Warum werden epi´s so behandelt

Anton, Saturday, 14.11.2009, 23:03 (vor 6122 Tagen) @ dannie89

Hallo Dannie,

aus Deinen Beiträgen entnehme ich, dass dich die Krankheit stark beherrscht und dir das Gefühl gibt, im täglichen Leben eingeschränkt zu sein. Kann es sein, dass Du nicht in fachärztlicher Behandlung bist. Beim Facharzt denke ich an einen Neurologen mit Zusatzausbildung Epilepsie (zu Zeiten, in denen alles zertifiziert wird, hat auch er ein Zertifikat, und zwar eins für eine Zusatzausbildung Epilepsie).

Ich stand auch erst ganz schön allein auf weiter Flur. Weil ich mich grundsätzlich an die Regeln für Anfallskranke halte, blieb uns der Besuch weg. Unsere Bekannten fühlten sich auf Partys beobachtet, weil ich nichts getrunken habe. Ich habe mich sehr wohl dabei gefühlt und war am Ende froh, dass die, denen es nicht passte, wegblieben. Ich glaube, ganz wichtig ist, dass man sein Gesicht nicht verliert. Auch Du solltest nicht dich, sondern die „Vieltrinker“ und „Partyhengste“ für die Ausnahmen halten, denn Du bist ganz normal.

Ich trinke jetzt schon sehr lange keinen Alkohol mehr. Und fühle mich ganz wohl. Durch die Epilepsie hat mein Leben eine andere, vielleicht auch bessere Qualität bekommen. Ich lebe bewusster, gesünder und fühle mich nicht gezwungen, das Flatrate-Trinken mitzumachen. Ferner habe ich erfahren, wer meine wirklichen Freunde sind. Sie haben Verständnis für mich und halten zu mir. Trotz der Krankheit.

Es gibt viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Wenn man dazu „gezwungen“ wird, erfährt man erst, was es alles gibt. Ich denke an die Volkshochschulen, an die Evangelische Familienbildungsstätten und an alle anderen Einrichtungen und Vereine, die mit einem durch die Bank großen Bildungs-, Sport-, Freizeit- und Gesprächsgruppenangebot dir viele Möglichkeiten eröffnen. Es gibt beinahe nichts, was nicht angeboten wird. Auch für dich ist das Richtige dabei. Dort findest Du Menschen, die außer Trinken auch noch andere Sachen beherrschen.

Ich bin kein Freund der Selbsthilfegruppen. Will mir nicht noch die Sorgen anderer anhören, sondern abgelenkt werden und an Schönes denken. Mal dort hinzugehen, ist bestimmt nicht verkehrt, es gibt Info zur Krankheit und ein Austausch findet statt. Ich finde, den bekommt man viel besser im Internet, z. B. hier im Forum. Vorteil, man ist anonym. Das ist gut und konstruktiv. Aber es darf nicht der einzige Weg der sozialen Vernetzung bleiben.

Ich kann dich gut verstehen. Dafür ist es noch zu frisch. In so kurzer Zeit kann man sich nicht umstellen. Aber es gibt die Möglichkeiten. Das ist schon etwas wert. Ich wünsche dir viel Erfolg. Und natürlich das Wichtigste: Bessere Gesundheit.

Liebe Grüße
Anton


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