Anfallsfrei werden, um Anästhesist zu werden

Holymoly, Thursday, 17.10.2024, 07:08 (vor 667 Tagen)

Hallo,
ich bin 20 und habe eine diagnostizierte Epilepsie. Ich hatte mit 11 einen Grand mal, jedoch seit dem nur noch kleinere „Trancen“.
Das Problem ist, dass ich Arzt werden möchte, und zwar Anästhesist und Notarzt.
Ich nehme jetzt seit ca. einem Monat 200mg Lamotrigin morgens und abends, da ich letzten Monat nochmal so eine Trance hatte.
Anästhesie und Notfallmedizin könnte ich machen, wenn ich mindestens 5 Jahre komplett anfallsfrei bin und müsste natürlich anfallsfrei bleiben, um eine richtige Karriere in dem Gebiet haben zu können.
Daher wäre meine Frage, wie ich komplett anfallsfrei werden könnte. Einfach die Dosis jedes Mal erhöhen, wenn eine Trance auftritt und hoffen, dass es irgendwann aufhört?
Ist hier zufällig jemand, der komplett anfallsfrei ist und mir sagen kann, wie er/sie das geschafft hat (Dosis etc.). Oder ganz zufällig ein Anästhesist/Notarzt mit diagnostizierter Epilepsie?
Sorry für die vielen Fragen😅
Dankeschön

Anfallsfrei werden, um Anästhesist zu werden

Anton, Friday, 18.10.2024, 16:39 (vor 666 Tagen) @ Holymoly

Hallo,

und herzlich willkommen bei uns im Forum. Wenn man dir etwas von einer Mindestanfallsfreiheit erzählt hat, die erforderlich ist, um den Arztberuf auszuüben, wird das wohl stimmen. Obwohl ich mir das kaum vorstellen kann. Denn Fakt ist, dass Du zurzeit noch Anfälle in Form von Absencen bzw. Auren bekommst. Für mich als Nichtmediziner steht fest, eine Epilepsie lässt sich nicht heilen. Wohl aber ist es in einigen wenigen Fällen möglich, sie symptomfrei zu stellen. Um eine rechtsverbindliche Antwort auf Deine Frage zu bekommen, empfehle ich, die Bundesärztekammer anzuschreiben. Eventuell kann auch schon die Vergabestelle der Studienplätze etwas dazu sagen.

Ich kenne nur Ärzte, bei deinen ein Anfallsleiden während der Berufstätigkeit aufgetreten ist. In einem Fall arbeitet der Mediziner in der Pathologie, begrüßt also seine Patienten an den Füßen. In einem anderen Fall ist es eine Ärztin, sie ist nun in der Wissenschaft, ohne Kontakt zu Patienten, tätig.

Was den Weg zur Anfallsfreiheit angeht, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Es ist abhängig von der Anfalls- bzw. Epilepsieart, inwieweit es überhaupt möglich ist. Ich denke da an medikamentöse und an operative Therapie-Ansätze. Ich habe mich vor 18 Jahren am Temporallappen operieren lassen und bin seither unter Medikation anfallsfrei.

Viele Grüße
Anton

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Anfallsfrei werden, um Anästhesist zu werden

Chris007, Wednesday, 23.10.2024, 20:35 (vor 660 Tagen) @ Holymoly

Ist echt ein Mist, verstehe dein Problem, hatte jetzt auch einen Anfall und hoffe, dass es keine Epilepsie ist … die ganzen Einschränkungen — Beruf, Autofahren usw.
LG Chris 🙋‍♂️🙋‍♂️🙋‍♂️🙋‍♂️

Hallo,
ich bin 20 und habe eine diagnostizierte Epilepsie. Ich hatte mit 11 einen Grand mal, jedoch seit dem nur noch kleinere „Trancen“.
Das Problem ist, dass ich Arzt werden möchte, und zwar Anästhesist und Notarzt.
Ich nehme jetzt seit ca. einem Monat 200mg Lamotrigin morgens und abends, da ich letzten Monat nochmal so eine Trance hatte.
Anästhesie und Notfallmedizin könnte ich machen, wenn ich mindestens 5 Jahre komplett anfallsfrei bin und müsste natürlich anfallsfrei bleiben, um eine richtige Karriere in dem Gebiet haben zu können.
Daher wäre meine Frage, wie ich komplett anfallsfrei werden könnte. Einfach die Dosis jedes Mal erhöhen, wenn eine Trance auftritt und hoffen, dass es irgendwann aufhört?
Ist hier zufällig jemand, der komplett anfallsfrei ist und mir sagen kann, wie er/sie das geschafft hat (Dosis etc.). Oder ganz zufällig ein Anästhesist/Notarzt mit diagnostizierter Epilepsie?
Sorry für die vielen Fragen😅
Dankeschön

Anfallsfrei werden, um Anästhesist zu werden

chubirama, Wednesday, 18.12.2024, 14:48 (vor 605 Tagen) @ Chris007

"Ist hier zufällig jemand, der komplett anfallsfrei ist und mir sagen kann, wie er/sie das geschafft hat (Dosis etc.). Oder ganz zufällig ein Anästhesist/Notarzt mit diagnostizierter Epilepsie?"

Dein Ziel in die Anästhesie zu gehen oder Notarzt zu fahren ist sehr hoch und beides auch sehr unterschiedlich. Beides klingt nach dem Interesse an Action, oder? :)
Ich war Krankenschwester daher ein paar Infos:
Notarzt an für sich fährt man in der Regel nicht dauerhaft, oft ist man nebenher Stationsarzt und muss im Krankenhaus seine Schichten leisten.
Jeder Stationsarzt hat Wochenend- und Nachtdienste, oft über 24h mit Notarzt fahrt oder Bereitschaftsarzt im KH. Wenn du also Notarztdienst (oder Bereitschaft) hast, kommst du morgens zur Arztbesprechung, dann Visite auf deiner Station, dann Untersuchungen und Neuaufnahme, je nach Krankenhaus Dienst in der Ambulanz und rausfahren im Einsatz. Keine Pausen. Nach dem Einsatz wieder zurück auf Station. Mit Epilepsie ist man generell erstmal aus all dem raus. Keine Nachtschicht, keine Arbeiten mit Körperflüssigkeiten oder Eigen- und Fremdverletzungspotential.

Also kein Blutabnehmen, keine OPs, nichtmal eine Wunde vernähen, keine 24 Stunden Schichten. Da kommt dann die Anfallsfreiheit ins Spiel, bist du anfallsfrei sind die Sachen wie Blutabnehmen und co alles okay. Allerdings selbst wenn du das schaffst, am Ende des Tages ist es die Entscheidung des Betriebsarzt (oder Amtsarzt, je nach Arbeitgeber) zu sagen, wie er das Risiko bewertet. Bei Anfallsfreiheit über 2 Jahren sind es wenige Einschränkungen und du kannst deutlich mehr machen.
Ich würde dir empfehlen, bei Anfallsfreiheit, mal bei den Rettungssanitäter mitzufahren. Die bieten Praktika für angehende Ärzte oft an. Ich persönlich habe es unter Stress und Schichtwechsel gesundheitlich nicht geschafft die Anfallsfreiheit zu erreichen. Die gelang mir erst mit Aufgabe der Schichtarbeit und langer Krankschreibung.
Herausforderungen in der Medizin kannst du auch zur Genüge im 8-16 Uhr Job als Arzt finden. Glaub mir, Menschen mit 4 Promille gibt es auch um 12 Uhr mittags :) Reanimationen hast du auch viel als Arzt in der Ambulanz. Daher mein Tipp: Arzt zu werden ist schon schwerer mit Behinderung als ohnehin, das Ziel ist ein hohes, aber gutes. Halte dir im besten Fall jedoch das Endziel offen, es gibt unzählige Bereiche in der Medizin, welche mit der Diagnose gehen. Ganz anders auch die Autopsie, das kann sehr spannend sein und als Arzt steht dir dieser Weg offen. Mein Tipp, ist bei jeder Anstellung zu Thematisieren: Keine Nachtschichten, feste Arbeitszeiten, keine Bereitschaft, Zugang zum Ruhebereich und ich garantiere dir trotzdem eine Menge schräger und spannender Sachen zu erleben.

Liebe Grüße