Re: Autofahren ja/nein

'Leben mit Epilepsie' ⌂ @, Tuesday, 08.04.2008, 01:35 (vor 6709 Tagen) @ Jessica

[zitat=Jessica] Nun hatte ich in der letzten Woche eine kleine Attacke und zwar habe ich ein Nok out (Absence) gehabt... wieder im Schlaf. Ich muss dazu sagen, dass ich das aber vorher merke, wenn es "soweit" ist.
Liebe Grüße Jessica[/zitat]

Hallo Jessica,

ein Knockout in der Nacht ist dies wirklich nur 'Absencen' ??

"Absencen sind 'kleine', sehr kurze epileptische Anfälle ohne 'Krampfen'. Führendes Zeichen ist eine kurze 'Abwesenheit' mit fehlender Ansprechbarkeit und Erinnerungslücke (Amnesie)."
Typische Absencen beginnen und enden plötzlich. Eine beliebige Tätigkeit wird plötzlich unterbrochen und hinterher genauso unvermittelt fortgeführt, als ob nichts passiert wäre. Während einer einfachen oder 'blanden' typischen Absence nehmen die Betroffenen ihre Umgebung nicht wahr, wirken benommen oder verträumt und verharren meist regungslos. Bei einer komplexen typischen Absence kommt es zusätzlich zu Störungen wie einem rhythmischen Augenblinzeln, Herabsinken von Kopf oder Armen, Rückwärtsbewegen von Augen, Kopf
und Rumpf, automatisch ablaufenden Mundbewegungen und anderen Handlungen oder auch Veränderungen der Hautfarbe oder des Pulses.
Weil Absencen so kurz sind und die Betroffenen selbst nichts merken, bleiben sie oft lange unerkannt, werden als Unaufmerksamkeit ('verträumte' Kinder, 'Hans-guck-in-die-Luft') oder – besonders in der Schule – auch als Unfähigkeit oder fehlender Wille mißverstanden. Andere Anfallsformen können an Absencen erinnern, besonders wenn sie durch Medikamente abgekürzt und abgeschwächt sind. Dies gilt bei älteren Kindern und Erwachsenen vor allem für so genannte fokale Anfälle mit Bewußtseinsstörung ('komplexe' fokale Anfälle, siehe S. 44).Im Unterschied zu Absencen beginnen diese aber häufiger mit einem von den Betroffenen erinnerten und als Aura bezeichnetem Vorgefühl, dauern meist über eine Minute und enden langsam mit einer nur allmählich abklingenden 'Umdämmerung'.

Merkmal
typische Absence
Bevorzugtes Alter 4–20 Jahre
Epilepsie-Syndrom idiopathisch
Anfallsdauer 10-20 sec
Beginn plötzlich
Ende plötzlich
Häufigkeit mehrfach täglich
Bewußtlosigkeit vollständig
Hyperventilation häufig anfallsauslösend
Fotosensibilität häufiger vorhanden
Begleitphänomene häufig kurzes Lidflattern
EEG beidseits seitengleiche
epilepsietypische Aktivität
(3-mal pro Sekunde)
Therapieprognose günstig


Quelle : Diagnose Epilepsie (S.38/39) Dr. med. Günter Krämer , Epilepsieklinik, Zürich

Das was du in der Nacht hattest scheint mehr als typische Absencen.

Deinen Anfall solltest du unbedingt deinem Neurologen schildern. Nur dadurch kann er dich besser einstellen oder in einer Epilepsie-Klinik einstellen lassen.

http://www.epilepsie-netz.de/129/Adressen__Kliniken_/Universitaetskliniken.htm

http://www.epilepsie-netz.de/130/Adressen__Kliniken_/Uebrige_Kliniken_und_Institute.htm

Zu Führerschein :

Neu aufgetretene Epilepsie, deren Therapieresistenzen nicht erwiesen ist

Fahrerlaubnis nach 1-jähriger Anfallsfreiheit, da kein wesentliches Rückfallrisiko anzunehmen ist.

Es kann dein Arzt 6 Monate bis zu 1 Jahr erneut Fahrverbot anordnen.
D.h. 6 Monate oder 1 Jahr anfallsfrei.

Im positivsten nur 3 Monate erneute Anfallsfreiheit/Fahrverbot.

http://www.epilepsie-netz.de/155/Epilepsie-Ratgeber/Fuehrerschein.htm

Fährst du jetzt nach erneutem Anfall und/oder erneutem Fahrverbot gefährdest du nicht nur dich oder andere, sondern du handelst für deine Versicherung grobfahrlässig.
Alle Kfz-Versichersicherungen stufen Alkohol und Epilepsie unter grobfahrlässig ein, auch wenn es einen allgemeinen Passus auf Verzicht von grobfahrlässig gibt.
D.h. die Versicherung zahlt den Schaden, aber verklagt dich anschließend.
Bei Blechschaden (2-3 Autos locker 60.000,-)
Mit Personenschaden und Invalidenrente für Opfer locker 200.000,-

Deine Epilepsie in den Griff zu kriegen, sollte dir wichtiger sein als Autofahren,


liebe Grüße

Ragnar


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