (26/M) wurde vor 3 Monaten dieses Jahres ebenfalls Epilepsie diagnostiziert.
Persönlich war ich ein schwankender Cannabis Konsument seit ca. 5Jahren, mal wurde sehr viel über Wochen geraucht und einige Wochen wieder kein bisschen was.
Ein Epilepsie Krampfanfall bekam ich in diesen 3 Monaten nie während ich einen Joint rauchte. Sondern immer 2-3 Tage danach.

Daher denke Ich, dass diese Anfälle wegen des Cannabis Entzugs auftauchen..
Ich selbst kann mich während dieser Anfälle an nichts Erinnern. Was mir selbst nur bewusst war, seit ca. 3 Jahren hatte ich wechselnd auftauchende DeJa Vu Gefühle (heißer Rücken der zum Kopf hochzieht, nen metallischen Geschmack und Orientierungslosigkeit) und vor 2 Monaten meinten mehrere Neurologen/in zu mir, dass dies schon epileptische Anfälle waren.
Ich habe das rauchen&kiffen komplett eingestellt und nehme Levetiracetam ein 250-0-250.
Ein Anfall kam bis heute nicht mehr vor seit mitte Oktober. Ein Deja Vu Gefühl hatte ich schon aber ohne diese oben beschriebenen Merkmale.

Ich rate dir deinen Freund den Konsum runter zufahren und ggf. am Ende komplett einzustellen nach meiner Erfahrungen. Viele im meinen Umkreis rauchen, kiffen und den geht es super, aber jeder Mensch tickt da anders.
Informiert euch sonst noch bei der Drogenberatungsstelle.

Schöne Grüße

Epilepsie und Cannabis konsum

Rosarose, Friday, 23.11.2018, 18:34 (vor 2822 Tagen) @ Lightmana

Danke für deine Antwort!
Kann ich dich fragen wie du deinen konsum gesenkt hast ?? Also in welchen Schritten?

Sein Arzt meinte auch das wären ebtzugserscheinung .. mein Feind hält das für bescheuert...

Liebe Grüße

Epilepsie und Cannabis konsum

Lightmana, Saturday, 24.11.2018, 00:16 (vor 2822 Tagen) @ Rosarose

Kann die Frage nicht ganz einschätzen^^
Ich war wie gesagt ein schwankender Konsument. Mal gabs am Wochenende viel zu rauchen und in der Woche gar nichts. Mal in den Wochen nur ein zwei züge mitgeraucht bei Freunden usw.

Wenn er jeden Tag raucht, soll er es halt erstmal nur aufs Wochenende verlegen. Muss er sich halt selbst herausfordern. Aber fragt solche Sachen lieber euren Arzt.
Aber wie war es denn bei seinem ersten Anfall? Ich kam eine Woche ins Krankenhaus und hab in der Zeit erstmal nichts geraucht, weil ich geschockt war was jetzt los ist.

lg

Epilepsie und Cannabis konsum

Rosarose, Saturday, 24.11.2018, 07:34 (vor 2821 Tagen) @ Lightmana

Ok. Hm.. sein Arzt hat eben gesagt, er soll seine Tabletten weiter aufdosieren zum Cannabis Konsum kann er uns nicht beraten...

Das ist eben das Problem irgendwie. Er krieg schon direkt Anfälle, wenn er einen einzigen Tag nicht raucht. Und seine Anfälle sind auch wirklich extrem stark ausgeprägt und gehen sehr lange ..

Weißt du eigentlich woher deine Epilepsie kommt?

Mein Freund wurde beim ersten Mal nicht im Krankenhaus behalten, weil sie eine Epilepsie ausgeschlossen haben nach EEG. eine Woche später bekamen wir Post, dass jemand beim 2. mal hinsehen Potentiale und den Herd entdeckt hat.

Wie viele Anfälle hattest du denn auch ingesamt in den 3 Monaten ? Und in welchen Abständen?

