frage an epi-neulinge

mezeg, München, Wednesday, 07.01.2015, 09:34 (vor 4239 Tagen) @ sandytimmy

Mit Epilepsie wurde ich erst im Großmutter-Alter mit GM-Anfällen betroffen. Externe Ursache: ein walnußgroßer Menigeom. Wurde rausoperiert aber die Narbe verursacht doch wieder GMs wenn auch in anderer "besserer" Form: nur zu Hause in Sicherheit, ich wache im Bett wieder auf. Allein bis auf das 3. und letzte Mal in Anwesenheit einer Tochter, die wertvollen Informationen lieferte. Inzwischen gut eingestellt, höchstens kleine Auren nach heftigem emotionalen Stress. Andere reagieren auch, vielleicht mit Herzproblemen... ;-) ;-)

Früher hatte ich nur "aus der Ferne" Kontakt damit. Keine Verwandte, keine Freunde betroffen. Im Familienkreis wäre man besorgt gewesen aber nicht diskriminierend, sozial-katholisch, ein Großvater sogar Neuro-Psychiater!!

Ich wußte, daß es keineswegs Genie verhindert, z.B. Dostojewski... Dachte aber, daß es immer angeboren war!!!

Vor etwa 20 Jahren wurde ich zufällig Augenzeugin eines GM... im Rahmen einer RK-Weihnachtsfeier... Notierte mit großem Interesse die perfekte Ruhe aller Anwesenden, mehrere Helfer, die auf beider Seiten des am Boden Krampfenden knieten, ihn aber nicht anfaßten. Der Sanka wurde gerufen und nahm ihn mit. Seine Anfallsmöglichkeit war wohl bekannt.

Ich empfand die Angelegenheit für mich als lehrreich: Würde ich einen Anfall irgendwann beiwohnen, würde ich wissen, wie ich dem Betroffenen helfen kann / soll: eben "umrahmen", um Verletzungen zu meiden, Sanka anrufen und sonst nichts tun.

Daß ich nun damit leben kann, war schon wie eine kalte Dusche. Zuerst keine Zeit zu überlegen, Nurologe, MRT, dringende OP. Und dann nicht der Spuk doch vorbei...

Zeigt sich nun anders und auch noch definitiv. Diesmal war die Dusche eiskalt, habe Zeit gebraucht zu akzeptieren, gesehen, wie viel soziale Kontakte zerbröseln, wie eine Schwester mir sogar "Behinderte" ins Gesicht schleuderte. Dann wieder aufwärts: einfühlsamer wie fähiger Neurologe, AE am Morgen in ein hübsches Schächtelnchen vorbereiten, um die emotionale Ablehung im Griff zu bekommen, gesehen, daß sich doch nicht alle Bekannten zurückziehen und sich neue finden - auch wenn informiert. Leben bis auf kleine Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen normal. Der Kater schlummert gerade auf meinem linken Arm, ich gehe dann um deutsche Schüler über unsere DreiKönigs Gebräuche zu informieren, morgen wird der passenden Kuchen gebacken und Freitag geschnitten um die Fève zu finden und so den "König" zu bestimmen... und dann natürlich verzerrt...

Ich habe Epilepsie... na und? Es geht mir gut!

mezeg

P.S. wie Epilepsie in den Medien beschrieben wird, ist nicht immer wie von Huge leider zu Recht beschriebe. Im Film "Ziemlich gute Freunde" simuliert der Gelähmter einen GM-Anfall mit Schaum im Mund, um lästige Polizisten loszuwerden, die wegen krasser Geschwindigkeit verbalisieren wollen. Beide schrecken zurück und machen mit Blaulicht für die zwei - heimlich lachenden - Kumpeln den Weg frei den Weg frei. Botschaft: Epilepsie kann auch sehr nützlich sein! Ich empfinde es zumindest so. Vielleicht auch, weil ich als Französin unseren eigenen Humor besser deute...


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