Re: epilepsie und beziehung

Robert Heinrichs @, Monday, 15.01.2007, 19:44 (vor 7158 Tagen) @ karen

[zitat=karen]hallo ihr leut!ich erzähle euch jetzt mal ein paar erfahrungen,die ich im bezug auf partnerschaften gemacht habe.diese erfahrungen sind zwar schon lange her,aber leider in meinen erinnerungen noch negativ abgespeichert.meine erste beziehung hatte ich mit 16.er hatte keine epilepsie und ist auch vorher nie mit diesem thema konfrontiert worden.nach meinem ersten anfall war er dementsprechend geschockt und ich hatte irgendwie das gefühl,dass er einen leichten ekel oder zumindest eine grosse befremdung dagegen empfand.reden wollte er auch nur begrenzt darüber und ich spürte es,dass er mich "irgendwie mit anderen augen" sah.ähnliche erfahrungen machte ich auch mit anderen ausser mit einem mann.für ihn war es kein problem,dass er eine kranke freundin hatte und er kam auch mit den anfällen selber gut zurecht.getrennt haben wir uns dann später aus einem anderem grund,aber zum glück nicht wegen der epilepsie.ein freund mit dem ich lange zeit sehr fest zusammen war hat nach 3 jahren schluss gemacht und wollte mir keinen grund dafür nennen.mich hat das schon verunsichert,ob die epilepsie der grund dafür gewesen ist.eine trennung ist ja mit der zeit schon zu verdauen,aber wenn es wegen der eigenen krankheit ist?ich finde das an sich dann noch viel schlimmer.heute bin ich mit meinem verlobten 3 jahre zusammen.es war die liebe auf den 1. blick und wir wollen zusammen alt werden.er hat übrigens auch epilepsie!!!viele dachten,dass wir uns deshalb zusammengetan hätten oder sowas,was echt kurzsichtig von denen ist,denn wir wussten das voneinander gar nicht als wir uns verliebten.ausserdem,wenn manche mal mehr denken würden,dann ist ja wohl klar,dass zur liebe mehr gehört als eine gemeinsame krankheit...das wär ja echt traurig sonst oder?natürlich können wir uns z.b. besser austauschen über unsere krankheit und auch besser verstehen,aber ich glaube,wenn einen jemand so richtig liebt,dann ist eine krankheit doch zweitrangig.welche erfahrungen habt ihr gemacht?positive?negative?egal wie,würde mich echt voll interessieren!!!gruss,karen[/zitat]

Hallo Karen
Nun bin ich mit meinem fast ein Jahr Epileptiker nicht gerade ein Profi, was Langzeitstudien betrifft, dafür fehlt es mir aber nicht an Partnerschaftserfahrung mit dem Thema. Ich bin Fokalepileptiker und mein erster Anfall im März 06 zeichnete sich durch eine komplette Halbseitenlähmung aus. Die Atmung fiel mir schwer. Da ich auch nicht mehr Schlucken oder Reden konnte, die Zunge schief hing, die linke Gescihtshälfte abrutschte und mir der Speichel rauslief, sah alles nach einer Halbseitenlähmung aus. Meine liebe Frau und unsere drei Jungs haben das ganze live Miterleben müßen, ohne dem Wissen das es eigentlich "harmlos" (im Vergleich zu dem angenommen Schlaganfall) ist. Wir haben bis heute oft drüber gesprochen und uns auch mehr als lustig dadrüber gemacht, wo es mir überall passieren könnte. Schöne lockere Atmosphäre, und der Spötter mag auch recht haben, mit der Behauptung : Was bleibt denen auch übrig als zusammen zu bleiben..verheiratet, drei Kinder....Ja, das stimmt, hier ist nicht leicht trennen. Möchte aber nicht tauschen mit jemanden auf der anderen Seite. Hilflose Angst und dem Bewustsein des eigenen Versagens im Umgang mit der Situation vor anderen, vor Freunden. Das kann den ein oder anderen davonjagen, ich kann es verstehen. Nicht alle Partner sind so stark wie die, die ohne Trauschein oder Kindern bleiben. Mein Dank an diese, aber keine Verwünschung an andere, nur weil ich mich für stärker halte.
Meine Frau und die Jungs tun mir Leid. Sie können nicht fliehen, sie müßen bleiben....und sie machen es gut. Für sie und für mich hat sich nichts geändert. Wir lieben uns weiterhin, ganz gleich was da ist oder kommt. Du hast recht, die Liebe hat nichts mit der Krankheit zu tun, sie muß hier, wie sonst nur stark sein. Ihr wisst es, es klappt, und es klappt halt nicht mit jedem.
Wünsche Euch eine super Zukunft, und viele Kinder.
Robert


gesamter Thread: