cannabis therapie/alternative Medizin jemand Erfahrung?

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Wednesday, 31.12.2014, 12:03 (vor 4246 Tagen) @ Daniel
bearbeitet von huge88, Wednesday, 31.12.2014, 12:11

Erst mal eine Frage vorab: War Dein Bruder denn in den letzten Jahren einmal in einem Epilepsiezentrum bzw. einem Fachzentrum für seine Grunderkrankung, um zu sehen, was sich noch machen lassen könnte? (ich mein so wie ich das verstehe, ist die Epi ja ein Symptom der eigentlichen Grunderkrankung Deines Bruders). Einige Epilepsiezentren bieten inzwischen auch Beratung bzgl. ergänzenden alternativen Heilverfahren zur Linderung von z.B. Nebenwirkungen an.

Die Nebenwirkungen werdet ihr wahrscheinlich sehr gut kennen. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Depressionen, Augenzittern, extreme Vergesslichkeit usw.Weiterhin hat er sich sehr schlecht entwickelt im Kindesalter.

Ich persönlich (abgesehen von einem Antiepileptikum das ich nicht vertragen habe) eher aus Erzählungen. Oft kommt es drauf an, das richtige Medi für einen zu finden. Und im Fall Deines Bruders muss man da auch noch unterscheiden, was Nebenwirkung durch die Medikamente ist und was von seiner Grunderkrankung herrührt.

Nebenbei gesagt ist die Heilung bei Epilepsie durch Cannabis schon seit dem Mittelalter bekannt.

Sorry, aber da muss ich Deine Hoffnung in vier Punkten etwas dämpfen:

1) Eine komplette "Heilung" gibt es bei Epilepsien für gewöhnlich nicht (es sei denn es sind spezielle gutartige Formen z.B. des Kindesalters, die sich von selbst auswachsen oder wenn man den Herd wegoperieren kann und die überbleibsel der OP nix mehr auslösen; auf der von Dir erwähnten Seite der Uni Freiburg steht auch nur was von Behandlung im Mittelalter, was erst einmal nix über die Wirksamkeit und Nebenwirkungen aussagt). Mit verschiedenen Wirkstoffen kann man allerdings die Anfallshäufigkeit reduzieren, bei manchen so stark, dass sie unter regelmäßiger Medikamenteneinnahme Anfallsfrei bleiben.

2) Die Seite der Uni Freiburg dient in meinen Augen nur einer möglichst objektiven Information (im Vergleich zu denen von manchen "Wunderheilern") und sagt nach meinem Verständnis unterm Strich aus, dass es eigentlich nicht genug Daten gibt, um eine angemessene Nutzen/Gefahrenabwägung zu treffen (und trifft dabei keinerlei Aussage darüber, wie gut die mögliche Schutzwirkung im Vergleich zu existierenden Wirkstoffen ist).

3) Von der von Dir zitierten Seite der Uni Freiburg: "Derzeit gibt es keine Zulassung von Cannabinoiden zur akuten oder prophylaktischen Behandlung bei Epilepsien. Eine solche wird bei uns auch nicht angeboten. Einer Nutzung des verfügbaren THC ist praktisch limitiert durch Nebenwirkungen vor allem im Bereich der Kognition und psychiatrischer Erkrankungen." Bzgl. den Nebenwirkungen im Bereich der Kognition(Denkvermögens) unterscheidet es sich dann wohl eher weniger von den bekannten Antiepileptika, so würde ich das mal interpretieren.

4) Mit Aussagen bzgl. dem Mittelalter würde ich persönlich immer vorsichtig umgehen, werden die doch zu gerne von verschiedensten Parteien als Totschlagargument verwendet, warum etwas helfen können muss. Ich sammle nebenbei alte Bücher, darunter habe ich auch eins das sich mit "Hausmitteln" gegen allerlei Leiden beschäftigt. Da wird zur Therapie von "Fallsucht" auch Quecksilber vorgeschlagen (Schwermetalle waren als Allzweckwaffe eine Zeit lang sehr beliebt, ohne überhaupt zu schauen, ob's wirklich was bringt), wovon wir heute auch eher Abstand nehmen würden.


Edit:
Noch eine weitere Anmerkung zu der von Dir zitierten anderen Seite (einfach nur ein Zitat daraus): "Der Besitz des zusätzlich notwendigen Cannabis ist in vielen Ländern nur mit einer Empfehlung eines Arztes bzw. einer Sondergenehmigung legal."

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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