Hilfe von Profis (Epileptologen)?
Hallo Ralf,
ich bin gut 30 Jahre falsch therapiert worden und dann in ein Epilepsie-Zentrum gegangen, das mir geholfen hat. Man muss sich allerdings daran gewöhnen, dass in Universitätskliniken und Epilepsie-Zentren die Fachkenntnis im Vordergrund steht, nicht das Gespräch. Oder Du musst klare Fragen stellen, sie werden dir bestimmt beantwortet.
Als ich an Epilepsie erkrankte, gab es die Informationsquelle Internet noch nicht. Ich bin der Meinung, dass folgende Hinweise und Tipps ein erster Anfang sein können, die Krankheit in den Griff zu bekommen.
Wie kann ich die Zahl der Anfälle bis auf ein Minimum reduzieren und dabei dem Arzt und mir selbst helfen?
a) Die regelmäßige Medikamenteneinnahme ist das A und O einer erfolgreichen Therapie.
b) Änderungen der Tabletteneinnahme sollte grundsätzlich nur in Absprache mit dem Neurologen erfolgen.
c) Abweichungen der Wirksamkeit von Generika und Re-Importen im Verhältnis zu den Originalmedikamenten sollten dem Arzt mitgeteilt werden.
d) Ein Anfallskalender sollte sorgfältig geführt werden.
e) Von Angehörigen oder sonstigen Dritten sollte der Anfallsablauf genauestens aufgeschrieben werden. Anhand dieser Aufzeichnungen (u. U. auch Videoaufnahmen) sieht der Arzt, welcher Anfallstyp es ist und kann besser therapieren.
f) Auf Alkohol sollte möglichst ganz verzichtet werden, ebenso auf Flackerlicht in der Diskothek.
g) Beim Schlafen sind zwei Punkte von größter Wichtigkeit: Erstens darf es nicht zum Schlafentzug kommen und zweitens sollte der Schlaf-/Wachrhythmus eingehalten werden.
h) Ein Besuch beim Neurologen sollte einmal im Vierteljahr erfolgen.
i) Die Richtlinien „Epilepsie und Führerschein“ sollten beachtet werden.
j) Die Behandlung sollte nur durch einen Facharztes für Epilepsie erfolgen.
Sehr wichtig ist der Facharzt.
a) Der Neurologe sollte der erste Ansprechpartern sein. Er hat Grundkenntnisse auf allen Gebieten der Neurologie. Er versteht zwar die Zusammenhänge zwischen den neurologischen Erkrankungen, das Fachwissen über Epilepsie fehlt ihm. Er kann zwar das Krankheitsbild Epilepsie bestimmen, viel mehr aber nicht.
b) Neurologen mit Epilepsie-Zertifikat haben haben eine Zusatzausbildung für Epilepsie. Oft haben sie als Arzt in Epilepsie-Ambulanzen oder Epilepsie-Zentren praktiziert. Sie verfügen über Grundkenntnisse der Epileptologie.
c) In den Epilepsie-Ambulanzen finden wir Neurologen mit Epilepsie-Zertifikat und Epileptologen. Sie arbeiten im Team und tauschen sich aus. Den Vorteil haben die Patienten.
d) Die Epilepsie-Zentren sind schlichtweg die besten Kliniken für Epilepsiekranke. Dort haben es die Ärzte, überwiegend Epileptologen, täglich mit Epilepsie-Kranken zu tun. Sie sind fit auf allen Gebieten dieses Krankheitsbildes und auch in der Lage, andere Fachrichtungen mit einzubeziehen.
Gute Fachärzte, egal ob Frauenärzte oder Epileptologen, arbeiten interdisziplinär, sie kennen die Wechselwirkungen zwischen Antikonvulsiva und Verhütungsmitteln. Sie wissen außerdem Bescheid über das Thema Schwangerschaft und Antikonvulsiva.
Liebe Grüße und gute Besserung
Anton
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