Epilepsie und Cannabis konsum

Lightmana, Saturday, 24.11.2018, 10:15 (vor 2821 Tagen) @ Rosarose

Also bei mir wurde ca. gegen mitte Oktober im MRT festgestellt woher die Anfälle auftauchen und dies lag an einem Gewebe am Hippocampus. Viele Ärzte gingen in dem Zeitpunkt von einen Tumor aus... Dass waren verdammt schlimme Wochen gewesen.. Die Biopsie, die ich am Anfang November mit machte, nahm Gewebe proben und überprüfte diese in der Pathologie.
Es stellt sich ca. einer Woche nach der Biopsie fest, dass es sich doch kein bisschen um ein Tumor handelt, aber die Proben werden noch weiter geprüft.
Ich weiß bis heute nicht, was es genau ist..

Beim ersten wahrgenommenen Krampfanfall(ca.5min), kam ich zwar ebenso ins Krankenhaus, aber nahm die Sachen nicht ernst. Ging zu einem anderen Neurologen und der vernahm das Medikament einnahmen zu früh sind. Also brach ich es ab die Lamotrigin zu nehmen. Es startet aber wieder so ne art Orientierungslosigkeit und die DeJa Vus. Persönlich vernahm ich es nur als Stress.

Der 2te Krampfanfall(ca.5min) tauchte bei einem Besuch auf (ca.1Monat nach dem ersten), gleich wieder früh am morgen. Es ging dieses mal wieder in ein Krankenhaus (nicht das gleiche). Hier wurden mir die Levetiracetam verschrieben. Die ich bis heute einnehme und ich erfuhr den ersten Verdacht wie oben genannt.

Ob es zwischen Zeitlich mehrere Krampfanfälle gab kann ich nicht beurteilen, da sie bei mir früh am morgen auftauchen und ich derzeit alleine lebte. Wo sich die Anfälle bei mir vermehrt hatten und ich die schlimme Nachricht hörte, habe ich jedoch aus Panik den Konsum eingestellt. (Mein Ärztin hatte es ebenso geraten)

Informiert euch sonst noch bei anderen Ärzten der Neurologie und Neurochirugie. Wie Sie diese Vorfälle von deinem Freund einschätzen.
Ich wunder mich persönlich nur warum die Medikamente so scheinen als ob sie nichts bewirken. Bei deinem Freund hab ich jedoch das Gefühl, dass die Epilepsie anders ausgelöst wird als bei mir.
Mehr kann ich zum Thema leider nicht mehr sagen, also wünsch ich euch alles gute!

Epilepsie und Cannabis konsum

stepl, Sunday, 25.11.2018, 21:24 (vor 2820 Tagen) @ Rosarose

Das ist eben das Problem irgendwie. Er krieg schon direkt Anfälle, wenn er einen einzigen Tag nicht raucht. Und seine Anfälle sind auch wirklich extrem stark ausgeprägt und gehen sehr lange ..

Uns in der Selbsthilfegruppe und mir in der Klinik wurde geraten einen Anfallskalender zu führen!


