Ich weiss nicht mehr weiter!

Frank, Thursday, 08.08.2013, 21:45 (vor 4756 Tagen) @ rosaroterzopfgummi

Hallo

Ich fange an zu glauben, dass ich ein Glücksfall bin, obwohl ich durchschnittlich 100 Anfälle im Monat habe. Ich verstehe die Aussage "glaubst du für mich ist das leicht" nicht, aber es klingt für mich, wie ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Der Wille, dir zu helfen aber das fehlende Wissen, wie das geht; was man tun kann. Vielleicht hilft es euch, darüber zu sprechen. In der Uni Klinik Bonn haben wir einfache Anweisungen bekommen, was Angehörige tun können. Eigentlich ist das nur aufpassen und abwarten, ob du alleine aus dem Anfall raus kommst. Wenn nicht, dann nach ca. 5 Minuten Krankenwagen rufen. Gegebenenfalls hilft es euch, zusammen mit dem Neurologen darüber zu reden.

Sich zu Hause einzuschließen macht es nur schlimmer. Das verstärkt den Glauben, dass dich keiner versteht, nur. Vielleicht lebe ich mit Köln in einer übermäßig verständnisvollen Stadt, aber das mag ich nicht so recht glauben. Ich habe bei einem Anfall in der Deutschen Bahn die Erfahrung gemacht, dass nicht alle Menschen so teilnahmslos sind wie ich immer dachte. Die jungen Menschen, die den Anfall mitbekamen, fragten mich besorgt, ob alles in Ordnung sei, ob es mir gut gehe und ob ich das öfter hätte.

Wenn diene Freunde wirkliche Freunde sind, werden sie dich auch mit den Anfällen akzeptieren. Sag ihnen, wie sie sich vehalten sollen und erkläre ihnen, wie es dir dabei geht und was deine Anfälle primär gefährlich macht. Die größte Gefahr bei Epilepsie - die Erfahrung habe ich gemacht - ist Unwissenheit. Dagegen solltest du behutsam angehen.

Vielleicht bin ich ein naiver Optimist, aber ich denke, dass das zu Hause verkriechen dir im gesellschaftlichen Leben mehr schadet als die Krankheit ansich.

Wenn du noch nicht in einer Epileptologie gewesen bist, kann ich dir - gegebenfalls auch nach der Schule - nur dringen raten, das nachzuholen.


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