Umgang mit Epilepsie Diagnose

Anika, Samstag, 06.02.2021, 17:20 (vor 558 Tagen)

Hallo,
ich habe vor einem Jahr aufgrund von einer Anfallsserie die Diagnose Epilepsie bekommen und nehme nun 50-0-50 lamotrigin ein. Ich war noch nie ein Tablettenfreund und komme damit bis heute nicht klar, da ich meine Diagnose auch immer noch nicht akzeptiert habe. Ich möchte die Tabletten am liebsten wieder absetzen. Meine Neurologin meinte das würde sie erst nach 3-5 Jahren machen, sagt andererseits aber, ob das Medikament wirklich wirkt weiß man eigentlich auch nicht. Ich tu mich nun sehr schwer, das alles einzuordnen. Kann ich das Medikament dann nicht doch unter ärztlicher Aufsicht absetzen? Ich hatte nie einen Anfall gehabt, bis auf an diesem einen Tag. Auch danach nie wieder. Überprüfungen mittels EEG wurden nur damals im Krankenhaus gemacht, seitdem nicht mehr. Die Ursache der Serie vor einem Jahr ist nicht bekannt, umso schwerer fällt es mir die Diagnose zu akzeptieren und das Medikament zu nehmen.
Hat jemand Erfahrungen mit ähnlichen Gedanken?

Danke und liebe Grüße
Anika

Umgang mit Epilepsie Diagnose

pegasus, Samstag, 06.02.2021, 20:38 (vor 558 Tagen) @ Anika

Mache einen Umweg, gehe Rede mit deinem Arzt mal darüber, dich in eine Epilepsieklinik zur Diagnostik zu schicken.

Da bekommst du zum einen das was du möchtest, nämlich das Absetzen der Medikamente und zum anderen in der Regel auch eine konkretere Diagnose und gründliche Diagnostik.

Umgang mit Epilepsie Diagnose

Anton @, Sonntag, 07.02.2021, 12:47 (vor 558 Tagen) @ Anika
bearbeitet von Anton, Sonntag, 07.02.2021, 12:51

Hallo Anika,

herzlich willkommen bei uns im Forum. Dir ist bekannt, dass wir ärztlichen Rat nicht geben dürfen, da uns das Wissen fehlt. Ich bin Patient und kann nur aus Erfahrung deinen Beitrag kommentieren. Und das einbringen, was ich mir im Laufe der letzten Jahre über Epilepsie angeeignet habe.

Es stellt sich dann die Frage, was ich an Deiner Stelle machen würde. Wenn Du vor einem Jahre eine Anfallsserie hattest, war es mehr als ein einziger Anfall, was für mich bedeutet, dass die Ärzte es schon als „Epilepsie“ diagnostizieren können.

Bei der Diagnose würde ich erstens einen Anfallskalender führen, zweitens genau aufschreiben, ob es Besonderheiten gegeben hat und drittens einmal im Quartal eine Beratung beim Neurologen wünschen. Dazu gehörte dann ein EEG, eine Besprechung über das weitere Vorgehen und das Vortragen der Nebenwirkungen.

Dann habe ich noch eine Frage. Ist dem Arzt Deine vollständige Vorgeschichte bekannt, hast Du ihn über Deinen Lebensstil informiert und über andere gesundheitliche Auffälligkeiten?

Bei Deiner Medikation, nämlich Lamotrigin 50 -- 50 mg, würde mein Neurologe von einer „Kinderportion“ sprechen, die dem Körper kaum etwas anhaben kann. Aus diesem Grunde würde ich wie vom Arzt gewünscht, die Medikamente erst noch weiternehmen und abwarten, was da kommt. Schlimm wäre, wenn Du sie jetzt absetztest und es zu einem Anfallsrezidiv kommen würde.

Es gibt viele Epilepsien, bei denen die Ursache nie gefunden wird. Es gibt ferner oft Patienten mit einem guten, unauffälligen EEG, die trotzdem Anfälle haben. Und welche, mit einem miesen EEG-Befund, die völlig anfallsfrei sind. Entscheidend aus Sicht der Ärzte ist immer, was hinten dabei herauskommt. Ich kann nur empfehlen, den ärztlichen Rat anzunehmen und ohne Sorgen um die unerwünschten Nebenwirkungen die Sache so hinzunehmen, wie sie ist. Ich wünsche einen guten Weg.

Liebe Grüße
Anton

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Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Umgang mit Epilepsie Diagnose

Marion, Donnerstag, 11.03.2021, 14:06 (vor 525 Tagen) @ Anton

Ich bin schon echt alt und bekam mit ca 18 den ersten Anfall, nachdem ich allerdings ein ziemlich wildes Leben führte mit zu wenig Schlaf. Es passte überhaupt nicht in mein Selbstbild, und ich brauchte viele Jahre, bis ich endlich bereit war, die Epilepsie als zu mir gehörend anzuerkennen und regelmäßig ein Medikament einzunehmen. Nach einigen Jahren Anfallsfreiheit schlich ich eigenständig das Medikament aus. Nach einem Sportunfall verschrieb mir ein Orthopäde ein Medikament, das erneut einen Anfall auslöste. Danach nahm ich wieder regelmäßig das Medikament. Ich hatte zuvor schlimme Jahre ohne Arzt, ohne Medikamente, immer im Hintergrund begleitet von Ängsten vor einem erneuten Anfall. Seit ich nun viele Jahre das Medikament nehme, anfallsfrei bin, führe ich ein ganz normales Leben und war bis zur Rente berufstätig. Nimm es also nicht zu leicht. Dazu habe ich die Krankheit vor fast allen verheimlicht, was auch nicht gut ist. Mein Medikament geht zwar auf die Knochendichte, aber das ist immer noch besser als unsicher in jeden Tag zu starten.

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