gruss stepl

Epilepsie und Cannabis konsum

Xmin, Wednesday, 13.02.2019, 23:54 (vor 2740 Tagen) @ Rosarose

Hi, Ich (34/M) hatte vor ca. drei Jahren meinen ersten Anfall (orientierungslosigkeit, Schweißausbrüche und stammeln). Vor zwei Jahren dann den zweiten, Aber den dann so richtig (Sehr heftiges verkrampfen. Dauerte 30min und war erst nach 48h wieder bei 100%). Letztes Jahr im Sommer dann nochmal mit Krämpfen. Ich rauche seit dem ich 15 bin sogut wie jeden Tag Gras. Ungefähr eine, zwei Joints taglich. Am Wochenende auch schonmal 4-5 Joints.
Ich weiss dass es selbst ohne Epilepsie Erkrankung zuviel Gras wäre. Vorallem aus finanzieller Sicht. Manche Monate sind es fast 300Euro die für Gras drauf gehen. Zum Glück verdiene ich gut.
Den allerersten Anfall habe ich nicht als Epilepsie wahrgenommen erst. Beim zweiten war es dann nicht mehr zu übersehen. Mein Neurologe riet mir eindringlich komplett mit dem Cannabis Konsum aufzuhören, Aber solang sich mein Altag nicht ändert ist es unmöglich davon weg zukommen. Es ist halt definitiv eine Sucht. Vergleichbar mit jemandem der über Jahre jeden Tag nach der Arbeit seine 2-3 Flaschen Bier braucht und sich dann am Wochenende evtl. auch noch richtig abschießt. Man kann von jetzt auf gleich damit aufhören wenn man einen Ausgleich für den Alltag findet (z.B. Sport oder ein anderes Hobby).
Wie bereits erwähnt wurde ist es in eurem Fall ganz wichtig das Gras langsam abzusetzen. Wer jeden Tag Gras konsumiert erleidet und von einen Tag auf den anderen damit aufhört hat die ersten 48h heftige entzugserscheinung (starkes schwitzen in der Nacht, Stimmungsschwankungen). Es reicht schon wenn man über zwei drei Tage jeden Tag die Cannabis Dosis um ein Drittel reduziert. Bis am vierten dann Garnichts mehr geraucht wird. An dem ersten Tag ohne Gras redet einem die Psyche ein Garnicht müde zu sein und nicht einschlafen zu können, Aber auch das ist nur Kopfsache und mit ein bisschen Sport wird man trotzdem müde genug.
Frag mal deinen Freund wann er das letzte mal richtig bewusst im Schlaf geträumt hat. Das ist bestimmt Ewigkeiten her. Es dauert ca. 1-2 Wochen bis alles aus dem Kreislauf raus ist und siehe da, dann wird er auch wieder richtig schlafen und vor allem träumen können. Das ist meiner Meinung nach eine der schwerwiegensten Einschränkungen welche durch taglichen konsum entstehen, neben der üblichen Trägheit und Vergesslichkeit.
Grade der richtige Schlaf ist für epileptiker seeeeeehr wichtig. Als es bei mir los ging mit den Anfällen, hab ich im Schnitt nur 5h pro Tag geschlafen. Mittlerweile achte ich mehr darauf genug zu schlafen.
Mit dem paffen aufzuhören muss definitiv vom Wille her passen. Wo kein Wille, da auch kein Weg. Wenn er es nicht zu 100% will und keinen Alltagsausgleich schafft wird er jedesmal innerhalb der ersten 1-2 Wochen wieder rückfällig und wieder weiter paffen.
Den Cannabis Konsum einzustellen ist definitiv der Gesundheit dienlich. Ist wie mit dem Glas Wein zwischen durch. In geringer Dosis und nicht täglich ist es OK und nicht sehr ungesund. Aber täglich in hoher Dosis ist definitiv ungesund.
Wie sagt man so schön "die Dosis macht das Gift".
Ich bin selbst ein mega Potthead und habe es nach meinem ersten Krampfanfall versucht einzustellen, aber das hat nicht lange gehalten. Mein Wille war nicht stark genug. Jedoch habe ich das Glück dass sich das Gras rauchen bei mir nicht unmittelbar auf die Epilepsie auswirkt. Nehme trotz eines Joints jeden Tag meine 750-0-750 Levetiracetam und es geht bisher ganz gut.
Also wie gesagt nicht das Gehirn mit einem drastischen Entzug überfordern, Lieber langsam das Gras (über 1-3 Tage) langsam runterdosieren und Sport als Ausgleich mitnehmen.
Kleiner Tip noch. Wenn er dir verspricht damit aufzuhören , aber der Wille nicht da ist, wird er es heimlich machen. So habe ich vor anderthalb Jahren meine Beziehung mit meiner Freundin zerstört. :-(
Langsam aufhören, den Kreislauf mit Sport als Ausgleich stabil halten und einen anderen Alltag entwickeln. Das über mindestens 2-3 Wochen. Bis der Graskonsum völlig ausm Kopf ist dauert es sogar noch länger (2-3 Monate)., vor allem wenn im Freundeskreis immer wieder die Verlockung da ist.

Grüße, Armin