Re: Mein Mann wills nicht wahrhaben

Anton @, Monday, 07.07.2008, 20:53 (vor 6618 Tagen) @ hubsi

Hallo,

ich kann dich gut verstehen, weil ich selbst seit Langem an Epilepsie erkrankt bin. Ich sehe zwei Punkte, die den Kranken dazu bewegen, die angebotene Hilfe als zuviel oder für gar nicht erforderlich abzulehnen.

1) Mittel gegen Epilepsie verändern die Persönlichkeit eines Menschen, sie machen ihn überempfindlich.
2) Anfälle enden meistens nach sehr kurzer Zeit, wenn der Krankenwagen kommt, ist der Patient meistens wieder "gesund".

Im Folgenden nenne ich dir zwei weitere Gründe, die Dein Verhalten rechtfertigen, damit Du das dir eingeredete schlechte Gewissen ablegen kannst.

1) Jeder Anfall kann in einen Status (eine Serie von Anfällen) übergehen. Bei Eintreten eines Status besteht bereits Lebensgefahr. Wenn in welchem Fall auch immer später herauskommt, dass Du keine Hilfe gerufen hast, machst Du dich wegen unterlassener Hilfleistung strafbar.

2) Ich habe unzählige Male auf der Straße Anfälle erlitten. Meistens haben Passanten einen Notarzt mit Krankenwagen gerufen. Wenn der ankam, war ich wieder völlig "normal", so dass er nicht gebraucht wurde.
Immer ein paar Tage später kam von der Krankenkasse ein Bescheid über die Zuzahlung von 10 Euro. Das hat mir nicht gepasst, weil ich bis dahin der Meinung war, wer den Krankenwagen bestellt, hat ihn zu bezahlen. Die Rechtsprechung allerdings sieht anders aus. Jeder Passant darf nicht nur, er ist sogar dazu verpflichtet, für im Anfall befindliche Mitmenschen einen Notarzt zu rufen.

Wenn Du Deinem Mann diese Beispiele erzählst, wird er Verständnis für Dein Handeln haben. Ich wünsche dir viel Kraft, um mit ihm, dem ich gute Besserung wünsche, eine Einigung für die Zukunft zu erzielen.
Viele Grüße
Anton


gesamter Thread: