warum soll ich noch leben

zwergmelli, Sunday, 07.02.2010, 15:15 (vor 6038 Tagen) @ dannie89

Hallo,

Dein neues Motto ist gut, aber nicht alles kann besser werden, sondern alles wird besser werden!!

Ich kann Dir nur aus meiner Erfahrung sagen, dass man sich immer fragt warum ich? wie soll das alles weitergehen? Mich hat es mit 22 Jahren wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Morgens in die Arbeit gegangen, und Abends auf der Intensivstation aufgewacht. War nicht wirklich schön. Und dann ging alles noch weiter bergab. Und das alles nur weil ich eine Zangengeburt war und wohl nicht genug Sauerstoff während der Geburt bekommen habe. Dann haben sich meine Freunde von mir abgewandt, meine Arbeitgeber hat es mir nicht wirklich einfach gemacht. Die Anfälle wurden immer schlimmer. Anfallsserien die erst nach Stunden im Krankenhaus durchbrochen werden konnten. Medikamentendomino... Aufdosieren, Nebenwirkungen, ausdosieren ein neues Aufdosieren usw. Ich wollte auch einfach alles hinwerfen, hatte keinen Antrieb mehr um mich mit der Krankheit abzufinden.

Irgendwann bin ich nachts aufgewacht und hab mir gesagt dass das alles so nicht weitergehen kann. Ich kann so nicht mehr weitermachen. Da gab es dann nur zwei Wege. In einem Strudel aus Fragen, Traurigkeit, Depressionen und Ängsten unterzugehen oder aufzustehen und über den steinigen Weg zu laufen der vor mir liegt. Ich habe mein Leben radikal geändert. Mit viel Selbstdisziplin lebe ich in einem geregelten Tagesablauf. Ich stehe möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit auf, nehme immer zur gleichen Zeit meine Medikamente (Keppra 1000-500-1000, Lamotrigin 50-0-50) In der Arbeit mache ich keine Schichtdienste mehr, sondern arbeite von 08.30 bis 17.00 Uhr. Fahre mit dem Bus in die Arbeit. Und aus all diesen geregelten, täglich wiederkehrenden, und am Anfang für mich total unmachbar und absurd erscheinenden Abläufen, versuche ich die positiven Dinge zu sehen. Z.B. schau ich mir wenn ich im Bus sitze die Welt an und entdecke oft Dinge die ich vorher als ich im Auto saß nicht gesehen habe. Ich bin jetzt wieder die Durchgeknallte, Lebenslustige und Quirlige die ich vorher war.

Das alles klingt jetzt total easy. Aber es waren vier lange harte Jahre. Um es mit meinen Worten zu sagen: "Ich hatte das Gefühl ich gehe durch die Hölle" Am Anfang schien der Weg für mich aussichtslos. Aber wenn ich jetzt zurückschaue hat mich das alles nur noch stärker gemacht und mir gezeigt dass ich zu meiner Krankheit stehen muss und diese nur bewusst und aktiv bewältigen kann.

Heute bin ich 26 Jahre, habe endlich eine Medikation gefunden mit der es mir besser geht und ich befinde mich auf dem besten Weg anfallsfrei zu werden. Doch mein steiniger Weg wird hier noch nicht zu Ende sein. Jetzt ist es ein Stück aus Kieselsteinen und es lässt sich gut darauf laufen. Ich weiß nicht wie lange dieses Stück sein wird. Vielleicht kommen irgendwann auf meinem Weg wieder große Steine und Brocken, aber wie sagt ein schönes Sprichwort? "Auch aus Steinen die einem in den Weg gelegt werden kann man schönes machen"

Verliere nie den Mut! Auch für Dich kommen wieder bessere Tage. Lass den Kopf nicht hängen.

Wenn Du jemand zum quatschen brauchst, dann schreib mir einfach eine Email, ich habe immer ein offenes Ohr

Alles Gute!
Melanie

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Die Krankheit gibt Dir die Chance, die allgemeine Daseinssituation intensiver und radikaler zu durchschauen als es sonst in der durchschnittlichen Lebenswelt der Fall ist.


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