Unsicher im Umgang mit der Epilepsie meiner Frau

Schwabi, Thursday, 25.02.2010, 21:25 (vor 6019 Tagen) @ jan.arnemann

Lieber Jan,

oh...als ich den Eintrag las, da sah ich direkt mich vor mir.
Wenn es Dich interessiert...ich habe etwas weiter unten den Eintrag geschrieben: Anfallsneigung nach der OP ".
Mir geht es wie Dir. Ich sitze abends neben ihm auf dem Sofa und seine rechte Hand zuckt öfters mal. Wenn ich das aus den Augenwinkeln heraus sehe, da stellen sich sämtliche Alarmglocken ein und mein Magen krampft sich zusammen.Ich versuche ruhig zu bleiben, aber ich muss dann unter einem Vorwand das Wohnzimmer verlassen,um meinen Kopf wieder frei zu bekommen von der Vorstellung, dass gleich wieder etwas kommen könnte.
Wenn mein Mann bei seinen seltenen Anfällen,die nur fokal sind, also nicht über den ganzen Körper.....anfängt mit dem Satz " Ich glaube, es geht mal wieder los", da könnte ich teilweise völlig überreagieren mit Wut ,die aus der Angst heraus entsteht.
Ich habe mir mittlerweile Hilfe geholt von einer ganzheitlichen Lebensberaterin.Ich bin nach den Anfällen so am Ende, dass mir tagelang übel ist ,ich nichts essen kann und ich unter Kopfschmerzen leide.Meine Beraterin meinte, dass dies ein Zeichen sei, dass man das "Leiden" des anderes zu sehr übernimmt.Das heisst, man leidet mit und das ist nicht der Sinn der Sache.
Ich weiss, es ist unheimlich schwierig , den Kopf auszuschalten, aber man muss sich in dem Falle einfach deutlich machen, dass man mit der eigenen Angst noch mehr Angst und Bekümmertheit in dem Menschen erzeugt, der ja das größere Problem eigentlich hat.
Meine Beraterin gibt mir immer Mut, hilft mir nach den Anfällen wieder zu Kraft zu kommen,in dem sie mit mir darüber spricht.Es ist nämlich einfacher ,mit einem Menschen darüber zureden, der nicht in diese Angelegenheit verwickelt ist.Ich meditiere viel, vor allem nachts, wenn mein Mann im Bett ist und schläft. Da bin ich dann völlig mit mir alleine in der Ruhe und weiss, dass er nebenan schläft und nichts passieren kann.Ich zapfe dabei die universelle Lebensenergie an und ich gehe danach immer völlig gestärkt ins Bett.
Suche Dir eine Möglichkeit, für Dich selber eine Entspannung zu finden.Etwas, das nur DU machst und alleine.Ich sammle in diesen Momenten neue Kraft,um meinem Mann zur Seite zu stehen.

Es gab auch schon Zeiten seit 2006,in denen ich mich fragte, ob das nun mein ganzes Leben so weitergehen soll.Man ist frustriert und würde gerne sein altes Leben wieder haben.Ich habe durch meine gefundene Spiritualität erkannt, dass alles irgendwie einen Zweck hat.Solche "Durststrecken" , so denke ich, sollen uns irgendwie prüfen,ob wir "in guten wie auch in schlechten Zeiten " zueinander halten.Und nach einem Tunnel kommt meistens irgendwann wieder ein Licht und das Ende des Tunnels.
Kleiner Tip: suche Dir eine Möglichkeit, Dich auszusprechen, Deine Ängste loszuwerden. Vielleicht gibt es ja auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige in deiner Nähe.

Mache aber nicht den Fehler und denke, Du müsstest nun jede Minute um Deine Frau sein aus Angst, sie könne ein Anfall bekommen, wen Du ausgerechnet NICHT da bist. Meine Beraterin sagte, dass das, was geschehen soll auch geschieht......wir können es nicht beeinflussen und auch nicht unbedingt verhindert. Wir müssen deshalb lernen,unser Leben weiter zu leben , so normal wie möglich.

Also....kaufe Dir mal eine schöne geführte Meditation auf CD und lass Dich mal auf eine Phantasiereise führen. Glaube mir,mit der Zeit lernst Du, zu entspannen und Ängste loszulassen.

Würde mich freuen, wenn wir uns hier austauschen könnten. Es tut immer gut, Gleichgesinnte zu finden.


Liebe Grüße

Anja


gesamter Thread: