Re: weiß gar nix, Cannabis als Lösung???

c @, Monday, 07.08.2006, 11:13 (vor 7320 Tagen) @ Markus

Hallo!

Vorab: Ich kenne die Verzweiflung die man auf der Flucht vor dem nächsten Anfall empfindet. Jedes Mittel scheint einem Recht zu sein. Daher nicht falsch verstehen, wenn ich hier Erfahrungen & Tipps zu einer Droge wie Cannabis gebe. Ich bin generell absolut gegen Drogen, habe aber Erfahrung gemacht bzw. mache sie, die es wert sind darüber zu reden. Ganz offen. 1. Ich habe noch NIE andere Drogen als Cannabis konsumiert, woran sich auch nichts ändern wird.

Die die sowas aus Prinzip nicht akzeptieren: Nicht weiterlesen, bzw. erst weiter unten wieder einsteigen - da kommen die Nachteile.

Cannabis-Einsatz bei Epilepsie:

Es existieren völlig unterschiedliche Meinungen. Im Zweifel haben die Mediziner recht. Der Körper wird beeinflusst und schädigt einige Bauteile. Für den Körper ist es also nicht "gesund", sondern schädlich. Relativieren: Alkohol mindesten genauso und wird i. d. R. deutlich mehr "so nebenbei" konsumiert.

Nuin meine persönlichen Erfahrungen:

1. Ob Cannabis überhaupt etwas bringt, hängt aus meiner Sicht stark von dem Ursprung und dem aktuellen Status der Epilepsie ab. Z. B.:
gibt es Auren vor dem Anfall, gibt es starke Schmerzen nach einem Grand Mal?? Ist man mental stark genug, den regelmäßigen Cannabiskonsum zu vermeiden? Nur da hat man eher die Chance, dass das mit dem C überhaupt was bringt:

2. Alkohol ist in Zusammenhang mit C. absolut tabu!

3. Die unterschiedlich eingenommenen Medikamente beeinflussen die Wirkung - auch die gefühlte - durchaus. Allerdings habe ich außer bei Keppra nur positive Erfahrungen damit. (Carba, Lamotrigin, Orfiril)

4. Finger weg von "so auf der Straße" gekauftem Zeug. Leider gibt es in Deutschland noch keine Möglichkeit medizinisches Gras zu erhalten - außer als künstliches Medikamt und das wiederum nur als Schmerzkiller für Aids, Krebs und andere "hoffnungslosen" Fälle. Wirklich bizarr. Hoffentlich erfolgt irgendwann die Entkriminalisierung.

5. Daher: Reine Sorten erhält man leider nur in Holland. Und muss sie dann illegal über die Grenze mitnehmen. Grotesk angesichts Milliarden Litern Alkohol die jährlich in Deutschland konsumiert werden. Aber wir wollen hier nicht politisch werden...

6. Abzuraten ist von starken Gräsern wie "Hayes" odere "White Widow" bzw. irgendwelchen Hasch-Sorten die man nicht identifizieren kann. Alles zu stark. Es geht hier nicht um High sein, oder "Druff" sein - es darf nicht als Spaß-Droge angewendet werden, sondern gezielt und bewußt zur Entspannung des Körpers, Beruhigung der Gedankenflut im Gehirn.

7. Sanfte Gräser wie "Smokey" erzielen zumindest bei mir den gewünschten Effekt: Klarer, nicht nebulöser/drogiger Einstieg in eine Entspannung. Nach einem Tag, an dem man merkt, dass die innere Unruhe immer mehr Überhand nimmt, an einem "epileptisch" gefährlichem Tag, ist C. offenbar ein gut dosierbares Mittel zum Zweck: Schneller, leicht kontrollierbarer Effekt. Auch nach einer langen Nacht kann der Körper beruhigt werden, dazu etwa eine heiße Tasse Kaba und bewußte Konzentration auf die innere Ruhe, die entsteht. Also ein bißchen Meditation - kein Fernsehen oder sowas.

8. Die Einnahme. Aus meiner Erfahrung ist die Wirkung leider nur über das Rauchen gut dosierbar (und das draußen mit viel Sauerstoff, denn alles in der Bude verwässert den gewünschten, kontrollierten Effekt und stinkt)

Diese Erfahrung mit Cannabis ist zumindest meine persönliche Erfahrung, die schon schlimme Auren unterbrechen konnte. Also ohne auf Chemie etwa wie Tavor zurückzugreifen. Das alleine rechtfertige es für mich es auszprobieren - mit Erfolg, seither nur noch fokale Anfälle, diese wiederum mit C. irgendwie unterbrechbar.

9. ABER: Cannabis verursacht Schäden: Auch Cannabis macht süchtig. Gerade wenn man einen "Erfolg" damit verspürt (also d^z. B. die erfolgreiche "Unterdrückung" eines Anfalls, bzw. dessen Besänftigung). Denn so wird wie bei allen Süchten Dopamin oder Serotonin ausgeschüttet, das Gehirn "erinnert" sich daran und will es wieder empfinden. Darüber muss man sich nicht nur im Klaren sein, sondern vorallem im Stande sein sich selbst wirklich VOR dem Konsum überlegen, ob man tatsächlich mit so etwas in Berührung kommen möchte. Meine Erfahrung: Kein Problem. Hauptsache nicht täglich sondern nur als Mittel zum Zweck einnehmen. Vom Lungenschaden mal ganz abgesehen is vorallem die Veränderung im Gehirn bei Langzeitkonsum ein Problem: Das Limbische System wird beeinflusst, insb. die Amygdala. Folge kann sein: Weitere Gedächtnissbeeinträchtigung, Gefühlsänderung (gesteigerte Sensibilät) und andere. Darüber muss man sich im Klaren sein und deshalb NICHT als regelmäßige Pseudo-Medikation einnehmen. Das geht einfach nicht!

10. Wenn man die oben geschilderten Beiträge nicht beherzigt: Finger weg. Es ist und bleibt eine Droge - wie Alkohol, aus meiner Sicht zwar verträglicher, ohne Suff-Gefühl, Kater und zu großer Zerstörung.

Mir war jedes Mittel, meine schweren Grand Mal Anfälle zu verhindern. Die Panik vor dem Anfall war mit sicherlich Schuld für die Intensität der Auren und dem daraus sich entwickelndem Anfall. Wachanfälle sind nunmal das Schlimmste was pasieren kann. Bei mir: Mit Cannabis: Alles deutlich sanfter und irgendwie habe ich gelernt dadurch mehr Konzentration auf die Entspannung während der Aura zu gewinnen.

Aber ganz ehrlich: Einige kriegen das alles mit reiner Meditation hin. Das ist mein nächster Schritt.

So, das ist meine Meinung. Ich wünsche allen hier im Foum viel viel Glück und Ruhe vor dem Sturm

C


gesamter Thread: