Das Monitoring

Anton, Saturday, 09.09.2023, 18:40 (vor 319 Tagen)

Diese Zeilen lade ich für Patienten, die das erste Mal stationär in die Epilepsie-Zentrum überwiesen werden, hoch. Der Bericht aus dem Jahre 2006 stammt von mir, er schildert die wohl teuerste Diagnostik-Methode, die es für die Erforschung neuer Therapieformen gibt. Nach dieser Untersuchung sind die Neurologen meistens in der Lage, zielgerichtet Wirkstoffe zu verordnen und zu anderen Therapien Stellung zu beziehen.


Das präoperative Monitoring

Oben näher bezeichnetes Monitoring wird bei medikamentös schlecht einstellbaren Patienten durchgeführt. Die 10-tägige präoperative Intensiv-Diagnostik (Intensiv-EEG-Video-Monitoring) gibt u. a. Auskunft über die Epilepsie- und Anfallsart des Patienten. Aus diesen Daten lässt sich festlegen, welche Therapie für Patienten am erfolgreichsten sein könnte. Sofern es während des Untersuchungszeitraums nicht zu Anfällen kommt, werden sie wie folgt provoziert:

a) Die Medikamentenmenge wird langsam heruntergefahren, b) es wird Schlaf entzogen oder c) es kommt aggressives Flackerlicht zum Einsatz. Ein Anfall ist danach meistens sicher.

Vor Beginn des Monitorings werden ca. 30 bis 50 Elektroden mit Klebstoff auf der Kopfdecke befestigt, sie müssen gut eine Woche halten. Die Elektrodenkabel sind mit dem EEG-Aufzeichnungsgerät über eine Kupplung verbunden. So kann der Patient bei Wegen ins Bad, zu Untersuchungen außerhalb des Zimmers und aus sonstigen wichtigen Anlässen abgekuppelt werden. Sofern sich auf dem Kopf ein Kontakt löst, wird es von Pflegedienstmitarbeiter im Dienstzimmer sofort erkannt, die Verbindung wird dann unverzüglich wieder hergestellt.

Das Monitoring beinhaltet drei zeitgleich nebeneinanderher laufende Untersuchungen. Die Hirnströme werden aufgezeichnet, Tag und Nacht läuft eine Videokamera und jedes kleinste Geräusch wird über Mikrofon im Zimmer aufgezeichnet und an das Dienstzimmer weitergegeben.

Außerhalb der Zeit nimmt der Patient an zahlreichen Gesprächen und Untersuchungen teil, mit Psychologen, Neuropsychologen und Epileptologen. In einem Strukturellen MRT (sMRT), auch Funktionelles MRT (fMRT) genannt, wird das anfallsauslösende Gewebe im Gehirn geortet. Wenig später werden von einer Kommission, sie besteht aus allen behandelnden Ärzten, Psychologen, Neuropsychologen und Epilepsie-Chirurgen (die sogenannte Fallkonferenz), die ersten Ergebnisse analysiert. Ein verbindliches Ergebnis liegt dann einige Wochen später vor. Manchmal ist es Ärzten möglich, eine erste Einschätzung abzugeben.

Ich habe das Monitoring als nicht belastend empfunden. Habe viel gelesen, mich ausgeruht, die gewünschten Anfälle sind nach Provokationen rasch aufgetreten.

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Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Das Monitoring

Selina, Monday, 25.09.2023, 20:14 (vor 303 Tagen) @ Anton

Außerhalb der Zeit nimmt der Patient an zahlreichen Gesprächen und Untersuchungen teil, mit Psychologen, Neuropsychologen und Epileptologen. In einem Strukturellen MRT (sMRT), auch Funktionelles MRT (fMRT) genannt, wird das anfallsauslösende Gewebe im Gehirn geortet.

Das fMRT machte man bei mir, um zu schauen, wo dir Sprachregion liegt. - Es wäre echt zu schön gewesen, wenn das so easy gewesen wäre.

Das IM (kurz für Intensiv Monitoring) wird gemacht, um den Anfallsursprung herauszufinden. - Bei meiner ersten Auswertung erklärte man mir: Anfall ja, aber in dem Moment haben sie evtl. auf die Zähne gebissen (EEG ist unleserlich). Das ist bei 2 von 3 Anfällen so, dass wir das EEG nicht "lesen" können. Beim zweiten mal klappte es. Dann kam: Hm, Wir vermuten, dass der Ursprung hier ist, er ist vermutliche zu tief für die Oberflächenelektroden.
Es gibt weitere nicht invasive (Stufe 1) Untersuchungsmethoden, die dann aber erst angewandt werden, wenn normales IM (wenn auch 2 x) versagt und es klar ist, dass Tiefenelektroden zum Einsatz kommen. (Das war bei mir vor Beginn der prächirurgischen Diagnostik klar, da mein MRT keine Läsion aufzeigt).
Eine SISCOM. (subtraction ictal SPECT coregistered to MRI). Dies ist nichts für Leute, die IM nicht mögen ;) Die Siscom hat die Hypothese meiner Ärzte überhaupt nicht gestützt, eher umgestürzt und mir war klar, dass es mit Tabletten irgendwie weiter gehen muss.
Mein behandelnder Arzt hat jedoch noch eine Gen-Analyse machen lasssen, bevor sich das Grüppchen Leute (wie Anton beschrieb) zusammensetzt. - Und ich habe eine bekannte Gen-Mutation, nur passt die halt nicht zu den bekannten Fällen.

IM lohnt sich schon so oder so, denn dann kann man Epilepsie (sofern man einen Anfall hat) nachweisen. - Bis zu dem damaligen Zeitpunkt war es nur das EEG und die Aussagen der Eltern, Drittpersonen. (Es gibt Ausnahmen, bei dem das EEG, z.B. Absencen ausreicht.)

Wenn Du aber das Gefühl hast: Ich raff das nicht, 1 Woche zu zweit in einem Zimmer. Und immer nur entweder im Bett oder im Sessel. (Wegen der Video-Kamera). Ich habe sowieso keine Lust auf einen operativen Eingriff. Dann warte. - Ich habe 14 Jahre gebraucht, bis ich zu den prächirurgischen Abklärungen ein überzeugtes Ja sagen konnte.