Re: Re: Re: Berufswahl, Absencen-Epilepsie

anette @, Monday, 14.08.2006, 12:18 (vor 7313 Tagen) @ Benjamin

[zitat=Mike. A.]Also vielleicht hab ich meinen Beitrag nicht deutlich genug formuliert, aber ich hab sicher nicht geschrieben "Ja klar, werde Pilot"!

Ihr müsst die Beiträge schon richtig lesen und evtl. drüber nachdenken bitteschön.
Es ist nunmal so das Epileptiker in der BRD nicht registriert werden, es sei denn der behandelnde Arzt macht entsprechende Meldung ans Gesundheitsamt. Keiner meiner Ärzte hat dies je getan!

Wenn ich also nach 7 Jahren Anfallsfreiheit die Entscheidung treffen würde einen Pilotenschein zu machen und mir ein Flugzeug zu kaufen, könnte mich keiner daran hindern. (Ausser mein Geldbeutel *g) Nur würde mich wahrscheinlich keine Fluggesellschaft so einstellen, also könnte ich es ja verheimlichen. Die Frage ist ob ich soetwas verantworten könnte und auch dazu hab ich etwas geschrieben oder?

Wisst ihr eigentlich wieviele Piloten sich allein bei den deutschen Fluggesellschaften, gut angeheitert und/oder mit Schlafentzug ins Cokpit setzen? Das kommt für mich aufs Gleiche raus!

Also macht mal halblang! (grummel)

Mike[/zitat]


Vorsicht Mike,

vergaloppier' Dich nicht und stelle eine der engmaschigst überprüften Berufsgruppen der Welt unter Generalverdacht! Flieger mit mangelndem Verantwortungsgefühl unterliegen heutzutage einer gehörigen "group pressure", jede große Firma beschäftigt zudem Teams von Psychologen, um sehr schnell niederschwellige Angebote parat zu haben, falls im Flugbetrieb beschäftigte mit diesem Problem auffällig werden - und sie werden! Epileptiker, glaube mir, würden auch medizinisch sehr schnell auffallen und "herausgefiltert" werden, zu ihrem Besten und zum Wohle der Kollegen, Passagiere und Menschen im Bereich der Flugroute.

Auch bester Redundanz aller Systeme kann es leider zu Katastrophen kommen, wie man leider immer wieder sieht. Die Voraussetzung zum Gelingen eines Fluges ist immer, dass alle beteiligten mechanischen und humanen Teile 100% funktionieren. Der Mensch ist dabei nicht ohne Grund die übergeordnete Kontrollinstanz, sonst könnten Flugzeige auch vom Boden aus gesteuert werden! Schon ein leichter Schnupfen beeinträchtigt diese Leistung, deshalb muss jeder Pilot große private Vorsorgen treffen, weil seine Lizenz selbst bei kleinsten Zipperlein weg ist. Epilepsie ist aber sicher keine "kleine Beeinträchtigung", hinzu kommt der wenig förderlich Stress durch die Arbeitsbedingungen (Bildschirmarbeit, ständiges Blinzeln in Sonnenauf- oder untergang, Höllenlärm im Cockpit, Lufttrockenheit, Schichtarbeit, Jet-Lag, Klimawechsel, Tropen- und sonstige Krankheiten... Dem ist so mancher ehemals "kerngesunder" nicht gewachsen.

Fliegen mit Epilepsie (auch mit medikamentös gut eingestellter)ist deshalb leider nicht drin. Gottseidank gibt es aber eben auch andere schöne Berufe!

Mit freundlichen Grüßen, Anette


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