Auszeit von der Schule bei Epilepsie

Mia, Thursday, 18.06.2009, 13:30 (vor 6272 Tagen) @ Martina

Hallo Martina,
Ich kann sehr gut nachvollziehen was deine Tochter da gerade mitmacht!!
Ich habe die gleiche Geschichte gerade mitgemacht, bzw. stecke noch mitten drin.

Ich bin gerade 20 geworden.(Also nur knapp älter als deine Tochter) Und hatte meinen ersten „richtigen“ Anfall vor 1,5 Jahren. Seit dem wird bei mir mit den Medikamenten noch etwas „experimentiert“. Oder besser gesagt mit der Medikamenten Dosierung.

Ende letzten Jahres sollte ich nach einer leichten Grippe von 200mg Lamotrigin auf 400mg am Tag umgestellt werden. Eigentlich nur als Vorsorge, damit in einem Krankheitsfall, wenn der Körper noch geschwächter ist es nicht zu vermehrten Anfallen kommt. (obwohl ich da schon so gut wie Anfallsfrei war) Da ich mit dem letzten Dosierungserhöhung schon immer leichte Probleme hatte (schlafstörungen und konzentrationsschwierigkeiten) bin ich nicht wie geplant alle 14tage 25mg höher gegangen sondern alle 28tage.

Doch je mehr Tabletten ich genommen habe desto „zugedröhnter“ habe ich mich gefühlt.
In der Schule lief manchmal oder besser gesagt immer alles wie ein Film ab. Egal wie sehr man sich versucht zu Konzentrieren, man bekommt einfach nur die Hälfte oder gar nichts mit.
Ich fühlte mich sofort abgelenkt, durch jede Bewegung oder jedes Geräusch… Selbst Dinge, wie die Speisekarte im Restaurant lesen wurde zur Qual, wenn neben mir jemand geredet oder sich bewegt hat. Zusätzlich dann noch Schwierigkeiten beim schreiben. In den Sätzen Fehlten oft ganze Wörter oder Buchstaben…und dafür tauchten sie dann an anderen Stellen, wo sie eigentlich nicht hin sollten wieder auf.
Und egal welche Mühe ich mir mit dem Lernen gegeben habe, es ist nie wirklich etwas hängen geblieben.
Meine Wahrnehmungen waren alle ziemlich verlangsamt. Und mein Kurzzeitgedechniss glich einem Sieb…

Bei meinem kleinen Bruder (14J.) ist es ähnlich. Abgesehen davon das er jetzt noch Nebenwirklungen wie, Fieber bei Überanstrengung, Darmprobleme und Schwindel hat.
Er nimmt noch 100-0-100mg Lamotrigin am Tag… hat aber morgen früh wieder ein Arzttermin. Und soll wahrscheinlich zu einem anderen Medikament wechseln.

Aber nachdem ich jetzt wieder etwas runter gegangen bin mit der Dosierung und nun 100-0-125mg nehme geht es mir deutlich besser.

Ich musste die Schule nun leider schon vor den Abschlussarbeiten abbrechen. Da es gerade die Prüfungszeit der Schriftlichen getroffen hatte, als mein Kopf schon bei jeder kleinen Überanstrengung in der Schule schlapp gemacht hat.
Ich gehe jetzt also ca. seit Ostern nicht mehr zur Schule und muss sagen das mir persönlich die Pause sehr gut tut.
Man ist weniger Stress ausgeliefert und so hat auch der Körper mehr zeit sich auf die neuen Medikamente einzustellen. Zusätzlich gehe ich 1mal in der Woche zur Ergotherampie um meine Konzentration zu trainieren.

Ich werde so nun auch ein Jahr eine „Schul Pause“ einlegen und meinem Abschluss im nächsten Frühjahr extern von der Schule nachmachen. Da mir quasi nur noch die Prüfungen fehlen. Und hoffentlich klappt es dann auch danach mit der Ausbildung, so wie ich mir das vorstelle :-D

Also, alles in allem… ich würde euch oder insbesondere deiner Tochter zu der Pause raten.
Aus Eigener Erfahrung…. Es ist nicht einfach, wenn man weiß das man dadurch ein Jahr so zu sagen „verliert“ aber besser ein Jahr mit der Schule warten, als so viel „Stress“ auf einmal... gerade weil es bei euch auch noch mit der Knie OP dazukommt…
Die Gesundheit geht vor und dann erst die Schule ;-)

Ich drücke deiner Tochter ganz fest die Daumen!
Liebe Grüße, Mia


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