Leben mit den Medikamenten

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 15.01.2015, 09:35 (vor 4231 Tagen) @ Eifel2001

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Ist mit den Medikamenten ein relativ normales Leben möglich?

Definitiv ja. Ich studiere, hab einen Schnitt von dem viele andere ohne Epi nur träumen können und bring nebenbei noch einen Werkstudentenjob und ein Ehrenamt unter einen Hut.

Alkohol ist sicherlich tabu.

Nicht zwingend. Das kommt auf zwei Faktoren an:

1) Das Medikament: Nicht alle Wirkstoffe werden über die Leber verstoffwechselt. Und selbst bei Medikamenten, die über die Leber verstoffwechselt werden, gibt es für die meisten zwei Dinge in Betracht zu ziehen, die in die Entscheidung, ob man z.B. mal ein Glas Bier mit Alkohol trinken kann oder nicht, einbezogen werden sollten:

a) Die gleichzeitige Verstoffwechslung von Alkohol und einem Wirkstoff über die Leber
verringert in vielen Fällen die Geschwindigkeit, mit welcher der Wirkstoff (und auch der
Alkohol) abgebaut wird. Bei manchen Therapien will man einen möglichst konstanten
Medikamentenspiegel erzielen und das kann dann zu Schwankungen führen. Wenn einem
Medikamentenspiegelschwankungen in einem gewissen Ausmaß nichts ausmachen, ist das eher
weniger ein Problem.

b) Medikamente, welche über die Leber verstoffwechselt werden, können diese - müssen aber
nicht - belasten. Aufschluss darüber können regelmäßige Blutbilder geben, wie sie für
gewöhnlich eh zur Kontrolle des Medikamentenspiegels gemacht werden, geben. Bei mir ist
die Leber immer noch gut drauf und die einzigen Fälle in denen die Leberwerte bei mir nach
oben gingen war in Verbindung mit Antibiotika und selbst da war alles noch weit im
gesunden Bereich. Die Leber ist ein sehr robustes Organ mit einer außerordentlichen
Regenerierungsfähigkeit.

2) Ob jemand in Verbindung mit Alkohol besonders zu Anfällen neigt. Alkohol kann bei manchen, muss aber nicht, die Schwelle zu Anfällen sehr stark herabsetzen. Einen wirklichen "Test" dafür gibt's aber nicht. Ob's einem was ausmacht muss man im Prinzip einfach selbst ausprobieren, indem man sich vorsichtig vortastet.

Muß ich auch danach weiterhin streng darauf achten, das mein Sohn abends um 10 Uhr schläft?

Zwar ist ein geregeltes Leben (auch schon unter dem Gesichtspunkt, dass das Gehirn von Jugendlichen - ich mein er ist ja erst 13 - eh viel Schlaf braucht und z.B. auch für die Festigung von in der Schule erlernten Wissens wichtig ist) für ein anfallsfreies Leben förderlich und Schlafmangel sollte man besonders dann vermeiden, wenn man aus Erfahrung weiß, dass jemand z.B. darauf besonders leicht Anfälle bekommt, aber das ist kein Grund, es damit zu übertreiben.

Vielleicht hat ja jemand Erfahrung mit Epi im jugendlichen Alter.

Ich hab meine Epi mit 17 gekriegt und hatte damals meine erste feste Freundin - also definitiv nicht das Alter, in dem man am Wochenende nicht Feiern geht oder früh ins Bett geht und hatte vom lange aufbleiben keine Probleme. Wenn man am Samstag in der früh meinetwegen auch erst um 9 Uhr aufsteht und dann Abends lange/bis in den Morgen hinein aufbleibt und danach eben schläft, bis man von selbst wach wird und sich nicht mehr allzu müde fühlt, kann man sogar lange unterwegs sein und gleichzeitig Schlafmangel vermeiden. Also alles grundsätzlich kein Thema, über das man sich den Kopf zerbrechen sollte, bevor sich nicht klar zeigt, dass jemand besonders empfindlich auf einen bestimmten Faktor reagiert. Ich war jetzt erst wieder an Silvester mit Freunden bis 3 Uhr morgens, vielleicht war's auch schon 4, wach und hatte überhaupt gar nix.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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