Anfall am Arbeitsplatz! Wie soll ich mich jetzt verhalten?

Trishka, Saturday, 23.03.2019, 12:14 (vor 2702 Tagen)

Liebe Community,

ich arbeite seit fast zwei Monaten in einem Altenheim als Betreuungskraft. Ich war so froh, nach ein paar Jahren Arbeitsuche diesen Job gefunden zu haben.

Letzte Woche hatte ich ein unangenehmes Gespräch mit der Leitung vom sozialen Dienst. Die Mitarbeiterin sagte, ich sei noch zu unstrukturiert in den Arbeitsabläufen und vergesse zu viel. Wenn ich meine Leistungen nicht gravierend verbessern könne, müsse man sich von mir trennen.

Daraufhin habe ich alles drangesetzt, bloß nicht mehr negativ aufzufallen. Ich plante sorgfältig und kontrollierte meine Dokumentation dreifach. Ich bemerkte, dass mich die Leiterin vom sozialen Dienst sehr genau beobachtete.

Jetzt ist mir am Donnerstag etwas wirklich Schlimmes passiert. In der Mittagszeit dachte ich noch ständig daran, bloß nicht den Transfer von Bewohnern nach dem Kaffee zum Singen zu vergessen. Ich war sehr verkrampft an dem Tag, weil ich mich seltsam fühlte und irgendwie total neben mir stand. Ich besuchte ein paar bettlägerige Bewohner und dann passierte es. Als ich in einem Zimmer am Bett saß, sah ich plötzlich schwarze Kreise mit einer leuchtend blauen Umrandung. So ähnlich hatte ich das vor kurzem in der Nacht. Dann weiß ich nichts mehr. Als ich wieder zu mir kam, lag ich neben dem Stuhl und mein Kopf brummte und eine Schulter tat furchtbar weh. Ich war wie erstarrt und erst mal nicht in der Lage aufzustehen.

Es war schätzungsweise eine halbe Stunde vergangen, vielleicht auch mehr, als ich ins Büro gehen konnte. Eine Kollegin machte mir Vorwürfe, weil ich nicht beim Transfer war. Ich sagte, mir ging es plötzlich nicht gut. Von ihr kam nur ein Schulterzucken. Klar, meine Vergesslichkeit ist im Team bekannt. :-(

Vor drei Jahren wurde bei mir eine Epilepsie festgestellt, die ich aber nirgendwo erwähne. So ist also auch dem jetzigen Arbeitgeber nichts bekannt. Ich hatte die Befürchtung, dass sie mich sonst nicht einstellen würden.

Letzte Woche bekam ich auch noch ein Gespräch mit, dass die Leiterin vom sozialen Dienst auch Epilepsie hat. Mich hatte schon gewundert, warum sie einen Führerschein hat, aber betonte, dass sie kein Auto fahre. In dem Moment bereute ich, die Erkrankung verschwiegen zu haben!

Nächste Woche findet wieder ein Gespräch mit ihr statt und bis dahin wird es zu einer Entscheidung gekommen sein, ob man mich weiter beschäftigen wird oder nicht. Natürlich wird sie mir die Sache mit dem verpassten Transfer vorhalten.

Sollte ich auf ihr Verständnis hoffen, wenn ich ihr sage, dass ich einen Anfall hatte?

Oder kann das zur fristlosen Kündigung führen, weil ich die Epilepsie verschwiegen habe?

Liebe Grüße,
Trishka

Anfall am Arbeitsplatz! Wie soll ich mich jetzt verhalten?

pegasus, Saturday, 23.03.2019, 13:14 (vor 2702 Tagen) @ Trishka

Es kommt auf das konkrete Selbst- und Fremdgefährdungspotenzial an, welches von deiner Epilepsie ausgeht, damit man dich fristlos aufgrund der Epilepsie kündigen kann.

