bin langsam Ratlos

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 29.08.2011, 23:51 (vor 5468 Tagen) @ dirkjutta

Hallo Jutta!

Das Gefühl, nicht zu wissen, wie es weitergehen soll, sich zu Fragen, weshalb man sich nach jedem Anfall überhaupt wieder aufraffen soll, wenn doch nur irgendwann der nächste ins Haus steht und immer wieder neue Probleme mit sich bringt, kenne ich von vor etwas mehr als einem Jahr nur zu gut. Damals haben mich meine damaligen Medis nicht nur Depressiv gemacht, sondern einige Anfälle auch meine ganze Zukunftslaufbahn durcheinander gewirbelt - und ich bin noch jung und werde wohl auch für den Rest meines Lebens mit der Epilepsie leben müssen.

Genauso kann ich Dir aber versprechen, dass es immer wieder aufwärts geht, wenn man einfach weiter macht, wenn es einem auch noch so dreckig geht. Es fällt mir auch heute noch manchmal schwer, mich auf schöne Kleinigkeiten zu konzentrieren, um nicht daran zu denken, was alles passieren könnte oder sonst irgendwie an die Epilepsie zu denken, aber dann gehe ich z.B. hinaus in unseren Garten, auf den Rasen, der eher einer halbherzig gepflegten Wiese gleicht und rupfe ein paar der Pilze, die sich breit machen, aus und fühle das Gras zwischen meinen Fingern. Ein herrliches Gefühl - rau, und doch irgendwie weich und lebendig. Ich liebe das Gefühl von Gras zwischen meinen Fingern.

Falls Du das Gefühl hast, alleine mit Deiner Krankheit dazustehen und Hilfe zu brauchen, kann ich Dir empfehlen, z.B. eine Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe aufzusuchen. Es gibt auch von Caritativen Verbänden sogenannte psychosoziale Beratungsstellen, bei denen man sich einfach einmal "auskotzen" kann, ohne gleich eine Psychologen aufzusuchen - was aber unter keinen Umständen heißen soll, dass das eine schlechte Alternative wäre. Geh in einen Verein, wo Du unter andere Menschen kommst und geh ruhig offen mit Deiner Krankheit um. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass zum einen das Interesse daran oft groß ist und man in Vereinen, bei was auch immer, einfach gut abschalten kann. Und such Dir irgendetwas, das Du tust, wenn Du einmal Nachts wegen irgendwelchen Gedanken wegen der Epi nicht einschlafen kannst. Ich lese z.B. für mein Leben gern.

In was für einer Klinik warst Du denn damals, als Du diese schlechten Erfahrungen gemacht hattest? Und wann war das? Kennt man bei Dir die Ursache Deiner Epilepsie? Was für Medikamente nimmst Du denn gerade und in welcher Dosierung? Warst Du wegen der Epilepsie schon einmal auf Kur in einer auf Epilepsie spezialisierten Kurklinik?

Angst, dass Dir so ein Albtraum wie Dir in den heutigen Spezialkliniken noch einmal widerfährt, musst Du, nach allem was ich selbst dort bisher erfahren und von anderen gehört habe, nicht haben. Vertrau Dich den Spezialisten dort an, ganz gleich ob ambulant oder stationär. Die können einem wirklich helfen.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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