Über Epilepsie sprechen

chrissie, Tuesday, 21.03.2017, 17:41 (vor 3434 Tagen) @ Jule NU

Hallo Jule,
ich habe vor 35 Jahren die Diagnose Epilepsie bekommen, da war ich 14 Jahre. Ich wurde nach dem Motto erzogen: da spricht man nicht drüber, weil es peinlich ist!
Nur Eltern, Großmutter (die mit im Haushalt gewohnt hat) und Bruder haben davon gewusst, sonst niemand. Dieses Verstecken und immer der Gedanke "Hoffentlich tritt kein Anfall in der Öffentlichkeit auf" hat ganz schön weh getan.
Mein jetziger Epileptologe hat mir 1990 klar gemacht, dass ich darüber reden muss und mich nicht verstecken muss.
Stepl hat ja schon gesagt, was können wir dafür, dass wir Epilepsie haben! Nichts!!!
Und wenn wir die nichtswissende Öffentlichkeit nicht aufklären, wie vielfältig Epilepsie ist und was da genau hintersteckt, auch dass Epilepsie nicht gleich dumm oder geistig behindert bedeutet, auch welche Persönlichkeiten diese Krankheit haben, dann werden wir weiterhin stigmatisiert und diskriminiert.
Ich habe das hinter mir: 3x bin ich entlassen worden, weil ich die Epilepsie nicht beim Vorstellungsgespräch genannt habe, dann hab ich auf der Arbeit einen Anfall gehabt und es hieß "Epilepsie - Entlassung". Bei einigen Vorstellungsgesprächen hab ich die Epi angegeben und es hieß, nein, dann können wir Sie nicht brauchen. Mein letzter Chef war Mediziner, beim Vorstellungsgespräch habe ich auch die Epi angegeben und er sagte nur: na und, kein Problem, jeder kann umfallen oder einen Anfall bekommen, egal ob Epilepsie-Patient oder nicht. Ich dachte ich sei im falschen Film.
Ich schreibe mir das Wort "Epilepsie" nicht auf die Stirn, aber wenn es zum Thema Gesundheit kommt und andere reden von Diabetes, Depressionen, Rückenschmerzen usw., dann spreche ich von Epilepsie und multiple Sklerose.


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