Hier wäre es am besten, wenn du bereits ein arbeitsmedizinisches Gutachten darüber hättest, was du mit Gefährdungskategorie 0, A, B, C, D machen darfst usw. usf.

Sofern das nicht vorhanden ist, kannst du natürlich nicht dafür oder dagegen argumentieren, sondern solltest mit offenen Karten spielen, sofern möglich, vor dem Gespräch.

Hier noch ein Link dazu nachgereicht:

https://www.umwelt-online.de/recht/arbeitss/uvv/bgi/585_ges.htm

Anfall am Arbeitsplatz! Wie soll ich mich jetzt verhalten?

Anton, Sunday, 24.03.2019, 15:06 (vor 2701 Tagen) @ Trishka
bearbeitet von Anton, Sunday, 24.03.2019, 15:10

Hallo Trishka,

ich habe ein paar Fragen zu Deinem Arbeitsverhältnis. Was heißt „Betreuungskraft“? Bist Du Altenpflegerin oder Altenpflegehelferin oder Betreuungskraft. Denn man muss davon ausgehen, dass eine ungelernte Kraft weniger schnell und strukturiert arbeiten kann als eine gelernte.

Natürlich kann man jetzt gut sagen, hätte ich es man gesagt, man muss jedoch davon ausgehen, dass Du den Job nie bekommen hättest bei Angabe der Erkrankung. Wenn man es genau nimmt, darfst Du den Beruf nicht ausüben. Aus dem Grunde würde ich die Leiterin des Sozialdienstes beim nächsten Gespräch über die Epilepsie informieren und mit ihr nach Möglichkeiten eines Einsatzes, der mit Deiner Erkrankung Dritten gegenüber vereinbar ist, suchen.

Des Weiteren würde ich versuchen, wirklich alles zu tun, damit es zukünftig gar nicht erst zu Anfällen kommen kann. Ich denke an die regelmäßige Medikamenteneinnahme, an ausreichend Schlaf und Einhaltung des Schlaf-/Wachrhythmus. Ich würde ferner versuchen, dort im Altenheim einen Job zu finden, in dem Du ein etwas ruhigeres Arbeiten hast. Selbst bei finanziellen Abstrichen würde ich das machen.

Liebe Grüße
Anton

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Anfall am Arbeitsplatz! Wie soll ich mich jetzt verhalten?

Yelena19, Tuesday, 02.04.2019, 22:23 (vor 2692 Tagen) @ Trishka

Hey Trishka,

leider bin ich etwas zu spät mit meiner Antwort dran, aber ich kenne deine Situation.

Seit ca 2 Wochen arbeite ich in einer Klinik und habe der Leitung nicht von meiner Epilepsie erzählt, die seit 2015 diagnostiziert ist, da ich "Angst" hatte, sie würden mich nicht annehmen.

Während der Arbeit hatte ich das ein oder andere Mal das Gefühl, als würde mir Schwarz vor Augen werden und ich kippe um. Was Gott sei Dank nicht der Fall war.

Jedenfalls, gestern, dachte ich einfach, ok ich denke es ist schon wichtig, ihnen davon zu erzählen denn wenn was passiert wissen die dort ganz genau Bescheid, dass ich eben davon betroffen bin. Und das hab ich dann gemacht. Die Leiterin meinte nur das es wichtig ist, Vertrauen aufzubauen und sich besser kennenzulernen dass man auf sowas vorbereitet sein kann. Ich soll ihr sagen, sobald ich merke, dass mir schwindelig wird etc.


Ich hoffe, dass die dort bei dir nach dem Gespräch Rücksicht genommen und dich dort behalten haben. Ich weiß, wie schwer es für einen selbst ist, damit zu leben und damit klar zu kommen. Andere im Umfeld verstehen das nicht, da sie nicht wissen wie das ist.
Deshalb hoffe ich, dass sie dir noch eine "Chance" gegeben haben.

Freundliche Grüße

Aylin(: