Arbeit finden mit Epilepsie

Xandri, Niedersachsen, Wednesday, 15.02.2012, 17:44 (vor 5298 Tagen) @ dhhnel

Ich bin 21 Jahre alt und hatte meinen ersten Anfall mit 13,5 Jahren.
Die Anfälle traten nur in der Aufwachphase, also morgens im Bett, auf.
Ich wurde medikamentös eingestellt und hier und da trat vereinzelt mal ein Anfall auf.
Dann war ich ziemlich lange anfallsfrei, sodass ich mit 17,5 jahren komplett ohne Medikamente war. Wir dachten, ich hätte es überstanden. Aber kurz vor meinem 18. Geburtstag kam dann wieder ein Anfall. DAS war ein Schock.
Wieder bekam ich Medikamente, die ich auch jetzt noch nehme und mit denen ich bis vor kurzem auch anfallsfrei leben konnte. Bis ich letzten Sommer meinen ersten Anfall aus heiterem Himmel in der Schule bekam,... aber das tut hier ja nichts zur Sache.
Worauf ich hinaus will:
Ich habe 2010 mein Abi gemacht und mich überall auf einen Ausbildungsplatz beworben.
Dabei habe ich nichts von meiner Epilepsie erwähnt (durch die Anfallsfreiheit habe ich mich auch nicht als "krank" angesehen). Ich muss dazu sagen, dass ich keinen Schwerbehinderten-Ausweis habe.
Dann erhielt ich eine Zusage von der AOK-Niedersachen. Wie passend :-D
Zu Beginn der Ausbildung musste ich lediglich eine Bescheinigung vom Arzt ausfüllen lassen, ob ich in der Lage bin, diesen Beruf auszuüben (Sozialversicherungsfachangestellte). Und ja, das war ich.
Mit Ende des 1. Ausbildungsjahres habe ich dann einen Anfall in der BBS bekommen,.. von da an musste ich es dann erzählen. Meine Ausbildungsleiterin macht sich mitlerweile mehr Gedanken, als ich selber. Und auf die Frage, warum ich nichts gesagt hätte, antwortete ich, dass mich 1. keiner danach gefragt hat, 2. der Arzt bescheinigen sollte, OB ich in der Lage bin, diesesn Beruf auszuüben,3. ich nicht als unzurechnungsfähig abgestempelt werden wollte und 4. ich mich aufgrund längerer Anfallsfreiheit nicht als krank gesehen habe.
Vor 2 Wochen hatte ich dann meine Zwischenprüfung. Alles war SO GUT vorbereitet, dass ich eigentlich gar keinen Anfall kriegen konnte,...
Aber es kam, wie es kommen musste,... eine Stresssituation - mit Abgeben der 2. von 3 Klausuren bekam ich einen Anfall.
Der Prüfungsausschuss hat sich sowas von gut um mich gekümmert und gesagt, dass ich die 3. Klausur auch nachholen könnte.
Nach 1 1/2 Stunden Pause wollte ich dann trotzdem mitschreiben. Aufgut Glück, was DAS geworden ist,... :D Aber hierbei zählte nur die Teilnahme.

Lange Rede - kurzer Sinn, ich denke es gibt überall Ausbildungsbetriebe, die Verständnis für Epilepsie haben. Es kommt natürlich auf den Einzelfall an, aber das Beispiel zeigt doch, dass die Reaktion auf die Krankheit nicht immer negativ sein muss. Ja Ok, wenn nicht die AOK Verständnis zeigt, wer denn dann :-D

In diesem Sinne wünsche ich dir viel viel Glück! Es findet sich auf jeden Fall was. Und wenn nicht gerade in Sachen Computer, dann etwas anderes, was sicher auch Spaß macht!


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