Epilepsie ist ,,alltäglich"

Gilmore1612, Monday, 21.12.2015, 19:29 (vor 3890 Tagen) @ huge88

Hallo :)

ich bin neu hier im Forum und auch die Diagnose ist für mich noch relativ frisch. Mitte Oktober hat es mich einfach vom Stuhl gehauen - aber wörtlich. Ich fand mich plötzlich auf der Erde wieder, Rettungsdienst um mich herum und als ich im Krankenhaus gelesen habe, was mir alles verabreicht wurde... war ich erst recht von den Socken. EEG und MRT ergaben dann eine wahrscheinlich angeborene Epilepsie. 34 Jahre nicht gemerkt und dann das. Nächste Woche habe ich meine Zieldosis Lamotrigin 100-0-100 erreicht. Weil ich unter 25-0-0 noch zwei weitere Anfälle hatte, hat mein Neurologe mir übergangsweise noch Levetiracetam verordnet - als zusätzlichen Schutz. Dieses dosiere ich gerade ab und dann heißt es abwarten.
Meine Stelle habe ich aufgegeben, da mein Arbeitsplatz zu weit weg war und zu viel Stress - Krankenhausbetrieb und dann mit 2 Kindern im Grundschul- und Kindergartenalter.
Ob ich mit der Dosierung und dem Medikament auf Dauer klarkomme, muss sich zeigen. Am Anfang wollte ich das alles nicht wirklich akzeptieren, aber mittlerweile sage ich mir, es gehört zu mir und je eher ich es annehme, desto eher führe ich ein möglichst normales Leben, was sehr wichtig ist. Bestimmt 2-3 Wochen lang hatte ich richtig Angst, hab mir kaum etwas zugetraut und traute mich kaum vom Bett weg. Das hat sich schon geändert. Ich muss mit gewissen Sachen vorsichtiger sein, aber ok. Damit kann man leben.

Konzentrationsmäßig fühle ich mich teilweise noch ein wenig, als hätte ich Stroh im Kopf :) Aber vielleicht gibt sich das ja noch. Was ich merke, ist, dass ich schnell erschöpft bin und viele Ruhepausen brauche. Es ist auch vielleicht noch etwas Unsicherheit und die unterbewusste Angst, dass ich doch wieder umfallen könnte. Ich möchte mich von der Diagnose aber auch nicht unterbuttern lassen, schon der Kinder willen. Die größte einschneidende Veränderung ist für uns vor allem das Fahrverbot von 1 Jahr, welches ich hoffe, nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Möglicherweise auch ein Druck, den ich mir mache. Aber an Heiligabend habe ich wieder einen Monat ohne Anfall geschafft und das ist für mich wie ein Geschenk.

Alles Liebe und einen schönen Abend


gesamter Thread: