Wortfindungs-sowie extreme Erinnerungsprobleme

mezeg, München, Tuesday, 30.07.2013, 10:37 (vor 4765 Tagen) @ Ruhrpott Dominik

Hallo Dominik,

habe auch Wortfindungsstörungen und ab und zu komplette Sprachblokade für ein paar Minuten zu kämpfen, kann dabei nicht einmal in Worten denken oder nehme Gesagtes / Gelesenes nur als unförmiges Brei wahr. Zuerst habe ich verzweifelt versucht, es anderen gegenüber zu kaschieren, inzwischen "schäme" ich mich nicht mehr deswegen, versuche auch nicht mehr, es auf die Mehrsprachigkeit zu schieben.

Mit den Medis dürfte es nichts zu tun haben, sondern mit der OP, es wurde in der Nähe des Sprachzentrums geschnipselt. Vor der OP wurde ich entsprechend gewarnt. Nach der OP bekam ich 6 Monaten Keppra, in der Zeit keine Sprachprobleme, erst nachdem es ausschleichend abgesetzt wurde. Es kam auch zu GM-Anfälle, die zu Lamotrigin-Einnahme verurteilten.

Seit ich mit der Epilepsie und den Medis "Frieden" geschlossen habe, ist es um etliches leichter geworden. Habe ich einen kurzen Stopp im Gespräch, sage ich "Ich kriege es gleich" und ich kriege das Wort / den Ausdruck auch gleich. Oder eine andere Art mich auszudrücken.

Das Gehirn scheint sich auch nun andere Bahnen zu bauen. Das Gesuchte "bekomme" ich durch Bildern - die ich immerhin beschreiben kann - oder über einen anderen Begriff, der zum gewünschen Wort führt. Amüsanterweise ist dieser "Hilfsbegriff" oft von einer anderen Ebene, sprich viel komplexer und seltener als in der Alltagssprache. Als Beispiel - bitte nicht kichern oder als Mannsbild einen Wutanfall bekommen ;-) ;-) ;-) - dachte ich einmal über Aggressivität im Allgemein, daß eher Männer zur körperlichen Gewalt kommen. Wohl aufgrund dieser Hormon... wie heißt sie doch??? Dann wurde mir das Wort "Gonadotrophine" projeziert... erst eine Weile danach das gesuchte und viel einfache Wort "Testosteron"!

Mit gelöschten Erinnerungen habe ich auch zu kämpfen, viel mehr frischen als fest eingebrannten alten. Allerdings habe ich das Gefühl, daß es sich langsam bessert, seit ich die Situation akzeptiere und das Wort "Epilepsie" nicht mehr im Vordergrund platziere. Vielleicht würden Dir Gespräche mit einem Psychologen, eine Selbsthilfegruppe oder sogar offene Gespräche mit guten Freunden helfen. Zu sehen, wie sie selbstverständlich natürlich reagieren, wenn sie informiert darüber sind, was es ist, wie es sich bei Dir zeigt, wie sie in so einem Fall handeln sollen, bringt unheimlich viel Erleichterung.

Alles Gute

mezeg


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