Auren und Konzentration

Anton, Monday, 05.04.2010, 16:31 (vor 5981 Tagen) @ nini

http://www.epilepsie-saw.de/epilepsieambulanz.htm


Hallo Steffi,

mit Deinem Post hast Du mit dir mal wieder ein Einzelschicksal dargestellt, das beispielhaft ist für die schlechte, oft noch unzureichende fachärztliche Versorgung von Epilepsie-Patienten. Ich kenne die Neurologie der Uni-Klinik Essen. Ich habe dort auch Herrn Professor Dr. Hufnagel kennengelernt. Er ist ein hervorragender Mensch und guter Schmerztherapeut, er betreibt seit einigen Jahren eine Privatpraxis in Düsseldorf. Und er setzt sich über Gebühr für Epilepsie-Kranke ein. Aber was bringt der beste Arzt im Haus, was er dich nicht behandelt.

Aus dem Grunde rate ich allen, nicht in die Epilepsie-Ambulanzen zu gehen, sondern in schwierigen Fällen die Ambulanzen der Epilepsie-Zentren aufzusuchen, trotz oft monatelanger Wartezeit. Einige Neurologien der größeren Krankenhäuser und die in den Unikliniken nennen sich auch „Epilepsie-Ambulanz“. Ich finde, sie sind oft mit dieser Bezeichnung zu schnell bei der Hand, die Zeche zahlt der Patient.

Ich füge dir einen Link, der die Epilepsie-Ambulanzen und –Zentren aufführt, bei. Ferner hänge ich an ein Dokument, das die Punkte nennt, die ein Patient mit Epilepsie beachten sollte, damit er die Zahl der Anfälle niedrig hält. Ich wünsche dir gute Besserung.

Liebe Grüße
Anton


Wie kann ich die Zahl der Anfälle reduzieren und dabei dem Arzt und mir selbst helfen?

a) Die regelmäßige Medikamenteneinnahme ist das A und O einer erfolgreichen Therapie.
b) Eine Änderung der Tabletteneinnahme sollte grundsätzlich nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
c) Abweichungen der Wirksamkeit bei Generika oder bei Re-Importen von den Originalmedikamenten sollten unverzüglich dem Arzt mitgeteilt werden. Der Arzt sollte möglichst das aut idem Kreuz markieren und den Hersteller des Mittels auf das Rezept schreiben.
d) Ein Anfallskalender sollte sorgfältig geführt werden.
e) Wenn Angehörige oder Dritte den Anfallsablauf genauesten aufschreiben, kann es für den Arzt eine große Hilfe sein. Anhand dieser Aufzeichnungen (u. U. auch Videoaufnahmen) sieht er, welcher Anfallstyp es ist und kann die Krankheit dementsprechend besser therapieren.
f) Auf Alkohol sollte möglichst ganz verzichtet werden, ebenso auf Flackerlicht in der Diskothek.
g) Für den Schlaf gilt: Es darf nicht zum Schlafentzug kommen. Der Schlaf-/Wachrhythmus muss eingehalten werden.
h) Ein Besuch alle Vierteljahr beim Neurologen ist sinnvoll (Blutserumkontrolle und EEG-Messung).
i) Die Richtlinien „Epilepsie und Führerschein“ sollten beachtet werden.
j) Die Behandlung sollte nur durch einen Facharzt für Epilepsie erfolgen.

Sehr wichtig ist der Facharzt.

a) Der Neurologe kann nur der Ansprechpartner sein. Er hat Grundkenntnisse auf allen Gebieten der Neurologie. Er versteht die Zusammenhänge zwischen den neurologischen Erkrankungen, Kenntnisse über das Anfallsleiden hat er nur wenig. Er kann zwar das Krankheitsbild Epilepsie bestimmen, viel mehr aber nicht.

b) Neurologen mit Epilepsie-Zertifikat haben haben eine Zusatzausbildung für Epilepsie. Oft haben sie als Arzt in Epilepsie-Ambulanzen oder Epilepsie-Zentren ihre Arbeit versehen. Sie verfügen über Grundkenntnisse der Epileptologie.

c) In den Epilepsie-Ambulanzen finden wir Neurologen mit Epilepsie-Zertifikat und Epileptologen. Sie arbeiten im Team und tauschen sich aus. Den Vorteil haben die Patienten.

d) Die Epilepsie-Zentren zählen schlichtweg zu den besten Kliniken für Anfallskranke. Dort haben es die Ärzte, überwiegend Epileptologen, täglich mit Epilepsie-Kranken zu tun. Sie sind fit auf allen Gebieten dieses Krankheitsbildes und auch in der Lage, andere Fachrichtungen mit einzubeziehen.

Gute Fachärzte, egal ob Frauenärzte oder Epileptologen, arbeiten interdisziplinär, sie kennen die Wechselwirkungen zwischen Antikonvulsiva und Verhütungsmitteln. Sie wissen außerdem Bescheid über das Thema Schwangerschaft und Antikonvulsiva.

„Die operative Therapie“

Sollte trotz aller Versuche, die medikamentöse Therapie nicht zum gewünschten Erfolg führen, ist bei einigen Anfallsarten ein epilepsiechirurgischer Eingriff möglich. Sofern Epileptologen ihn empfehlen, kann es zu einer Verbesserung bis hin zur Anfallsfreiheit kommen. Aukünfte dazu gibt das Internet, der behandelnde Neurologe und die Epilepsie-Zentren.


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