Re: angst

Marion44 @, Saturday, 23.02.2008, 19:13 (vor 6753 Tagen) @ jule

[zitat=jule]jemand aus meiner klasse hatte gestern auf dem schulhof einen anfall ich hatte ihn 2 minuten vorher noch angeschrien dann stand er neben uns und ich hab im augenwinkel gesehen wie er einfach umgefallen ist dann lag er und verkrampfte sich zuckungen an armen und beinen seine lippen und zunge wurden mit einem mal blau...als der anfall los ging hab ich gesagt das jemand seine beine unter den kopf legen soll und dann stabile seitenlage ich selbst konnte ihn nicht anfassen da ich ein halbes jahr in so einer anstalt gearbeitet hab und da schon immer schiss hatte.es war einfach nur schrecklich ihn zu sehen wie er nach luft schnappte und immer mehr zu zucken anfing doch dann plötzlich war alles vorbei er lag da und atmete für ca.3sekunden überhaupt nicht lag einfach da wie tot.auch wenn ich ihn nicht leiden kann in dem moment gestern hatte ich richtig angst um ihn ich dachte das ich gleich jemanden sterben seh.der ganze tag war furchtbar ich hab ständig die bilder im kopf wie er umfiel die zuckungen und dann das ruhige da liegen...meine frage ist nun da ich mir vorwürfe mache weil ich ihn so angeschrien hab kann das damit zusammen hängen oder sind die anfälle nicht emotionsbedingt???ihr würdet mir sehr helfen wenn ihr hier drauf was schreibt...danke im voraus...jule[/zitat]


Hallo Jule,

zuerst schließe ich mich mal dem Lob der Anderen über Dein Verhalten an. Die Lehrerin ist als Pädagogin da wohl fehl am Platze und bräuchte eine Fortbildung. Schließlich gibt es in fast allen Berufen Menschen mit Epilepsie - selbst bei Lehrern (sofern die Epi gut unter Kontrolle ist).

Aber ich möchte noch 2 andere Dinge sagen: Das Verhalten desjenigen (also Robert) mit der Epilepsie kann möglicherweise daher kommen, dass ihn selbst seine Krankheit sehr verunsichert, er sich daher ungeschickt verhält und dann wenig Freunde hat. So manch einer, der mit dieser Krankheit leben muss, hat besonders in jungen Jahren verständlicherweise selbst große Probleme damit. Epi ist immer noch weniger akzeptiert und macht anderen Menschen mehr Angst als z.B. eine leichte Spastik, eine Diabetis oder eine Körperbehinderung. Es sieht bei einem großen Anfall eben schlimmer aus als es ist. Und der Anfallskranke bekommt während des Anfalls ja nicht mit, was mit ihm passiert und wie es für die Anderen aussieht. Zudem ist auch vieles beim Umgang des Betroffenen mit Epi davon abhängig, wie die eigene Familie damit umgeht und das geht von Ignorieren bis zum Überbehüten.

Dann aber noch zu Deinem Schock (in dem du ja toll reagiert hast!). Es gibt Erfahrungen im Leben, die dauern in der Verarbeitung einfach länger. Ich habe z.B. als junge Frau mal ein paar Wochen ungelernt in einem Altenpflegeheim gearbeitet. In den ersten 2 Tagen sind dort 3 Personen gestorben und später noch weitere. Ich konnte am ersten Tag nichts essen, musste ständig daran denken, träumte nachts davon und hatte das Bedürfnis Anderen davon erzählen, - bis sie es nicht mehr hören konnten :-) Das nahe Mitbekommen eines Anfalls ist auch anfangs eine Art Schock für die Beobachter. Erlebt man so etwas öfter, geht man ganz gelassen damit um. Nimm es als eine Erfahrung, die Dich lehrt, was es im Leben so alles geben kann. Und wenn du irgendwo dem mal wieder begegnest, dann hast du schon etwas Kompetenz und weisst worum es sich handelt.
Bleib wie du bist, denn Dein Empfinden für Gerechtigkeit scheint gut entwickelt zu sein :-)

Übrigens gibt es eine Verwandtschaft zwischen Migräne und Epilepsie. Bei Migräne würde niemand so stigmatisiert werden.

Dir alles Gute!


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