OP
Hallo Musica.
Gott sei Dank kann ich dir nicht von einer mißglückten OP erzählen.
Aber ich kann dir von einigen Dingen erzählen, die man bei der Abwägung einer OP
mit betrachten sollte.
Natürlich habe auch ich, obwohl es meine 28ste OP mit Vollnarkose war, am Abend vor der OP,
die im April 2011 durchgeführt wurde, ziemliches Muffensausen gehabt.
Weniger vor der OP an sich, eher vor dem, was passieren konnte. Würde ich nachher noch wissen wer die anderen sind,
wer ich bin oder überhaupt wieder so wach werden das ich irgendetwas mitbekomme.
Dabei hatte ich nicht soviel Angst zu sterben, sondern davor, bis zum Ende meiner Tage ein Pflegefall oder Schwerstpflegefall zu werden.
Aber bis auf ein kleines Problem mit der Blutgerinnung und einer allergischen Reaktion auf das Blutplasma, welches übertragen wurde,
lief die OP gut.
Als ich wieder wach war, etwa 1,5 Tage post OP, ging es mir auch gleich sehr gut. Keine Schmerzen o.ä. und Ausfälle gab es auch keine.
Nach 4 Tagen wurde ich nach hause entlassen.
Doch da war etwas, ein kleiner Gesichtsfeldausfall war entstanden, der mich aber nicht wirklich störte. Im oberen linken Quadranten konnte ich nichts mehr sehen.
6,5 Wochen post OP ging ich dann auch wieder arbeiten. Ich bin Konstrukteur in der Automobilinudtrie und arbeite viel mit 3D Programmen.
Mit der Wiedereingliederung im Rahmen des Hamburger Models schaffte ich es innerhalb von 2 Monaten wieder vollzeit arbeiten zu gehen.
Wie vor der OP wurde ich auch nach der OP mit dem Taxi zur Arbeit und wieder nach hause gefahren.
Mit dem Wunsch wieder Auto zu fahren musste ich noch Geduld haben. 1 Jahr Anfallsfreiheit würde ja nun noch bis April 2012 dauern.
Größere und etwas unangenehmere Probleme hatte ich mit der Halswirbelsäule und der Muskulatur rund um meinen Kopf.
Mein Kiefer stand nicht mehr so wie vor der OP und ich hatte ständig Kopfschmerzen weil die Muskulatur sich stark verspannte.
Zudem ließ mich meine HWS und Schädelmuskulatur kaum schlafen. Selbst ein neues, wirklich fluffiges Kopfkissen gab keine Besserung.
Anfälle hingegen blieben aus.
Im September fuhren meine Frau, unsere schwerbehinderte Tochter und ich 4 Wochen zur REHA ins Erzgebirge.
Hier wurde mir dann am 13.Oktober von der Augenärztin die Hiobsbodschafft verkündet:
"Sie wissen doch, dass sie mit diesem Gesichtsfeldausfall kein Auto fahren dürfen, oder?"
"Ähhh, nein, wusste ich nicht," es hatte mir auch niemand vorher gesagt. Mir wurde das Risiko eines derartigen Ausfalls mitgeteilt, aber nicht die Auswirkungen.
Auch nach der OP, als beim Test der Ausfall diagnostiziert wurde sprach niemand von der Bedeutung.
Schließlich war die Wiedererlangung der Fahrtauglichkeit ein großer Mutivator für die OP gewesen.
Auch von den Problemen die an der HWS und der Muskulatur rund um den Kopf entstanden sind und die Kieferproblematik hatte niemand gesprochen.
Nun heute, am 3ten Dezember 2012 darf ich wieder Autofahren, nach langem, langem Kampf mit Augenärzten und Beamten. Anfälle hatte ich keine mehr,
aber die Problematik der HWS und des Kiefers sowie der Muskulatur besteht immer noch. 2 x 2 Stunden Therapie in der Woche halten die Probleme in einem
erträglich Rahmen. Mein Kurzzeitgedächnis hat deutlich nachgelassen und die Fähigkeit Information aufzunehmen ist eingeschränkt. Ich vergleiche es mit einem
Tunnel, der vor der OP aus 2 Röhren bestand durch die die Informationen hindurch konnten. Nun ist es nur noch eine Röhre und so stauen sich die Informationen
öfter Mal vor dieser Röhre, was bei hohem Aufkommen schon Mal zu Schwindel führen kann. Dieses gleiche ich dann damit aus, dass ich mir einiges in einem
Notizbuch aufschreibe. Zudem habe ich alle in meinem Umfeld immer über den aktuellen Stand informiert, auch meine Arbeitskollegen. So weise ich sie darauf hin,
wenn es für mich zu schnell geht oder zu viel an Informationen auf mich einprasseln. Daher läuft alles relativ normal weiter.
Du siehst also, es gibt viele Aspekte die eine solche OP zu einem Erfolg oder Misserfolg werden lassen können.
Bei mir spielt immer noch eine fortgeschrittene Auto Immunerkrankung eine wichtige Rolle.
Ich muss also immer auf zwei Hochzeiten tanzen und nichts aus dem Blick lassen.
Aber die meisten können sich ja auf die Epilepsie konzentrieren und somit alle Energie in das Projekt OP legen.
Nach etwa 33 Jahren Epilepsie mit fokalen und komplex fokalen Anfällen bin ich nun 18 Monate Anfallsfrei. Dieses bedarf auch einer langen Zeit der Gewöhnung.
Bei jeder noch so kleinen Veränderung ist man gleich beunruhigt und hat Angst die Anfälle könnten wieder kommrn.
Die Dosierung eines der beiden Medikamente konnte ich bereits um die Hälfte reduzieren.
Wie du einen Erfolg oder Misserfolg definierst kannst ja nur du beschreiben.
Also es geht oft gut, aber nicht immer zu 100%.
Liebe Grüße,
Roen
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