Neuer Epi Patient

mezeg, München, Thursday, 01.11.2012, 16:40 (vor 5037 Tagen) @ adicolor
bearbeitet von mezeg, Thursday, 01.11.2012, 17:04

Hallo André,

zuerst vorab: bei mir handelt es sich um eine durch ein Menigeom "erworbene Epilepsie" und ich bin eine alte Schachtel und war nie auf Discos scharf, eben Lichtspiele und Lautstärke.

Versuche auch gleichzeitig Deinen ersten Eintrag zu beantworten. Bei mir erfolgten die Anfälle vor der OP nur nachts, als Zeugen nur meine zwei Katzen, die jede Aussage verweigerten :-D . Zeichen: Erschöpfung am nachfolgenden Tag, in der letzten Zeit vor der OP Zungenbiss (was zur Epilepsie-Diagnose führte) und "einnässen", was mich lange daran hinderte, bei der Hausärztin zu sprechen... :-( :-(

Nach der erfolgreichen OP und 6 Monate Keppra kam der erste GM-Anfall tagsüber. Der Neurologe verschrieb mir 100 - 0 - 100 Lamotrigin, ich bat darum eine - nicht definierte Weile - auf 50 - 0 - 50 zu bleiben, mußte mich nach 2 späteren GM geschlagen geben. Jetzt stehe ich auf 125 - 0 - 100. Scheint zu funktionieren, die empfundenen Auras könnten von der inneren Narbe kommen. Die meisten Probleme haben mit Sprache zu tun, ich denke vollkommen richtig, kann aber kurz nicht oder nur stammelnd sprechen oder nehme Gelesenes oder Gesprochenes nur als unförmiges Brei wahr. Im neuen längeren EEG wurde festgestellt, daß das Gebiet um die Schädelöffnung langsamer reagiert. In der Nähe liegt das Sprachzentrum, das sowieso vor der OP als gefährdet galt. Der Umsetzer Innen <-> Außen scheint manchmal zu klemmen. Epileptische Anzeichen scheint nicht mehr vorhanden zu sein.

Es gibt auch verschwommene Erinnerung mit Unruhe, manchmal unter Strom. Der Versuch sie "scharf" zu stellen ist ungut. Vor kurzem hat es mir beim Radfahren erwischt, ich hatte nicht das Gefühl den Lenker nicht richtig zu halten, eine Tochter fuhr direkt hinter mir und hätte jede Änderung an dem Fahrverhalten sofort anmoniert.

Aber keine GM-Anfälle mehr. Deine Lamotrigin-Dosis scheint für Deine Probleme ziemlich niedrig zu sein.

Bei den nächtlichen Anfällen war ich eben allein. Bei den ersten zwei Anfälle tagsüber spürte ich eine verschwommene Erinnerung unter Strom von rechts nach links, dachte "Ein Lied von Ricchi & Poveri?", dann die gleiche Welle und ich wachte später (nach einer Stunde oder so was?) gemütlich, ausgeruht, kuschelig-warm im Bett... aber wie war ich dahin gekommen??? Dachte zuerst kurz, jemand wäre in dieser Zeit in die Wohnung gekommen. Ich hatte wohl gekrampft, weil ich später einen blauen Fleck auf der Schulter vorfand, wohl gegen die Stuhllehne geschlagen.

Das zweite Mal starkes Unwohlsein im Bad (als ob ich nur noch Leere wäre), setzte mich auf der Wannenkante und erwachte wieder im Bett. Habe später zufällig gemerkt, daß ich in der Zwischenzeit auf die Toilette ordnungsgemäß gegangen war. Eine sehr vage Erinnerung von meinem Kater, der mich im Bett vom Gang aus verwirrt zuschaute. Kleiner runden blauen Fleck, der wohl von einem Sturz auf ein Regal im Bad herkam. Kann nicht sehr stark gewesen sein.

Also wußte beide Mal instinktiv, was für mich gut war.

Das 3. Mal war eine Tochter dabei, wir spielten Karten. Ich spürte nur den Strom, dann war ich "weg". Ich soll eine Frage nach Kartoffeln-Typen mit "Hartz IV" beantwortet haben, die Hand auf ihre Karten gesetzt, welche zum Boden geschmissen, dann gekrampft und gebissen. Ich saß in einem Balkon-Armsessel. Vielleicht wäre ich ins Bett gegangen, wenn ich alleine gewesen wäre.

Sie rief den Sanka, ich wurde "wie einen naßen Kartoffelsack" ins Wohnzimmer getragen, wo ich nach einer guten Weile aufwachte. Ich soll offenen gläsernen Augen die ganze Zeit gehabt haben. Dann konnte ich schlagartig normal und vollkommen logisch denken, die Lage analysieren. Mein Blick soll auch sofort klar geworden zu sein. Als einer der Sanitäter (sanft) sagte, daß sie mich ins Krankenhaus bringen wollen, dachte ich sofort "Quatsch! Ich muß nur heute abend um 25 mgr erhöhen, wie der Neurologe gesagt hatte und ihn dann aufsuchen". Ich konnte erst beim dritten oder vierten verzweifelten Versuch den Satz deutlich aussprechen. Ich gab schließlich nach, ins KKH gefahren zu werden, weil Sanitäter und noch schlimmer beide Töchter nicht nachließen. Ich wurde am gleichen Abend entlassen. Zuhause ins Bett gehen wäre viel erholsamer gewesen.

Also, wenn ich einen GM-Anfall hatte, passierte es mir nur in der Wohnung, eigentlich wenn ich es mir "leisten" kann und tue instinktiv trotz Bewußtlosigkeit das Richtige. In der Vor-OP-Phase hatte ich einen nächtlichen GM-Anfall in einem Gästezimmer aber kein Einnässen beim Fremden! Habe es nur viel später realisiert.

Ich hoffe, einigermassen geantwortet zu haben.

mezeg


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