56Jahre und nun Epilepsie

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 27.01.2014, 15:33 (vor 4584 Tagen) @ schutzengel

Hallo erst einmal!

Ich versuche einmal einen Schnelldurchlauf zu Deinen Fragen, bevor meine naechste Vorlesung beginnt.

ist es ratsam erst einmal zur Ruhe zu kommen und nicht arbeiten zu gehen Ich selber bin Erzieherin im Kindergarten.

Erst einmal zur Ruhe zu kommen ist sicherlich nicht verkehrt. Die Einstellung auf die Medikamente kann einem am Anfang z.B. schlapp und muede machen. Ausserdem stellt sich bei Dir die Frage - dazu koennen noch andere, die damit schon persoenliche Erfahrungen gesammelt haben, mehr schreiben - wie's bei Dir beruflich weitergeht. Ist nicht ganz einfach, damit in einem Kindergarten taetig zu sein und ich denke, dass in dem Fall der Arbeitgeber ein Recht hat, von der Erkrankung zu erfahren.

wie gehe ich mit meinen Medikamenten um?

Da gibt's im wesentlichen drei Punkte:
- Bloss nicht von den moeglichen Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel verunsichern lassen. Das sieht wirklich schlimmer aus, als es tatsaechlich ist. (Ich persoenlich merk unter meinem Medi gar nix). Am Anfang treten typischerweise ein paar Dinge wie z.B. Muedigkeit sehr stark auf, aber das gibt sich i.d.R. auch mit der Gewoehnung an ein Antiepileptikum.
- Pass auf, dass Du immer das gleiche Praeparat bekommst. Damit meine ich nicht den Wirkstoff selbst, sondern auch vom gleichen Hersteller. Die Sache ist naemlich die, dass die Generika zwar Wirkstoffidentisch sind, aber untereinander sich in ihrer Bioaequivalenz(im Prinzip wie schnell sie aufgenommen werden, um nicht zu sehr auszuschweifen) unterscheiden duerfen. Da reagieren manche auf Schwankungen sensibel. Daher am besten drauf achten, dass Du immer ein Rezept mit klarem Praeparatenamen und aut-idem-Kreuz bekommst, damit die in der Apotheke Dir auch das geben muessen und nicht irgendetwas anderes, wenn sich die Rabattvertraege zwischen Herstellern und Krankenkassen mal wieder aendern.
- Regelmaessig einnehmen und niemals selbst was an der Dosis aendern. Gerade fuer den Anfang kann es hilfreich sein, sich z.B. einen Handyalarm zu stellen, um an die Einnahme zu denken. Finde - wenn keine explizite aerztliche Anweisung dagegen spricht - heraus, ob Du Dein Medi besser vertraegst, wenn Du direkt vorher etwas gegessen hast oder wenn Du nuechtern bist.
Wenn der Wunsch aus irgendeinem Grund da waere, immer mit dem Arzt sprechen, dass der dann die Umdosierung/Umstellung plant. Zu schnelle Aufdosierungen koennen die Gefahr des Auftretens von Nebenwirkungen erhoehen, zu schnelle Abdosierungen das Auftreten von Anfaellen beguenstigen.

ist der empfohlen de Fahrverbot (1Jahr) rechtskräftig?

Aertzliche Fahrverbote sind Verbote, wegen denen allein Dir zwar erst einmal niemand den Fuehrerschein wegnehmen kann, aber es sind immer noch Verbote, die auf sogenannten Gutachterleitlinien basieren. Wenn Du nicht dementsprechend handelst - also im Prinzip die Grundregel, dass man nur Auto faehrt, wenn man gesundheitlich dazu in der Lage ist - verletzt und irgendwas passiert und eine Versicherung dahinter kommt, dann kann es sein, dass die nicht zahlen bzw. Dich in Regress nehmen. Mehr Informationen dazu unter folgendem Link(bitte Leerzeichen rausloeschen; der Filter hier laesst den enthaltenen Sportartikelhersteller nicht zu): http://www.medizin.uni-tuebingen.de/uktmedia/EINRICHTUNGEN/Kli ni ke n/Neurologie/PDF_Archiv/Abt_+Epileptologie/epilepsie_und_fuehrerschein.pdf
Ach ja - Aerzte haben durchaus das Recht ihre aertzliche Schweigepflicht zu brechen, wenn sie glauben, dass ein Patient sich nicht an die Weisung haelt und zum Schutz der Allgemeinheit das den zustaendigen Aemtern zu melden.

soll ich wirklich einen Antrag für einen Schwerbindertenausweis stellen?

Kommt drauf an. Da solltest Du mal eine Beratungsstelle aufsuchen. Da muss man im Einzelfall - vor allem angesichts Deines Berufes und Alters - ein paar Dinge abwaegen.

ist eine psychosomatische Rehabilitation sinnvoll?

Naja, das kommt ganz drauf an, wie sehr Dir das jetzt psychisch zu schaffen macht, weil Epilepsie selbst ja keine psychische Erkrankung ist. Muesste halt dann schon was epilepsiespezifischeres sein. Vielleicht koenntest Du ja auch einmal eine sogenannte Moses(hat nix mit der Bibel zu tun) bzw. Famoses Schulung besuchen, ja nachdem, wie Deine familiaere Situation aussieht: http://www.famoses.de/ http://www.moses-schulung.de/

So, zum Abschluss aus Interesse noch zwei Fragen von mir:
- Was wurde bei Dir eigentlich alles untersucht?
- Auf was fuer ein Medikament/Wirkstoff wirst Du eingestellt?

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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